Neue „Tier-WG“ in der Wilhelma: Drei Australier unter einem Dach

Rote Riesenkängurus in der Australien-WG – Foto: Wilhelma

Neue „Tier-WG“ in der Wilhelma:
Drei Australier unter einem Dach
Tierische „Wohngemeinschaften“ haben in der Wilhelma eine längere Tradition – etwa die „Südamerika-WG“ mit Kleinkamelen, Nandus, Maras und Ameisenbären oder die „Afrika-WG“ mit Dscheladas, Mähnenschafen und Klippschliefern. Mittlerweile gesellt sich dazu nun auch eine „Australien-WG“, in der Rote Riesenkängurus, Parmawallabys sowie Hühnergänse zusammenleben. Ein Vorteil solcher Tier-WGs: die zusätzlichen Anreize, die sich aus dem Miteinander der verschiedenen Arten ergeben, bereichern den Zoo-Alltag aller beteiligten Gehegebewohner.
Vor rund einem Jahr war es, als die Tierpfleger das Projekt „Australien-WG“ starteten. Erster Programmpunkt: die Zusammengewöhnung der beiden Känguru-Arten. Doch zunächst entpuppte sich dies als vergebliche Liebesmühe, denn ausgerechnet die Goliaths in dieser Konstellation, die Roten Riesenkängurus, hatten Angst vor den Davids, den viel kleineren Parmawallabys. Schon wollten die Pfleger das Experiment abbrechen, doch dann wagten sie einen letzten Versuch und ließen die Tiere kurzerhand im Innengehege aufeinander treffen, das wenig Fluchtmöglichkeiten bot. Und siehe da: Zwar rumpelte es kurz, doch dann war die Sache geklärt. Seither leben aktuell sieben Rote Riesenkängurus harmonisch mit vier Parmawallabys zusammen, ja die kleinen Verwandten scheinen auf die Roten Riesen inzwischen geradezu entspannend zu wirken. Und die Parmawallabys führen endlich kein Schattendasein mehr, wie früher, als sie von vielen Besuchern unbemerkt noch bei Wellensittich und Co. im Dickicht der Freiflugvoliere wohnten – in der Australien-WG sind sie jetzt deutlich besser zu sehen. Zusätzlich Leben in die Bude bringen australische Hühnergänse. Sie kommen als eine von wenigen Gänsearten ganz ohne Wasser aus und ernähren sich vorwiegend von Gras, weshalb sie in Australien als vermeintliche Konkurrenz des Weideviehs fast ausgerottet wurden. Heute hat sich der Bestand erholt. In der Wilhelma wissen sich die Vögel gegenüber ihren felltragenden Mitbewohnern gut zu behaupten und bringen vor allem die Parmawallabys immer wieder tüchtig auf Trab, falls diese sich ihnen zu respektlos nähern. Und Respekt ist vor den wehrhaften Schnäbeln dieser Gänse durchaus geboten – vor allem dann, wenn diese brüten, Küken aufziehen und vehement verteidigen. Da das Wilhelma-Gänsepaar noch jung ist, wird dies frühestens im übernächsten Winter geschehen. Hühnergänse brüten nämlich in der kalten Jahreszeit, wenn die Tage kürzer sind – ob in Australien, wo in der winterlichen Regenzeit auch das Nahrungsangebot am besten ist, oder im deutschen Zoogehege.
Apropos Nachwuchs: Bei den Riesenkängurus schaut derzeit auch ein Jungtier aus dem Beutel, erste kurze Ausflüge werden bald folgen, aber noch eine ganze Weile stets in Mamas sicherer Tragetasche enden. Und auch die Parmawallaby-Weibchen tragen dank des neuen Zuchtbocks bereits winzige Nachkommen in ihren Beuteln, wo sie – fest an den Milchzitzen angedockt – nun kräftig wachsen müssen, bevor man sie nächstes Jahr erstmals zu Gesicht bekommt. Die Parmawallabys, die zu den kleinsten Känguruarten zählen, galten 1965 übrigens ebenfalls schon als ausgestorben, bevor man doch noch ein paar Tiere auf einer Insel vor Neuseeland und später in abgelegenen Tälern von New South Wales auf dem australischen Kontinent entdeckte. Heute ist ihr Überleben nicht mehr akut bedroht.

Quelle: PM Wilhelma