Neu in der Wilhelma: Magellan-Dampfschiffenten

Foto: Wilhelma Stuttgart

Die Brillenpinguine der Wilhelma in Stuttgart haben gefiederte Gesellschaft bekommen: Das türkisblaue Badewasser dürfen sie zukünftig mit einem Pärchen Magellan-Dampfschiffenten teilen. Diese Halbgänse stammen ursprünglich aus Südamerika und sind dort in den felsigen Küstenregionen von Chile bis Feuerland beheimatet. Ihr graumeliertes Federkleid lässt sie leicht mit Stein und Fels verschwimmen, die stämmigen Beine und kurzen Schnäbel sind dagegen in leuchtendes Orange getaucht.

Das Paar stammt aus dem Zoo Zürich und soll auch im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart zukünftig Nachwuchs bekommen. Die Haltung dieser unscheinbar wirkenden Vögel ist allerdings nicht ganz einfach. „Viele Zoos haben Teiche, auf denen sie verschiedene Entenarten gemeinsam halten“, erklärt Kurator Dr. Günther Schleussner. „Dafür eignen sich die Dampfschiffenten nicht, weil sie ein Revier meist komplett für sich beanspruchen und schnell auf Konfrontation gehen.“ Ein ausgewachsener Erpel wiegt bis zu sechs Kilogramm. Mit solch einer massigen Gestalt können sich diese Enten gegen ihre Verwandten, die in der Regel deutlich kleiner sind, problemlos durchsetzen. Das Gewicht bringt allerdings einen großen Nachteil mit sich: Zum Fliegen sind die Dampfschiffenten schlicht zu schwer. Ihre verkürzten Schwingen können das hohe Körpergewicht nicht tragen. Damit gehören sie, genau wie die Pinguine, zu den flugunfähigen Vogelarten. Während die Frackträger ihre schmalen Flügel jedoch flossenähnlich auf Tauchgängen einsetzen, haben die Halbgänse eine ganz andere Technik der Fortbewegung entwickelt. Sie nutzen ihre Flügel als Paddel, indem sie diese abwechselnd ins Wasser tauchen. Sie sorgen dabei für reichlich Wirbel in ihrem Fahrwasser und erinnern damit an einen Raddampfer. So erklärt sich auch der ausgefallene Name dieser Entenart. Mit ihrer Paddelmethode können die sonst eher gemächlich wirkenden Dampfschiffenten erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen. Der schaufelnde Sprint ist jedoch extrem kraftraubend und wird daher vor allem auf der Flucht eingesetzt. In ihrer südamerikanischen Heimat haben die Enten allerdings nur wenige Feinde. „Es gibt dort keine Greifvögel oder Raubtiere, die eine Ente dieser Größe fangen“, meint Schleussner. Das Fliegen ist für die Dampfschiffenten daher zum Überleben gar nicht notwendig. „Sie müssen auch keine größeren Entfernungen zum Futter oder Wasser zurücklegen“, so der Kurator. „Es gibt viele Beispiele dafür, dass Vögel in solchen Fällen die Fähigkeit zu fliegen im Verlauf ihrer Entwicklungsgeschichte verloren haben.“

Das neue Revier in der Wilhelma hat das Entenpaar jedenfalls sehr schnell für sich beansprucht und erfolgreich gegen lauernde Graureiher verteidigt. Auch die vorbeischwimmenden Pinguine werden noch kritisch begutachtet und gelegentlich angefaucht, wenn sie sich in die Nähe der orangefarbenen Entenfüße wagen. Da die Dampfschiffenten aber bereits Pinguinerfahrung aus Zürich mitbringen, gestaltet sich das Zusammenleben insgesamt unproblematisch. Nur den einen oder anderen Fisch müssen die Pinguine ihren eigensinnigen Mitbewohnern zur Wahrung des Hausfriedens überlassen.

Quelle: PM Wilhelma Stuttgart

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