Nachwuchs-Boom bei den Degus in der Wilhema

Nachwuchs bei Degus – Foto: Wilhelma

Elf Jungtiere bei den chilenischen Nagern:
Nachwuchs-Boom bei den Degus

Im Kleinsäugerhaus gab es bei den Degus reichlich Nachwuchs: Der erste „Streich“ kam als Sechserpack Ende Januar zur Welt, der zweite folgte mit fünf Jungtieren gestern, am 19. Februar. Es ist der erste Nachwuchs bei der chilenischen Nagetierart in der Wilhelma seit fast sieben Jahren, da es erst seit 2013 wieder eine fortpflanzungsfähige Zuchtgruppe mit zwei jungen Weibchen und einem Bock gibt. Deren Mitgliederzahl hat sich nun schlagartig auf 14 Tiere erhöht. Und während die Neugeborenen noch kaum zu sehen sind, wuseln die sechs Erstgeborenen schon putzmunter durchs Gehege.
Degus sind tagaktiv, lebhaft und umgänglich: In unseren Landen sind die zur Familie der Trugratten gehörenden Nager – Gattung Strauchratten – daher seit Ende der 80er des letzten Jahrhunderts auch als Heimtiere beliebt. In ihrer Heimat Chile gelten sie dagegen schlicht als Schädlinge und Landplage. Denn die reinen Vegetarier fallen dort auch in den Feldern der Bauern ein, legen darin tiefe und weit verzweigte Erdbauten an und bedienen sich an Saatgut und Nutzpflanzen. Sofern sie nicht bei den Menschen stibitzen, stehen Blätter und Rinde sowie Samen von wildwachsenden Sträuchern und Stauden auf dem Speiseplan. Und da Degus als äußerst fleißige Nager ständig am Knabbern sind, bleibt kaum ein Ast oder ein anderer Holzgegenstand lange am Stück – auch nicht in einer von Menschen angebotenen Unterkunft.
In Chile bewohnen die Degus die niederschlagsarmen Andenregionen bis in Höhen von 1200 Metern und leben als soziale Tiere meist in kleinen Gruppen und Familienverbänden zusammen. Bei Gefahr warnen sie die anderen durch Pfiffe; wollen sie ihre Ruhe, quieken sie; nähert sich ein aufdringlicher Artgenosse und will das Futter streitig machen, wird er mit den krallenbewehrten Vorderpfoten abgewehrt. Die Paarungszeit der Degus fällt auf den chilenischen Frühling, also auf September und Oktober, die vier bis sechs Jungtiere werden 90 Tage nach der Zeugung geboren. Als Nestflüchter sind die Kleinen voll behaart und laufen von Anfang an mit offenen Augen durch die Welt. Mitunter werden sie nicht nur von ihrer leiblichen Mutter, sondern auch von anderen Weibchen im Verband gesäugt. Doch schon nach vier bis sechs Wochen ist Schluss mit der Milchversorgung, die Jungen werden entwöhnt. Wie alt Degus in der Natur werden, ist unklar. Werden sie von Menschen betreut, sind acht Jahre aber keine Seltenheit. Dass sie bei Heimtierhaltern so beliebt sind, obwohl sie zu den Ratten gehören, mag vielleicht auch an ihren relativ kurzen Schwänzen liegen: Auf bis zu 20 Zentimeter Körper kommen rund zehn Zentimeter Schwanz. Dieser endet in einer dunklen Quaste und weist eine weitere Besonderheit auf: Seine Haut reißt leicht ein und löst sich vom Knochen, wenn beispielsweise ein Raubtier den Degu am Schwanz packt. Der gehäutete Teil fällt später ab oder wird abgenagt, jedenfalls wächst er nicht mehr nach – anders als bei Eidechsen also, an welche diese Selbstschutztechnik erinnert. Sie ist übrigens nicht nur bei Degus, sondern bei allen Rattenarten sowie Rennmäusen zu beobachten.

Quelle: PM Wilhelma