Schimpansen im Zoo Osnabrück beziehen Winterquartier

Schimpanse – Foto: Zoo Osnabrück

Osnabrücker Schimpansen erobern Dschungel – Menschenaffen beziehen Winterquartier

Fünf Meter hohe Palmen, Bananenstauden, Erlen und Ahorn – ein wahrer Dschungel erwartete heute die sieben Schimpansen im Zoo Osnabrück: Sie eroberten ihr Winterquartier zurück, nachdem sie die Sommermonate auf ihrer Außenanlage verbracht hatten.

„Heute konnte man besonders arttypisches Verhalten bei den Menschenaffen beobachten: Unsere Schimpansen erkundeten ein Areal, das sie zwar kannten, aber das sich verändert hat – wie in der Wildbahn. In ihren Territorien ziehen die Tiere auch umher, je nach Jahreszeit und Futterlage“, erläutert Zoodirektor Prof. Michael Böer die Hintergründe. Seit April hatten die westafrikanischen Schimpansen auf der 2.500 Quadratmeter großen Außenanlage gelebt und kamen nur abends in den separaten Schlafbereich im Schimpansenhaus. Währenddessen hatte sich ihr Winterquartier, die 500 Quadratmeter große Halle, in einen wahren Dschungel verwandelt, wie Tierpfleger Wolfgang Festl berichtet: „Wir hatten den Bereich vor drei Jahren das erste Mal bepflanzt, und auch wenn die Schimpansen ziemlich ruppig mit dem Grün umgehen, schlagen die Pflanzen in den Sommermonaten immer wieder aus. Dank unserer Bewässerungsanlage und dem Glasdach mit Treibhauseffekt ist hier ein grünes Dickicht entstanden.“

Am Freitagvormittag gingen die Verbindungsschieber auf und die Menschenaffen betraten neugierig, aber vorsichtig ihr altes, neues Heim: „Nachdem unsere Schimpansenfamilie erstmal einen gründlichen Erkundungsrundgang durch das ganze Areal gemacht hat, war der Spielplatz eröffnet: Wo es nur ging, wurde getobt, geklettert und am wichtigsten natürlich – gefressen. Kein Strauch oder Grashalm war vor den Sieben mehr sicher“, schmunzelt Festl.

Die Haltung der Schimpansen ist im Zoo Osnabrück eine Besonderheit, wie Böer berichtet: „Wir stellen den Schimpansen hier sozusagen zwei Anlagen zur Verfügung – die Außen- und die Innenanlage. Beide Bereiche sind mit natürlicher Vegetation versehen, die für die Tiere viel Beschäftigung bedeutet. Ein derartiges Konzept gibt es europaweit nirgendwo.“ Besonders ist auch die Tatsache, dass die Schimpansen Mitbewohner haben: Flughunde, Starweber oder Königsglanzstare flattern durch die Halle. „Die Vergesellschaftung mit anderen Tierarten bedeutet für die Zoobewohner
Abwechslung. Das ist wichtig für das Wohlbefinden der Tiere. Die Schimpansen beobachten die Vögel ganz genau und versuchen auch mal einen zu fangen, aber sie sind zu langsam“, erklärt Böer.

Wie lange das Dickicht Schimpansenchef Tatu mit seinen Weibchen Vakanga, Vanessa, Tisa und Lady sowie dem Nachwuchs Lila und Panja Stand hält, können Zoobesucher ab jetzt im warmen Schimpansenhaus beobachten.

Wissenswertes zu Schimpansen:
Schimpansen (Pan troglodytes) leben in Zentral- und Westafrika in Berg- und Trockenwäldern sowie in der Savanne. Sie haben eine Standhöhe von bis zu 140 Zentimeter und wiegen zwischen 30 und 65 Kilogramm. Sie sind Allesfresser und ernähren sich von Blättern, Knospen, Früchten und Fleisch. Schimpansen sind gute Kletterer. Mit Vorliebe laufen sie auf allen Vieren, wobei sie sich auf den Fingerknöcheln abstützen. Sie leben im Familienverband, in dem es sehr temperamentvoll zugeht. Die Freude am Spiel und an harmlosen Neckereien ist stark ausgeprägt. Als Hordenführer fühlt sich das Männchen für den Schutz der Seinen verantwortlich. Schimpansen eignen sich nicht nur sehr schnell einen großen Erfahrungsschatz an, sie sind auch ausgezeichnete Beobachter und Künstler in der Herstellung selbst gefertigter Werkzeuge. Der Westafrikanische Schimpanse ist eine der vier Unterarten der Schimpansen. Sie sind unmittelbar vom Aussterben bedroht aufgrund von Wilderei, Jagd, Regenwaldzerstörung und der landwirtschaftlichen Entwicklung. Von den Westafrikanischen Schimpansen gibt es noch 15.000 bis 20.000 Tiere in der Wildbahn.

Quelle: PM Zoo Osnabrück