Nachwuchs bei den Flachlandtapiren im Zoo Zürich

Tapir-Nachwuchs - Foto: Zoo Zürich

Tapir-Nachwuchs – Foto: Zoo Zürich

Mit gestreiftem «Pyjama»: Junger Flachlandtapir

Flachlandtapire sind Bewohner des tropischen Südamerika. Sie leben in Wäldern, Buschsavannen und Graslandschaften und stets in der Nähe von Wasser. Die Vielzahl der Flüsse in ihrem Lebensraum stellt für diese ausgezeichneten Schwimmer kein Hindernis dar. Nase und Oberlippe sind bei den Tapiren zu einem sehr beweglichen
Rüssel ausgebildet, der als hochempfindliches Riech- und Tastorgan eingesetzt wird. Systematisch gehören die Tapire in die Ordnung der Unpaarhufer. In dieser Verwandtschaftsgruppe hat sich im Laufe der Stammesgeschichte die Zahl der Zehen von ursprünglich fünf auf drei (Tapire und Nashörner) und eine (Pferde) reduziert. Die Vorfahren der Tapire und Nashörner waren den Urpferden ähnlich.

Die Tapire haben im Laufe ihrer Entwicklung einen recht ursprünglichen Körperbau beibehalten. Die Zahl der behuften Zehenglieder beträgt am Hinterfuss drei und am Vorderfuss vier (die vierte Zehe ist in der Grösse reduziert). Zu prähistorischer Zeit lebten Tapire auch in Europa. Das Vorkommen der heutigen vier rezenten Tapir-Arten ist jedoch auf die getrennten Verbreitungsgebiete Südamerika (Flachlandtapir, BergtapirMittelamerikanischer Tapir) und Südostasien (Schabrackentapir) beschränkt. Tapire ernähren sich im Wesentlichen von Gräsern, Laub, Wurzeln und Früchten, fressen gelegentlich aber auch Fische oder Aas.

Der Name Tapir geht auf die indianische Tupi-Sprache zurück und bedeutet so viel wie „dick“. Damit ist die dicke Haut dieser Tiere gemeint, die von den Indianern als Leder genutzt wird. In der Guaraní-Sprache bezeichnet „tapchire“ ein Tier mit grossem Rumpf und kurzen Beinen, das in enger Beziehung zum Wasser steht und übel riecht.

Das Verbreitungsgebiet des Flachlandtapirs in Südamerika ist riesig. Es wird im Norden und Westen von den Anden begrenzt, umfasst praktisch ganz Brasilien und erstreckt sich im Süden über Paraguay bis in den nördlichen Teil Argentiniens. Trotz ihrer immensen Verbreitung gehen die Bestandeszahlen kontinuierlich zurück. Die Schätzungen gehen von einem Bestandesrückgang von 30 Prozent innert 30 Jahren aus. Gründe dafür sind unter anderem eine starke Bejagung und Konkurrenz mit weidenden Haustieren. Der Hauptbedrohungsfaktor allerdings stellt der Verlust und die Fragmentierung des Lebensraumes dar. Die stressanfälligen Tiere leiden unter menschlichen Störungen und verschwinden so auch aus potentiell günstigen Habitaten. Auf der Roten Liste der bedrohten Arten ist der Flachlandtapir deshalb als gefährdet eingestuft. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für diese Art wird im Zoo Beauval in Frankreich geführt und umfasst derzeit rund 300 Tiere.

1934 kam das erste Paar Flachlandtapire in den Zoo Zürich. Bis 1943 wurden drei Jungtiere geboren. Danach gab es einen Unterbruch in der Haltung dieser Art bis 1961. Seither sind 27 Jungtiere geboren, 21 alleine in den letzten 20 Jahren. Das derzeitige Zuchtpaar besteht aus dem in Zürich geborenen Weibchen Amapa (2000) und dem in Hamburg geborenen Mato (2002). Dieses Paar hat nun zum siebten Mal Nachwuchs bekommen.

Am 29. April 2014 zeigte Amapa unruhiges Verhalten und die Tierpflegerin Tanja Scheiwiller bemerkte, dass im Euter die Milch einzuschiessen begann. Amapa wurde deshalb über Nacht einzeln in einem Abteil abgetrennt. Über Nacht hat sie ihre Tochter Oroya auf die Welt gebracht. Oroya ist nach einer Stadt in Peru benannt. Die sorgfältige Pflege durch die Reviertierpflegerin Tanja Scheiwiller und ihrem Team erlauben eine schrittweise Zusammengewöhnung mit den Capybara, Mato und den Ameisenbären nach rund zwei Monaten. Das ältere Jungtier Mauri wird demnächst innerhalb des Zuchtprogrammes weitergegeben werden.

Das Jungtier trägt ein «auffällig» gefärbtes Fellkleid: Helle Streifen, die sich stellenweise in Flecken auflösen, überziehen den Körper. Dieses Muster, unter anderem von Wildschweinferkeln ja ebenfalls erfolgreich erprobt, trägt im Wald zur Tarnung bei. Im Lichtspiel von Licht und Schatten lösen sich so die Konturen des Jungen vor dem Hintergrund auf.

Quelle: PM Zoo Zürich