Nachwuchs bei den Weißhandgibbons in der Wilhelma

Foto: Wilhelma Stuttgart

Auch wenn Kedua schon das neunte Jungtier der Weißhandgibbondame Domino ist, könnte sein indonesischer Name, welcher „Zweitgeborene/r“ bedeutet, nicht passender sein. Denn das Zweitgeborene ist Kedua derzeit tatsächlich. Seit dem 13. Dezember 2011 muss sich nämlich Narumol, Dominos 2010 geborener Sohn, die mütterliche Brust mit seinem Geschwisterchen Kedua teilen.
Welches Geschlecht Kedua hat, bleibt vorerst noch sein Geheimnis – zu eng krallt sich das Gibbonbaby die ganze Zeit an den wärmenden Bauch von Mama Domino. Mit dem Nachwuchs hat diese jetzt alle Hände voll zu tun, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn auch der 2010 geborene Narumol bekommt noch Muttermilch zu trinken und sucht ebenfalls immer wieder den schützenden Bauch von Domino auf. Kleiner, positiver Nebeneffekt: Bei den derzeitigen Minusgraden wird Kedua doppelt gewärmt. Für Narumol bedeutet diese Situation aber, dass er schneller selbstständig werden muss. Normalerweise werden Jungtiere bis zu einem Alter von zwei Jahren von der Mutter gesäugt, bleiben aber meist noch bis zur Geschlechtsreife im Alter von rund acht Jahren im Familienverband. Dieser besteht aus einem monogam lebenden Gibbonpaar und seinen Nachkommen. In der Wilhelma sind dies die Eltern Domino und Porgy, ihre Jüngsten Kedua und Narumol sowie die bereits halbstarken Söhne Manis und Jambie. Diese beiden sind auch das beste Beispiel dafür, dass für die erfahrene Domino die gleichzeitige Betreuung von zwei Jungtieren kein Problem ist. Denn auch der 2007 geborene Manis ist nur knapp zehn Monate älter als Bruder Jambie.
Neben der rasanten Fortbewegungsweise der Gibbons – sie bewegen sich mit Hilfe ihrer langen Arme meist hangelnd und schwingend durch den künstlichen Kletterwald – ist vor allem ihre Fellfarbe interessant. Denn diese kann stark variieren: von schwarz über braun bis hin zu sandfarben. Während Gibbonmutter Domino und Narumol „blond“ sind, trägt Kedua, genau wie sein Vater und die beiden älteren Brüder, ein schwarzes Fell. Nur die Hände sind bei allen Weißhandgibbons hell, wie der Name schon sagt, auch bei schwarzen Tieren. Über das Geschlecht verrät die Fellfarbe also nichts.
Was die wenigsten Menschen wissen: Gibbons werden gemeinhin zu den Menschenaffen gezählt. Mit ihren großen Verwandten – Gorilla, Orang-Utan und Co. – verbindet sie der Körperbau und vor allem das Fehlen eines Schwanzes. Neben dem Schwinghangeln durch die Baumwipfel können sich Gibbons auch auf zwei Beinen laufend fortbewegen. Nur meiden sie den Boden in der Regel und springen lieber, in bis zu zwölf Meter weiten Sätzen, von Ast zu Ast.
Weißhandgibbons sind in ihren natürlichen, ostasiatischen Lebensräumen bislang noch nicht selten. Ihre Bestände nehmen aber ständig ab, vor allem durch Jagd und Lebensraumzerstörung. Zumindest aus dem südlichen China ist die Art daher bereits verschwunden.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart