Nachwuchs bei den Roten Riesenkängurus in der Wilhelma Stuttgart

Fotos: Wilhelma Stuttgart

Es erinnert schon etwas an Yoga, wenn der jüngste Nachwuchs bei den Roten Riesenkängurus versucht, in den schützenden Beutel seiner Mutter zurück zu klettern. Besonders die langen Beine stören dabei und es braucht seine Zeit, bis eine bequeme Position gefunden ist. Gut nur, dass der Beutel von Crimson, so heißt die frisch gebackene Kängurumutter, sehr elastisch ist und auch ihrem über einen halben Meter großen Jungtier noch genügend Platz bietet.
Ganz so frisch ist das Mutterglück von Känguruweibchen Crimson eigentlich gar nicht. Zwar wagt sich ihr Nachwuchs erst seit einigen Tagen für kleine Hüpfausflüge aus dem mütterlichen Beutel. Aber ungefähr sieben Monate ist es her, dass das junge Känguru noch unbekannten Geschlechts tatsächlich das Licht der Welt erblickte – nach nur 33 Tagen Schwangerschaft und gerade mal so groß wie ein menschlicher Daumennagel. Mit Hilfe ihres Geruchssinns und den bereits entwickelten Vorderbeinen finden die Känguru-Embryos eigenständig den Weg in den Beutel der Mutter. Hier saugen sich die rosigen Winzlinge an einer der zwei Milchzitzen fest und lassen diese knapp zwei Monate nicht mehr los. Mit fünf Monaten strecken sie das erste Mal ihren Kopf aus dem Beutel.
In der Wilhelma wird ein Kängurubaby jedoch erst dann als Neuzugang gezählt, wenn es das erste Mal den Beutel seiner Mutter verlässt. Danach dauert es nochmals knapp einen Monat, bis es ihm dort zu eng wird und es fortan selbstständig herumhüpfen muss. Doch zum Trinken kann es auch noch bis zu einem Alter von einem Jahr immer wieder den Kopf in die Bauchtasche seiner Mutter stecken, selbst wenn dort mittlerweile schon das nächste Jungtier heranwächst. Denn in der Regel gebären Kängurus erneut, kurz nachdem der letzte Nachwuchs den Beutel verlassen hat.
Rote Riesenkängurus machen ihrem Namen alle Ehre. Sie sind die größten Beuteltiere, die derzeit auf der Erde leben. Männchen können, auf den Hinterbeinen stehend, bis zu 1,80 Meter aufragen und bis zu 90 Kilogramm schwer werden. Weibchen sind in der Regel nur halb so groß. Da Kängurumänner untereinander ritualisierte Boxkämpfe um die Gunst der Weibchen austragen, wird in Zoos normalerweise immer nur ein Kängurumann gehalten. Manchmal kommt es allerdings vor, dass dieser dann seine Tierpfleger als Rivalen betrachtet und versucht, mit ihnen zu boxen. Leider ist der Mensch aber kein geeigneter Sparringspartner für ein Känguru, dessen starke Hinterbeine könnten ihn sogar schwer verletzen. Zum Glück ist „Klein Pepe“, der Kängurumann der Wilhelma, ein sanftmütiger Geselle, der in seinen Pflegern keine Konkurrenz sieht, sondern sich ganz entspannt seinen sechs Weibchen und der Arterhaltung widmet. Und so wird auch der jüngste Nachwuchs in der Gruppe wohl nicht mehr lange allein seine Hüpfrunden durchs Gehege drehen: Zwei weitere Jungtiere strecken seit wenigen Tagen bereits vorsichtig das Köpfchen aus den Beuteln der Kängurufrauen Sonja und Jennifer.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart