Nachwuchs bei den Schwarzstörchen im Tierpark Goldau

Schwarzstorch-Nachwuchs - Foto: Tierpark Goldau

Schwarzstorch-Nachwuchs – Foto: Tierpark Goldau

Der Storch ist zu den Störchen gekommen

Von vielen Besuchern unbemerkt und leicht übersehen, hat sich im Natur- und Tierpark Goldau in der Schweiz eine kleine Sensation ereignet. Wer den beschaulichen Rundgang um den Blauweiher gemacht hat, an Gänsen und Enten vorbei gegangen ist und einen Moment beim Gehege der Schwarzstörche genau hingeschaut hat, muss es gesehen haben. In diesem ruhigen Teil des Parks, am hintersten Ende des Blauweihers, haben sich die Schwarzstörche still und heimlich ans Brutgeschäft gemacht.

Die Seltenheit dieser Vögel führt dazu, dass selbst geübte Augen und Ornithologen kaum einen Schwarzstorch in der Natur zu Gesicht bekommen. Anders als ihre bekannten Verwandten, die Weißstörche, sind die Schwarzstörche sehr scheu, meiden die Nähe von Menschen und wohnen gerne verborgen in lichten Wäldern in Wassernähe. Dort finden sie ihre Nahrung, die vor allem aus Fischen besteht. Während früher der Weißstorch vielerorts als Glücksbringer galt, haftete dem Schwarzstorch ein negativer Ruf an, was sowohl an der Lebensweise, als auch an seiner Farbe lag.

Im Tierpark Goldau gibt es seit vielen Jahren erstmals wieder Nachwuchs bei den Schwarzstörchen. Das hat einen ganz besonderen Grund. Die bisherigen zwei Tiere haben zwar die gelegten Eier fleißig betreut, aber nie ist ein Küken geschlüpft. Wie ein Bluttest zur Geschlechtsbestimmung zeigte, handelte es sich um zwei Weibchen.

Bei Schwarzstörchen unterscheiden sich Weibchen und Männchen äußerlich nicht. Das trifft übrigens auch auf viele andere Vogelarten zu. Das Geschlecht kann nur mittels einer Blutprobe bestimmt werden. Der Test unterscheidet sich von Vogelart zu Vogelart. Bei seltenen Arten ist der Test nicht standardisiert und daher vermehrt fehleranfällig.

Erst im letzten Jahr ist ein Männchen zu den beiden Schwarzstörchen gestoßen. Und prompt hat es mit seiner Partnerin, die schon 16 Jahre im Tierpark Goldau lebt, für Nachwuchs gesorgt. Wie der Bruterfolg zeigt, versteht sich das neue Paar prächtig. Nach einer Brutzeit von rund fünf Wochen sind zwei Küken geschlüpft. Diese scheinen gar nicht zu ihren Eltern zu passen, sehen sie doch ganz anders aus. Das elegante Aussehen ihrer Eltern, die schwarzen Federn mit dem metallischen Glanz, den weißen Bauch, die roten Beine und den roten Schnabel bekommen sie erst im Alter von zwei Monaten. Als Küken sind sie noch mit hellem Flaum bedeckt, und der Schnabel ist leuchtend gelb. Die Jungen werden im Nest rund um die Uhr von einem Elternteil überwacht, gewärmt oder beschattet. Wenn sie flügge sind und das Nest verlassen haben, werden sie noch einige Wochen von den Eltern weiter versorgt.

Einer der beiden Goldauer Jungstörche hatte bei seinen Erkundigungstouren durch das Gehege einen Unfall, der mit einem offenen Beinbruch endete. Obwohl die Hoffnung bescheiden war, wurde eine Operation durchgeführt. Der Bruch wurde stabilisiert und die durchtrennte dünne Haut des Beines vernäht. Doch leider zeigte sich in den nächsten Tagen, dass die Blutversorgung im Fuss nicht mehr ausreichte und das Tier musste erlöst werden.

Die Familie der Schwarzstörche im Natur- und Tierpark Goldau wird sich bald auflösen, doch die Zeichen für eine neue Brut im nächsten Jahr stehen gut, damit der Storch wieder zu den Störchen kommt.

Quelle: PM Tierpark Goldau