Neu im Zoo Zürich: Bienenfresser

Bienenfresser – Foto: Zoo Zürich

FLIEGENDES KLEINOD – BIENENFRESSER NEU IM BESTAND

Ein Schwarm Europäischer Bienenfresser ergänzt seit kurzem den Vogelbestand im Masoala Regenwald. Diese Vögel sind wohl auffällig in der Erscheinung, sie verhalten sich aber noch sehr diskret in ihrem neuen Lebensraum.
Farbenprächtig sind diese Vögel, geschickte Flieger und gesellig. In ihrem Namen ist ein Teil ihres Speiseplans enthalten: Bienenfresser. Bienenfresser oder Spinte bezeichnet eine 26 Arten umfassende Vogelfamilie, die in den Tropen und Subtropen der Alten Welt verbreitet ist.
Bienenfresser bewohnen auch Madagaskar, aber die hier im Fokus stehende Art kommt dort nur gelegentlich auf dem Zug vorbei. Wir sprechen hier von einer Art, deren Verbreitungsgebiet im Wesentlichen das südliche Europa, das südwestliche Asien, Südafrika und – als Überwinterungsorte – südlich der Sahara gelegene Gebiete Afrikas umfasst. In der Schweiz tritt sie seit 1991 als Brutvogel auf, in den letzten Jahren mit 19 bis 35 Paaren. Die originalen Bienenfresser Madagaskars sind nicht erhältlich, und so haben wir gerne das Angebot des in der Nähe von Athen gelegenen griechischen Zoos Attica angenommen, 14 Jungvögel aus seiner Zucht Europäischer Bienenfresser zu übernehmen.
Bienenfresser weisen eine Reihe von Besonderheiten auf. Da ist mal das bunte Gefieder: Beim Europäischen Bienenfresser sind Bauch- und Brustbereich türkis, Scheitel, Nacken und obere Rückenpartie rostbraun, das Kinn ist goldgelb, und aus dem schwarzen Augenstreifen äugt ein rotes Auge. Flügel und Schwanz sind grünlich bis bläulich. Diese Vögel sind mit einem längeren, gebogenen Schnabel ausgestattet, ihr Werkzeug, um von einer Warte aus in geschicktem Flug Insekten wie Bienen, Wespen, Libellen oder Käfer zu erbeuten. Auf ihre Warte zurück gekehrt, schlagen sie ihre Beute kräftig gegen ihre Sitzunterlage und sorgen so dafür, dass die Stachel und das Gift der Bienen und Wespen ihnen nichts anhaben können.

Tunnelbauer und Betreuungshelfer

Zur Brut graben die Bienenfresser in steilen Böschungen entlang von Gewässern, in Kiesgruben und gelegentlich auch in den flachen Untergrund Röhren von gegen einen Meter Länge mit einem Brutraum an deren Ende. Fünf bis sieben Eier legt das Weibchen da hinein – in dieser Zeit vom Männchen immer wieder fürsorglich mit Insekten beliefert. Es brüten beide Paarpartner, und nach 20 bis 22 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Die Eltern werden bei der Jungenaufzucht zuweilen von Helfern unterstützt: Das sind in der Regel ältere Söhne der Eltern oder Brüder des Männchens, die selber nicht erfolgreich zur Brut kamen. Wegen der verwandtschaftlichen Beziehung unterstützen sie so Träger eigener Gene. Sind die Jungen einmal flügge, werden sie von den Eltern noch eine Zeitlang weiter gefüttert, denn das Erbeuten von Fluginsekten will erlernt sein.
Die Bienenfresser im Masoala Regenwald jagen (noch nicht) primär Fluginsekten. Sie haben gelernt, sich Insekten wie Mehlwürmer aus Futterschalen zu holen. Ihr zurzeit bevorzugter Aufenthaltsort ist im Bereich des hohen Bambus, wo sie mit etwas Geduld auszumachen sind. Vom Baumkronen-Weg aus entdeckt man sie, insbesondere wenn sie herumfliegen. Und sollten diese Vögel mal den «Frühling» spüren: In der Nähe des Wasserfalls steht eine speziell aufgebaute Steilwand bereit, geeignet zum Bau von Brutröhren.

Quelle: PM Zoo Zürich