Natur- und Tierpark Goldau eröffnet neue Bartgeieranlage

Foto: Tierpark Goldau

Foto: Tierpark Goldau

Am Mittwoch, 20. Mai 2015, ist die Bartgeieranlage im Beisein von Behördenvertretern, Gönnerinnen und Gönnern, Mitgliedern der Stiftung und des Vereins Natur- und Tierpark Goldau feierlich eingeweiht und gesegnet worden.

Die Bartgeieranlage ist in die Jahre gekommen, und das Netz muss ersetzt werden. In der Projektplanung wurde aus Kostengründen nur der Ersatz des Netzes vorgesehen. Schnell wurde klar, dass die Attraktivität der Schauvoliere mit einem neuen Netz nicht gesteigert werden kann. Das Projekt wurde überarbeitet mit dem Ziel, mehr Flugraum für die Vögel und zwei Besuchereinblicke zu schaffen mit direktem Blick auf die Bartgeierhorste und die Tiere. In nur sechsmonatiger Bauzeit konnte die Tieranlage gebaut werden. Der steile Hang und die gewaltigen Felsblöcke machten das Vorhaben sehr anspruchsvoll. Die Fundamente wurden betoniert, die grossen Stützen für das Netz platziert, die Schleusen für die beiden Besuchereinblicke montiert, und letztlich wurde das Webnetz aus rostfreiem Chrom aufgesetzt und befestigt. Die neuen Besuchereinblicke, einer davon rollstuhlgängig, ermöglichen den Besuchenden einen netzfreien Einblick in den Lebensraum des Bartgeierpaars und ihre Mitbewohner, den Schneehasen.

Während der Bauzeit durften Mascha und Hans in der Bartgeierzuchtstation, die sich auf der Nordseite des Tierparkgeländes befindet, ihren Urlaub geniessen. Für die Paarungszeit im November 2014 kehrten sie rechtzeitig in die neue Voliere zurück. Sobald die Türen offen waren, hüpften die beiden Vögel heraus. Sie schauten sich kurz um und schienen sofort zu realisieren, wo sie waren. Dann zupften sie ihr etwas zerzaustes Federkleid zurecht, und die Welt schien wieder in Ordnung zu sein. Gross war die Erleichterung, als die Tierpfleger bereits nach zwei Stunden eine erste Paarung beobachteten.
Die Brutzeit und der Schlupf des jungen Bartgeiers konnten erstmals in einem Livestreaming im Horst miterlebt werden. Am 20. Februar war es so weit: das Küken durchbrach die Eierschale. Die Eltern waren sichtlich nervös, auch wenn es ihre 14. Geburt war. Hunderte begeisterter Vogelliebhaber verfolgten stundenlang das Bartgeierpaar Mascha und Hans bei der Fütterung und Betreuung des Jungtiers. Inzwischen ist das Junge stattlich gewachsen und gerade mal drei Monate alt. Die Blutprobe zeigte, dass es sich um ein Weibchen handelt. Damit steht fest, dass es am 31. Mai 2015 im Melchtal im Kanton Obwalden ausgewildert wird.

Das Bartgeier-Projekt ist typisch für das Engagement des Natur- und Tierparks Goldau zugunsten der Biodiversität. Der Park gilt als Arche Noah der Vielfalt, da er bedrohte oder in der Freiheit ausgestorbene Arten züchtet, erhält und wieder ansiedelt. Wer Arten erhalten will, muss Lebensräume schützen. Zum Park gehören zahlreiche Naturschutzgebiete, die unterhalten und betreut werden. Ob Trockenwiese oder Sumpfgebiet.

Es ist auch in Zukunft wichtig, über den Bartgeier zu informieren, denn solange Bartgeier mit Giftködern oder mit Abschüssen erlegt wird, muss die Öffentlichkeit überzeugt werden, dass der Bartgeier ein Aas- und Knochenfresser ist. Mit zusätzlichen Ausstellungen, Publikationen, Workshops und Führungen kann das «falsche Image» des Bartgeiers ins richtige Licht gerückt werden. Es gilt aufzuzeigen, dass der Lebensraum des Bartgeiers auch der Lebensraum von uns Menschen ist.

Quelle: PM Tierpark Goldau