Nordseefeeling im Zoo Heidelberg

Foto: Zoo Heidelberg

„Das ist ja wie an der Nordsee!“, rufen viele Besucher begeistert, kaum haben sie, dem Schrei der Möwen folgend, das Küstenpanorama des Zoos betreten.
Die kleine Anlage mit dem großen Erholungseffekt ist eine der attraktivsten Anlagen im Zoo Heidelberg und wurde gerade in wochenlanger Arbeit liebevoll saniert. In der begehbaren Voliere für zahlreiche See- und Watvögel fühlt sich der eher an hügelige Landschaften und Wälder gewöhnte Süddeutsche an seinen letzten Urlaub an der Küste erinnert. Die naturgetreue Atmosphäre bewirkt sogar, dass viele Besucher Salz auf den Lippen schmecken, obwohl nur Süßwasser verwendet wird. Die perfekte Kulisse mit Leuchtturm und reetgedecktem Häuschen, das Klatschen der Wellen an den kleinen, weißen Sandstrand, wildes Möwengeschrei und der leichte Geruch nach Fisch machen das Erlebnis vollkommen und formt einen idyllischen Ausschnitt des Nationalparks Deutsches Wattenmeer.
Besonders schön: Seit der Sanierung können sich Zoobesucher nun wie Urlauber in originalen Strandkörben entspannen, Meeresrauschen und Vogelruf inklusive.
Ein neues Netz spannt sich über den roten Leuchtturm im Miniformat, der gleichzeitig ein beliebter Aussichtspunkt für die Möwen und Inkaseeschwalben ist und das reetgedeckte Fischerhäuschen dient zahlreichen Vögeln als warme Rückzugsmöglichkeit.
Im Zoo Heidelberg lebt eine Vielzahl von Meeresvögeln. Austernfischer oder Eiderente bestechen durch auffällige Farben, Stelzenläufer und Säbelschnäbler kleiden sich klassisch schwarz-weiß, Möwen sind meist in ein zurückhaltendes Grau-Weiß gekleidet, machen aber mit durchdringender Stimme auf sich aufmerksam. Die typischen Verhaltensweisen der Nahrungssuche zeigen auch die Watvögel im Küstenpanorama. Im sauberen Sand und regelmäßig gewechselten Wasser finden sie zwar nur wenig Nahrungsteilchen, ihr angeborenes Suchverhalten können sie dort aber bestens ausleben. Satt werden sie durch Weichfuttermischung, bestehend aus Insekten und Garnelenschrot, angereichert mit Hackfleisch. Zusätzlich wirft der Pfleger mehrmals täglich kleine Fische in das Wasser, die innerhalb kürzester Zeit von den verschiedenen Vögeln erbeutet werden.
Der Besucher spürt: auch in Mitteleuropa gibt es Wildnis. Das Wattenmeer, das vom niederländischen Ijsselmeer bis zur süddänischen Nordseeküste reicht, ist ein einzigartiger Lebensraum, der in dieser Form an keiner anderen Küste der Welt zur finden ist. Zum Ökosystem Wattenmeer gehört nicht nur das eigentliche Watt, das im Wechsel von Ebbe und Flut trocken fällt und wieder überflutet wird. Salzwiesen, Dünen, Strände und Geestkliffs sind weitere Lebensraumtypen des Mosaiks, das die einzigartige Vielfalt des Wattenmeeres prägt. Die Idylle des tierreichen Nationalparks, den wir als Touristen so gerne besuchen, sollte uns jedoch auch für seine Gefährdung sensibilisieren. Verschmutzungen und Vergiftungen sind ständige Belastungen des Wattenmeers. Im Juni 2009 wurde das Wattenmeer in die UNESCO-Liste des Welterbes der Menschheit aufgenommen.

Die Frühlingsgefühle sind in der Vogelwelt ausgeprägt und werden lautstark und tänzerisch gezeigt. Die Säbelschnäbler zeigen besonders auffällige Balzspiele. Sie stellen sich im Kreis auf, verbeugen sich, streichen mit ihren Schnäbeln über den Boden, trampeln und schreien erregt. Dieses für uns seltsam anmutende Verhalten führt bei den Säbelschnäblern dazu, dass sich die Paare für die Brutsaison finden und gegenseitig stimulieren. Das Nest ist meist nur eine mit trockenen Halmen ausgelegte Mulde im Sand, in der die vier gefleckten Eier von beiden Elterntieren ausgebrütet werden.
Der wohl schönste und auffälligste Vogel im Heidelberger Küstenpanorama ist die Inkaseeschwalbe mit dem markanten roten Schnabel, deren lange weiße Federn am Schnabelansatz an einen Schnurbart erinnern. Wie ihr Name schon verrät, ist die Heimat dieser Seeschwalbenart die Küste Südamerikas von Peru bis Chile. Ihre Haltung und vor allem ihre Zucht hat in Heidelberg allerdings Tradition, so dass auch diese an den deutschen Küsten nicht vorkommende Vogelart die Anlage am Neckar bewohnt.

Nach Verlassen der Freiflugvoliere bietet sich den Besuchern ein schöner Blick durch die bullaugenähnlichen Fenster auf die Küstenlandschaft, eine Perspektive, die vor allem Kinder besonders lieben.

Quelle: PM Zoo Heidelberg