Neuer Tiger-Tempelgarten im Zoo Osnabrück nimmt Gestalt an

Foto: Zoo Osnabrück

Neuer Tiger-Tempelgarten im Zoo nimmt Gestalt an
Aussichtssteg ermöglicht faszinierende Einblicke von oben

Ein verfallener asiatischer Tempelgarten, der von Tigern, Binturongs und Siamangs erobert wurde – so soll sie einmal aussehen, die neue Tigeranlage im Zentrum des Osnabrücker Zoos, die im Frühjahr 2014 eröffnet wird. Das Grundgerüst ist bereits fertig.

Die Mauern ragen in den Herbsthimmel und auch das Highlight der neuen Anlage ist schon von weitem zu sehen: der fünf Meter hohe und 19 Meter lange Aussichtssteg, der bis in die Mitte der circa 1 Million Euro teuren Anlage hineinragt. Der Steg ist zwar für Besucher zurzeit noch nicht begehbar, lässt aber bereits von unten die tolle Aussicht erahnen. „Wir liegen mit dem Bau gut im Zeitplan. Momentan gehen wir davon aus, dass das Gehege für die Tiger bereits an Ostern 2014 eröffnet werden kann“, freut sich Zoo-Präsident Reinhard Sliwka. Der Anlagenteil der Siamangs und Binturongs werde voraussichtlich zu Pfingsten eröffnet.

Ein Stück Asien in Osnabrück
Die neue Anlage wird im Stil des benachbarten Affentempels „Angkor Wat“ errichtet und bildet damit den zweiten von insgesamt drei Bauabschnitten der Asiatischen Tierwelt. Gestalter Detlef Gehrs entwarf die Anlage: „Ich habe mir eine verfallene, von Tieren bewohnte Tempelruine vorgestellt, wie es sie auch heute noch in Asien gibt. Die Natur erobert sich die von uns Menschen bebaute Welt nach und nach zurück, Tiger schleichen zwischen Mauerresten umher und Siamangs hangeln sich von Ast zu Ast.“ Gerade die Verbindung von Altem, Verfallenem und lebenden Wesen mache den geheimnisvollen Reiz der Anlage aus. „Um den Ruineneffekt täuschend echt nachzubilden, verwandeln unsere Handwerker zurzeit mit viel Fantasie und Geschick das nackte Betongerüst mithilfe von Eisen, Baumatten, Mörtel, Farben und vielen anderen Baustoffen in verfallene Tempelmauern“, erklärt Gehrs.

Neues Zuhause für Tiger, Siamangs und Binturongs
In dem asiatischen Tempelgarten werden Sumatra-Tiger und – in einem separaten Bereich – Binturongs, eine Schleichkatzenart, sowie Siamangs, eine Affenart aus der Familie der Gibbons, ein neues Zuhause bekommen. „Das Siamang-Pärchen Nicky und Joseph ist Anfang November aus Tschechien zu uns gereist. Sie leben bis zur Fertigstellung der neuen Anlage im Affenhaus. Eine zweijährige Sumatra-Tigerin wird im Frühjahr aus Warschau an den Schölerberg kommen. Den passenden Partner wählt zurzeit der Zuchtbuchkoordinator in London aus“, berichtet Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer. Mit der Nachzucht aller drei in Südostasien nur noch selten anzutreffenden Arten könne der Zoo Osnabrück einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz leisten. „Unsere Arbeit in den Zoos gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil der natürliche Lebensraum für die Restpopulation von circa 400 Tigern heute schon in mindestens 15 weitestgehend isolierte Areale unterteilt ist und jährlich unvermindert um drei bis fünf Prozent kleiner wird. Mit der neuen Anlage können wir unseren Zoobesuchern die biologische Vielfalt unseres Planeten auf spannende Art und Weise näher bringen und Menschen für unsere Bemühungen bei der dringend notwendigen Erhaltungszucht bedrohter Tiere für kommende Generationen begeistern.“ Für eine ausreichende Sicherheit in der Tigeranlage sei mit 36 Millimeter dicken Panzerglasscheiben, fünfeinhalb Meter hohen Mauern und einem in die Anlage hineinragenden Überhang gesorgt. Auch die Innengestaltung des Geheges sei sehr durchdacht: „Wir orientieren uns bei der Anlagenkonzeption an den Bedürfnissen der Tiere und bauen unter anderem Wärmeplatten ein, legen einen 36 Quadratmeter großen Schwimmteich für die Tiger an und sorgen für eine entsprechende Bepflanzung.“ Mit vier kombinierbaren Innengehegen, einem circa 300 Quadratmeter großen abseitigen Mutter-Kind-Bereich sowie einer über 1.000 Quadratmeter umfassenden Außenanlage für die ganze Tigerfamilie liege der Zoo weit über den derzeit diskutierten neuen Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren für Tiger, so Böer.

Die nächsten Schritte
Momentan arbeiten bis zu 14 Handwerker gemeinsam an der Fertigstellung der Anlage. „Die Betonarbeiten sind fast abgeschlossen und auch der Schwimmteich für die Tiger ist schon ausgehoben. Als nächstes stehen Drainagearbeiten an und danach werden wir die Fensterrahmen und Scheiben einsetzen“, erklärt Albert Brokamp, Bauleiter der Firma Scholle, die nächsten Bauschritte. Sollte der Winter einbrechen und die Temperaturen in den Minusbereich fallen, werde der Innenausbau des Tigerhauses starten, erläutert Architekt Heiko Suhre.

Bis 2016 „Angkor Wat“ komplett
Die asiatische Erlebniswelt „Angkor Wat“ mit dem Affentempel und dem Tiger-Tempelgarten soll bis 2016 mit dem Umbau des Menschenaffenhauses vervollständigt werden. Orang-Utan Buschi und seine Partnerin Astrid sollen dann ebenfalls ein neues Zuhause im Tempel-Stil bekommen. Um den Umbau finanziell stemmen zu können, hat der Zoo vor kurzem die groß angelegte Spendenkampagne „Wir für Buschi“ gestartet. Während das Osnabrücker „Angkor Wat“ weiter wächst, plant der Zoo bereits darüber hinaus: Im nächsten Schritt der Masterplanung des Zoos solle laut Zoogeschäftsführer Andreas Busemann eine Nordamerika-Landschaft entstehen.

Zahlen und Fakten zur Tigeranlage
* 1.300 Quadratmeter Gesamtfläche
* Aussichtssteg für Besucher: 19 Meter lang, 4,5 Meter breit (85,5 Quadratmeter); 5 Meter hoch; Traglast 500 Kilogramm pro Quadratmeter
* Panzergläser der Außenanlage: 5,6 Quadratmeter Fläche, 36 Millimeter dick
* Insgesamt 350 Kubikmeter Abbruch der alten Anlage
* Insgesamt 1.000 Kubikmeter Erdarbeiten
* Verbau von 75 Tonnen Bewehrungsstahl
* Verbau von 800 Kubikmetern Ortbeton
* 35 Meter Brücken- und Treppensteg
* Über 50 Stück Gehegefenster bzw. Einblicke
* Tierische Bewohner: Zwei Sumatra-Tiger, zwei Binturongs und zwei Siamangs (vergesellschaftet in einem eigenen Gehege)

Wissenswertes zum Sumatra-Tiger
Der Sumatra-Tiger ist die kleinste und zugleich seltenste Unterart des Tigers. In seinem natürlichen Lebensraum gibt es nach Expertenschätzungen nur noch circa 400 Individuen. Die Fellfarbe ist intensiv orange mit kontrastreicher Streifenzeichnung. Der für Tiger typische Backenbart ist bei dieser Unterart besonders stark ausgeprägt, sogar bis hin zu einer kleinen Mähne. Der Sumatra-Tiger hat außerdem Schwimmhäute zwischen den Zehen und ist ein sehr guter Schwimmer. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Säugetieren, aber auch aus Wasservögeln, Reptilien und Fischen. Nach einer Tragzeit von 98 bis 100 Tagen bringt das Weibchen zwei bis drei Junge mit einem Gewicht von etwa 1.000 Gramm zur Welt. Der Sumatra-Tiger weicht genetisch von allen heute noch lebenden Unterarten auf dem Festland ab (Sibirischer Tiger, Bengal-Tiger, Südchinesischer Tiger, Indochinesischer Tiger und der Malaiischer Tiger). Untersuchungen legen nahe, dass er nach der letzten Eiszeit auf der Insel Sumatra von den anderen Tigerpopulationen isoliert wurde.

Wissenswertes zum Binturong
Der Binturong ist die größte Schleichkatze der Welt und stammt aus Südostasien, wo er in tropischen Regenwäldern lebt. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten, aber auch Insekten, Vögel oder Fische stehen auf dem Speiseplan. Der Binturong hat raues, langes und meist dunkelgrau gefärbtes Fell und sein Kopf ist geprägt durch lange, weiße Tasthaare sowie lange Ohrbüschel. Außerdem verfügt er neben einem einzigartigen Greifschwanz auch über kräftige Beine, was ihn zu einem guten Kletterer macht. Die Tragzeit von Binturongweibchen beträgt 88 bis 98 Tage. Der Binturong kann eine Körpergröße von bis zu 96 Zentimetern erreichen und ein Gewicht bis 20 Kilogramm. Er gilt als gefährdet, da sein Lebensraum durch den Menschen zerstört wird.

Wissenswertes zum Siamang
Der Siamang ist eine Menschenaffenart aus der Familie der Gibbons. Er stammt aus dem südasiatischen Raum und ist ein tagaktiver Baumbewohner. Nahrungsquelle sind hauptsächlich Blätter und Früchte, gelegentlich aber auch Vogeleier und Kleintiere. Der Siamang hat tiefschwarzes Fell und als einzige Gibbonart einen großen Kehlsack. Die beiden Geschlechter unterscheiden sich, anders als bei anderen Gibbonarten, nicht in der Fellfarbe. Nach sieben- bis achtmonatiger Tragzeit bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt, das knapp zwei Jahre gesäugt wird. Mit sechs bis sieben Jahren ist der Siamang geschlechtsreif. Der Siamang ist stark gefährdet, da durch die Waldrodung sukzessive sein Lebensraum zerstört wird.

Quelle: PM Zoo Osnabrück