Reetdachhaus im Zoo Heidelberg wird umfassend erneuert

Foto: Zoo Heidelberg

Das wahrscheinlich einzige Reetdachhaus in Heidelberg steht im Zoo, inmitten einer naturgetreu gestalteten Küstenlandschaft und umflogen von kreischenden Möwen. Das „Küstenpanorama“ zählt zu den attraktiven Anlagen im Zoo mit echtem Erholungseffekt. In der begehbaren Voliere für zahlreiche See- und Watvögel fühlt sich der eher an hügelige Landschaften und Wälder gewöhnte Süddeutsche an seinen letzten Urlaub an der Küste erinnert. Die naturgetreue Atmosphäre bewirkt sogar, dass viele Besucher Salz auf den Lippen schmecken, obwohl nur Süßwasser verwendet wird. Die perfekte Kulisse mit Leuchtturm, dem reetgedecktem Häuschen und der leichte Geruch nach Fisch machen das Erlebnis vollkommen. Besonders schön ist, dass Zoogäste sich wie Urlauber in Strandkörben entspannen können, Wellenrauschen und Vogelruf inklusive.

Seit einigen Tagen können Zoobesucher live miterleben, wie ein originales Reetdach entsteht. Das reetgedeckte Fischerhäuschen dient den Vögeln als warme Rückzugsmöglichkeit, vor allem in der kälteren Jahreszeit. Sein Dach war nun in die Jahre gekommen und hätte einem weiteren Winter wohl nicht mehr standgehalten. Deshalb musste es komplett neu gedeckt werden. Ein solches Dach perfekt zu decken bedeutet viel Arbeit – mehr, als man sich gemeinhin vorstellen kann. Diese traditionelle Handwerkskunst ist in unseren Breiten selten zu sehen. Häuser mit Reetdächern sind lebende Kulturdenkmäler und prägen vor allem das norddeutsche Landschaftsbild. So war der Zoo froh, mit der „Deutschen Reetdachhaus-Baugesellschaft Dabow & Dabow“ aus Brandenburg einen Reetdachspezialisten nach Heidelberg zu holen. Ein Dach mit Reet einzudecken, kann nicht jeder Dachdecker, das muss extra gelernt werden. So ist auch der Anteil an manueller Arbeit sehr hoch. Das Reet wird bündelweise auf das Dach gebracht und befestigt. Dies geschieht mit gebundener, genähter oder geschraubter Deckung. Ein Reetdach ist 40-45 Jahre haltbar, vorausgesetzt, es wird regelmäßig gereinigt.

Interessant zu wissen: Als Reet bezeichnet man den blattlosen Stengel von Schilf (Phragmites australis). Dieser ist fest und elastisch zugleich, hohl, leicht und haltbar. Wegen dieser Eigenschaften als Wasserpflanze war Reet beziehungsweise Schilf eines der ersten Bedachungsmaterialien der sesshaft gewordenen Menschen. Die ersten nachgewiesenen Reetdächer gab es bereits um 4.000 vor Christus. Reetdächer sind eine sehr umweltfreundliche Dacheindeckung – das Material ist CO² neutral und bietet eine hervorragende Wärmedämmung.

In wenigen Tagen ist das Dach fertig und das Haus erstrahlt in neuem Glanz. Dann ist das Küstenpanorama im Zoo Heidelberg für seine Bewohner noch schöner und für die Zoobesucher erst recht einen Besuch wert.

Quelle: PM Zoo Heidelberg