Thüringer Zoopark Erfurt: Kakadu Schlampi und ihr Partner ziehen Nachwuchs auf

Der beliebte Kakadu-Dame Schlampi verließ den Zoopark Erfurt im Frühjahr 2019, um auf Hochzeitsreise in den Zoo Krakau zu gehen. Nun gab es eine unerwartete Sensation: Schlampi hat sich mit ihrem Partner schnell verstanden, und die beiden Vögel bauten eine Bruthöhle und ziehen ihren Nachwuchs gemeinsam auf. Die Freude im Zoopark über diesen Erfolg ist groß.

Kakadu Schlampi war durch Handaufzucht auf Menschen statt Artgenossen geprägt. Die Mitarbeiter im Zoopark, allen voran Bereichstierpflegerin Susanne Meyer, versuchten den Kakadu mehr auf andere Vögel zu prägen, vom Menschen zu entwöhnen. Dieses erwies sich als schwierig, zumal auch viele Besucher den Vogel kraulten und so die Bindung an Menschen verstärkten. Einen anderen Kakadu akzeptierte Schlampi damals nicht.

Neben Schlampi lebten auch noch zwei weitere fehlgeprägte Papageien in derselben Voliere: die Gelbbrustaras Betty und Amadeus. Nach 12 Jahren Arbeit von Susanne Meyer und ihrem Team hatten die Gelbbrustaras im Zoopark endlich begriffen, dass sie große Papageien sind und zusammen gehörten, nicht zum Menschen passten. Die Gelbbrustaras begannen sich zu paaren und zogen schließlich erfolgreich ihren Nachwuchs auf.

Doch bei Kakadu Schlampi schien nichts zu helfen. Daraufhin beschloss ein Team aus Tierpflegerinnen, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Zoodirektorin Schlampi zunächst eine längere Zeit hinter die Kulissen des Zoos zu setzten, den Kontakt mit Menschen zu minimieren, ihr einen kleinen Nymphensittich als Vergesellschaftung anzubieten, um sie besser auf die Partnerbegegnung vorzubereiten und dafür den menschlichen Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren.

Nach Klärung ihrer genetischen Abstammung sollte ein geeigneter Partner für eine mögliche Zucht gesucht werden. Vielleicht mochte Schlampi andere Kakadus bisher nicht, weil sie der „falschen Art“ angehörten? Optisch lassen sich Kakadus nicht korrekt unterscheiden, wie sich durch erste genetische Studien gezeigt hatte. Tiere, die vor Jahren über Händler nach Europa gekommen waren, besaßen selten einen Herkunftsnachweis, oder dieser war möglicherweise fehlerhaft. So musste die moderne Forschung ein genetisches Profil erarbeiten, dann die einzelnen Vögel damit abgeglichen werden. Ein schwieriges Unterfangen, aber machbar.

Schwierig ist auch, einen fehlgeprägten Kakadu auf einen artgemäßen Partner umzuprägen. Trotzdem war das Zoopark Team hoffnungsvoll, dass Schlampi eine Chance erhalten sollte unter der Voraussetzung, dass ein geeigneter Partner gefunden werden konnte. Alle Hoffnungen sollten sich erfüllen, auch dank eines wissenschaftlichen Teams aus vielen Zoomitarbeitern europaweit. Zunächst wurde Schlampi aber im Zoopark bestmöglich auf die Partnerbegegnung vorbereitet.

Zwischen 2016 und 2018 wurden Gelbhaubenkakadus genetisch untersucht, und die Zugehörigkeit der einzelnen Vögel zur korrekten Art und Unterart ermittelt, ein neues Zuchtprogramm aufgestellt. Schlampi gehört der Unterart Cacatua galerita eleonora an.

Nun gab es grünes Licht für Schlampi: ein Partner war im Zoo Krakau gefunden. Schnell wurden sich Erfurt und Krakau einig, dass Krakau geeignete Tieranlagen hinter den Kulissen besaß, in denen die beiden Vögel vorsichtig aneinander gewöhnt werden konnten. Baldmöglichst reiste Schlampi nach Krakau.

Die Kollegen aus Krakau berichteten von den Fortschritten, dann kam die tolle Nachricht – Schlampi und ihr Partner Koen haben sich gepaart, Eier ausgebrütet und ziehen gemeinsam den Nachwuchs auf. Es durfte aber niemand stören, so gab es keine Fotos bis die Eltern die Jungvögel aus der Bruthöhle lockten. Jetzt kam ein erstes Foto von der kleinen Sensation aus der Vogelzucht. Die Mitarbeiter und Leitung des Zooparks sind erleichtert, dass all ihre Mühe mit der Haltung und Vorbereitung von Schlampi auf ein Leben mit Partner und gar Nachwuchs so erfolgreich war und freuen sich mit den Kollegen in Krakau.

Quelle: PM Thüringer Zoopark Erfurt

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