Nandu­‐Küken im Wildpark Lüneburger Heide

Zoonews NewsWenn Besucher des Wildparks Lüneburger Heide das Südamerika-Gehege erreichen, um sich Alpakas, Ziegen und Nandus anzusehen, fällt derzeit ein separater Holzverschlag im hinteren Bereich des Geheges auf. Das ist nichts anderes als die Kinderstube zweier Nandu-Küken, die vor gut zwei Monaten geschlüpft sind. Über Nachwuchs freut man sich im Wildpark natürlich immer. Aber eigentlich hätte es weder die Eltern, noch die Küken im Wildpark geben dürfen.

Teil eins der Geschichte beginnt vor einigen Jahren und handelt von einer Verschwörung. Damals hatte Senior-Chef Norbert Tietz schon einmal den Versuch gestartet, Nandus im Wildpark zu etablieren. „Wir hatten viel Pech mit den Tieren – sie erkrankten und verstarben“, erinnert sich Obertierpflegern Alexandra Urban. Die Enttäuschung war groß und das Kapitel der Nandus im großen Buch der Wildpark-Tiere schien für immer geschlossen. Das rief Junior-Chef Alexander Tietz auf den Plan. Gemeinsam mit Alexandra Urban besorgte er drei Nandu-Eier von einem Züchter aus Bayern. Die großen, goldgelb gesprenkelten Eier wanderten gleich in die Brutmaschine von Falkner Lothar Askani. Mit Erfolg! Aus allen drei Eiern schlüpften gesunde Nandu-Küken. Die konnten aber nicht im Park bleiben, das hätte der Chef früher oder später gemerkt. Also trat Teil zwei des Plans in Aktion: Alexandra Urban nahm die Tiere mit zu sich nach Hause und kümmerte sich rund sechs Monate um die Aufzucht der empfindlichen Küken – ebenfalls mit Erfolg. Als die Nandus dann groß genug waren, stand der Umzug ins Südamerika-Gehege zu den Alpakas und Ziegen an. „Als der Chef die Nandus zum ersten Mal im Gehege entdeckte, war er zuerst sehr überrascht und hat sich dann ungeheuer gefreut“, erinnert sich Alexandra Urban. Auch für das Wildpark-Team war die Geheimaktion ein besonderes Ereignis. Alle hatten mitgespielt und dicht gehalten.

Der zweite Teil der Geschichte handelt von listigen Nandu-Eltern und einem Alpaka-Hengst, der beinahe zur „Mama“ geworden wäre.

Mit den drei Nandus hatte das Südamerika-Gehege nun eine ausgewogene Zusammensetzung – mehr dieser großen Laufvögel sollten es nicht werden. Die Tierpfleger hatten immer ein wachsames Auge auf die Laufvögel. „Wenn die Henne wieder Eier gelegt hatte, haben wir sie immer fleißig eingesammelt und gegen Gipseier ausgetauscht, denn der Nandu-Hahn brütet leidenschaftlich gern“, schmunzelt Alexandra Urban. Dass sich die männlichen Tiere um Brut und Aufzucht kümmern, ist nichts Ungewöhnliches, sondern das normale Verhalten in der Natur. „Irgendwann hatte der Hahn aber immer die Lust daran verloren, auf den Gipseiern zu sitzen und hat die Brut abgebrochen.“ Vor einigen Monaten aber war „die Große“, wie der Nandu-Hahn bezeichnenderweise heißt, schneller. Von den Pflegern unbemerkt hatte eine Henne mehrere Eier gelegt. „Die Große“ nutzte die Gelegenheit, setzte sich auf die Eier und bewegte sich seitdem keinen Zentimeter mehr vom Nest. „Anfangs war das nicht ungewöhnlich, aber mit fortschreitender Zeit wurde ich doch stutzig“, erinnert sich Alexandra Urban. Aber was sollte sie tun? „Einem brütenden Nandu greift man nicht gern unter die Brust, die Tiere können sehr wütend werden und mit ihren harten Schnäbeln zubeißen. Das ist sehr schmerzhaft!“ Also blieb der Tierpflegerin nichts anderes übrig, als abzuwarten und den Hahn regelmäßig auf seinem Nest zu füttern.

An einem Morgen im Juni nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Bei ihrem morgendlichen Routinegang bemerkte Alexandra Urban zuerst, dass „die Große“ sein Nest verlassen hatte – darin neben dem Gipsei zwei zerbrochene Eierschalen. Also hatte der Hahn doch echte Eier ausgebrütet. Doch wo waren die Küken? „Meine erste Befürchtung war, dass die Kleinen durch die Gitterstäbe des Geheges geschlüpft und weg gelaufen waren“, erinnert sich die Tierpflegerin. Ihre suchenden Blicke durchs Gehege blieben schließlich an Alpaka-Hengst „Leandro“ hängen, der zwei kleine gefiederte Kreaturen im Schlepptau hatte. Urban erklärt das Verhalten: „Für frisch geschlüpfte Nandu-Küken ist das erste Tier mit langen Beinen, das wegläuft, die „Mama“ und wird verfolgt. Nun muss man wissen, dass „Leandro“ ein extrem neugieriger Alpaka-Hengst ist. Just zu dem Moment, als die Küken schlüpften, muss er wohl wieder mal nach dem Rechten gesehen haben und ist so unfreiwillig zur Nandu-Mama geworden.“ In den ersten Tagen war es die größte Herausforderung, „Leandro“ und die Küken zu trennen. Das Alpaka musste für eine Zeit lang in den Stall und die Nandu-Küken bekamen mit ihrem Vater einen eigenen Holzverschlag. Hier können sie nun in aller Ruhe und in trautem Familienglück aufwachsen.

Quelle: PM Wildpark Lüneburger Heide