Neu eingezogen in die Wilhelma: Blaukehlguan

Foto: Wilhelma Stuttgart

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Spricht man mit Paläontologen, so bekommt man hin und wieder zu hören, die Dinosaurier seien gar nicht ausgestorben. Sie bevölkern noch heute in großer Zahl die Erde. Tatsächlich können die Vögel als legitime Nachfahren der Urzeitechsen gesehen werden. Dies wird umso deutlicher, wenn man sich den neuen gefiederten Bewohner des Amazonienhauses näher anschaut – den Blaukehlguan. Nicht umsonst wird der große, überwiegend schwarze Vogel in Bestimmungsbüchern als eigenartig prähistorisch und reptilienhaft bezeichnet. Vermutlich liegt dies auch an der Art und Weise, in der sich der Guan meist ganz ohne Hilfe seiner Flügel gewandt von Ast zu Ast bewegt.
In der Wilhelma lebt seit kurzem ein Paar dieser bizarren, aber durchaus attraktiven Blaukehlguane. Männchen und Weibchen unterscheiden sich bei ihnen nicht: Beide Geschlechter tragen die charakteristischen, namensgebenden bläulichen Kehllappen und weiße Scheitel. Anders als die vielen kleinen Vögel, die sich – wie nun auch die beiden Neulinge – frei im Amazonienhaus bewegen können, fallen die Guane jedem Besucher direkt auf. Allein schon wegen ihrer Größe von bis zu 70 Zentimetern sind sie kaum zu übersehen. Gerne halten sie sich auf einem Baumstamm hinter der Volliere der Riesentukane auf. Und selbst wenn sie sich im dichten Laubdach der Bäume verstecken, verraten sie sich schnell durch ihre hohen, klaren Pfeiflaute, mit denen die Tiere ständig Kontakt halten. Im Englischen trugen ihnen diese Rufe den Namen „piping guan“ ein.
Guane finden sich in weiten Teilen des Amazonasregenwaldes – von Kolumbien über Brasilien und Peru bis nach Bolivien. Sie sind zwar noch keine Seltenheit, aber ihre Bestände nehmen kontinuierlich ab. Der Hauptgrund hierfür: Durch die Abholzung des Regenwalds wird ihr Lebensraum zerstört. Aber auch die Jagd trägt bedeutend zu einer Bestandsabnahme bei. So ist der Blaukehlguan beispielsweise im peruanischen Teil Amazoniens die meistgejagte Vogelart und ein wichtiger Eiweißlieferant für die einheimische Bevölkerung.
Zur Brutzeit, welche in die Hauptregenzeit im Amazonasregenwald fällt, durchstreifen die Guane paarweise ihr Revier. Außerhalb der Brutzeit hingegen sind sie sehr gesellig und schließen sich auch zu größeren Gruppen zusammen. Blaukehlguane ernähren sich überwiegend vegetarisch von Früchten und Blüten. Sie gehören zu den Hokkohühnern, zu denen heute ungefähr 50 verschiedene Arten gezählt werden und die in den Tropen und Subtropen von Mittel- und Südamerika verbreitet sind. In der Wilhelma wird mit dem Helmhokko noch ein weiterer, besonders großer Vertreter dieser Vogelfamilie gehalten: Er ist jedoch nicht im Amazonienhaus, sondern in einer der Volieren neben dem Wilhelma-Restaurant zu finden.

Quelle: PM Wilhlema