Neue Bewohner im Tierpark Bochum: Geckos und Schlange

Zoonews NewsDer Tierpark Bochum hat drei neue Bewohner: In der frisch renovierten Madagaskar-Anlage des Aquarien- und Terrarienhauses tummeln sich seit wenigen Tagen zwei Standings Taggeckos Phelsuma standingi und eine Madagaskar Hundskopfboa Sanzinia madagascariensis. Beide Tierarten sind wahre Superhelden, denn sie verfügen über einzigartige Fähigkeiten, die sie für die Anpassung an ihre Umwelt entwickelt haben.
Die zwei weiblichen Geckos haben sich bereits gut im Tierpark Bochum eingelebt. Beide stammen aus einer privaten Haltung und finden nun im naturnah gestalteten Terrarium ausreichend Platz, Abwechslung und einen tiergerechten Lebensraum. Bei Besuchern sind die Neuzugänge schon jetzt beliebt, da sie oft gut sichtbar an der Glasscheibe des Terrariums auf und ab laufen. Taggeckos haben Lamellen auf der Unterseite ihrer Füße, die es ihnen ermöglichen, sich selbst an glatten Oberflächen wie Glas festzuhalten und zu bewegen. Die Lamellen bestehen aus Milliarden einzelner Härchen, die sich an die Oberfläche anschmiegen. Durch die Berührung entstehen elektrostatische Kräfte, die sogenannten Van-der-Waals-Kräfte, durch die sich der Gecko praktisch an der Oberfläche festsaugen aber problemlos wieder lösen kann. Diese Besonderheit der Geckos dient auch der Industrie als Vorbild! So versuchen Forscher beispielsweise ein besonders stark haftendes Klebeband zu entwickeln, das zum einen belastbar aber zum anderen auch ohne Rückstände lösbar ist.

Nicht weniger besonders ist die Fähigkeit des Mitbewohners der Gecko-Weibchen. Die Madagaskar Hundskopfboa verfügt wie auch andere Boa-Arten über einen Infrarotsinn, der es ihr ermöglicht, die Wärmestrahlen ihrer Beutetiere zu sehen und diese so selbst in Verstecken leichter aufzuspüren. Die beiden Geckos gehören natürlich nicht in das Beuteschema des Boa-Männchens. Zudem sind Taggeckos, wie ihr Name verrät, bei Tageslicht aktiv, während die Hundskopfboa erst in der Dämmerung ihren Ruheplatz verlässt. „Bei der Planung der Anlage haben wir die unterschiedlichen Lebensweisen beider Tierarten berücksichtigt.“, erklärt der zuständige Tierpfleger Dominik Töller und fügt hinzu. „Durch ihren unterschiedlichen Rhythmus kommen sich beide Tierarten nicht in die Quere, obwohl sie sich wie in der Natur den gleichen Lebensraum teilen“. Wie die meisten tierischen Bewohner des afrikanischen Inselstaats Madagaskar wurde auch die Hundskopfboa in das Washingtoner Artenschutzabkommen aufgenommen und hat höchsten Schutzstatus!

Für die Zoopädagogik des Tierparks spielen die Neuzugänge eine wichtige Rolle, wie Kerstin Schulze, Leiterin der Zooschule, erklärt: „Aufgrund ihrer besonderen Anpassung an die Umwelt, sind sowohl die Geckos als auch die Hundskopfboa tolle Beispiele für unser Bionik-Lernprojekt, das wir für Schulklassen und andere Grppen anbieten. Ziel der Bionik ist die Übertragung von Problemlösungen der Natur in den Bereich der Technik. Hier im Tierpark haben wir viele Tiere, die der Technik als Vorbild dienen.“

Quelle: PM Tierpark Bochum