Rare Affennachzucht aus dem Zoo Landau in der Pfalz reist zurück nach Ghana

„Auf Wiedersehen IVY !“ hieß es bei den Mitarbeitern des Zoo Landau in der Pfalz am Montag, den 13. März. Die älteste weibliche Weißscheitelmangaben-Nachzucht der Zuchtgruppe im Zoo Landau, inzwischen vier Jahre alt und damit geschlechtsreif, verließ die Landauer Familiengruppe in Richtung Ghana. Auf Empfehlung der Zuchtbuch-Koordinatorin für diese in der Wildbahn äußerst bedrohte Affenart zog IVY nun in eine Rettungs- und Zuchtstation in der Nähe von Ghanas Hauptstadt Accra um. Dass die älteste Tochter des Landauer Zuchtmannes CHARLES nun wohlbehalten in das Heimatland der Tierart nach Westafrika gereist ist, ist ein besonders wichtiger potentieller Beitrag für den Artenschutz, indem die Erhaltungszuchtbemühungen vor Ort dadurch maßgeblich unterstützt werden. Schon im Jahr 2010 hatte der Zoo Landau keine Mühen gescheut, das genetisch äußerst wertvolle Mangaben-Männchen aus der Rettungs- und Zuchtstation für bedrohte Primaten in Accra nach Deutschland zu importieren. Bei einem Affen aus einem Nicht-EU-Land war dies mit erheblichem organisatorischen Aufwand verbunden. Doch die Mühe hatte sich schon bald gelohnt: der für das Zuchtprogramm besonders wichtige Affen-Mann ist inzwischen fünffacher Vater im Zoo Landau, in dem er mit drei Weibchen vergesellschaftet ist. CHARLES hatte in Ghana zunächst ein Schicksal erlitten, wies es tausende seiner Verwandten bzw. anderen Wildtiere erleiden. Er selber war aus dem illegalen Wildtierhandel konfisziert und glücklicherweise in iner Auffangstation gerettet worden. Nun schloss sich gewissermaßen ein Kreis, wie dies im Rahmen des legalen internationalen Austauschs von gefährdeten Tieren in koordinierten Zuchtprogrammen idealerweise erfolgt.

Am Dienstagnachmittag, erneut nach mehrmonatiger intensiver Vorbereitung, hieß es in Accra „Welcome IVY !“. Und sehr groß war die Erleichterung sowohl in Landau also auch bei den Kolleginnen und Kollegen vor Ort in Ghana, dass das Tier die lange Flugreise sehr gut überstanden hatte. Schon nach kurzer Zeit lief IVY aus der Transportkiste, um ihre neue Umgebung im tropischem Klima Afrikas zu erkunden. IVY wird nun nach einer Eingewöhnungszeit mit einem Weißscheitelmangaben-Männchen und einem weiteren Weibchen vergesellschaftet werden. Natürlich hoffen alle Beteiligten auch hier auf baldigen gesunden Nachwuchs. „Denn es ist eine der wichtigen Aufgaben von Zoos, für den langfristigen Erhalt auch dieser Affenart zu sorgen,“ sagt Landaus Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel erleichtert. Weißscheitelmangaben kommen nur noch in stark fragmentierten Waldgebieten im Grenzgebiet von Ghana und der Elfenbeinküste vor. Die fortwährende Zerstörung des Regenwaldes und illegale Wilderei brachten die Art nahe an den Rand der Ausrottung. Inzwischen sind Weißscheitelmangaben auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) in der höchsten Gefährdungskategorie „Critically endangered“ (Von Ausrottung bedroht) gelistet. Für den Erhalt des Regenwaldes in Westafrika, für Aufklärung der Bevölkerung zur nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes und gegen Wilderei setzt sich die West African Primate Conservation Action (WAPCA) ein. Eine Artenschutzinitiative, die vom Zoo Heidelberg koordiniert wird. Der Zoo Landau ist Gründungsmitglied von WAPCA und unterstützt deren Arbeit jährlich mit finanziellen Mitteln und zudem durch Öffentlichkeitsarbeit. Bei Accra ist derzeit ein so genanntes „semi free enclosure“ geplant, in dem Affen wie die Weißscheitelmangaben geschützt, aber weitestgehend unter Freilandbedingungen leben sollen. Vielleicht werden zukünftig Nachkommen von IVY hier untergebracht werden können, um einer sich anschließenden möglichen Wiederauswilderung einen Schritt näher zu kommen. IVY wird sicherlich eine gute Mutter werden, denn sie hat in Landau schon viele Erfahrungen bei der Aufzucht ihrer vier jüngeren Geschwister sammeln dürfen. Bei Primaten ist dies Erfahrung für die eigene erfolgreiche Nachzucht besonders wichtig.

Quelle: PM Zoo Landau

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