Tiergarten Nürnberg blickt auf das Jahr 2014 zurück

Foto: M.Schmid/zoogast,de

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Das vergangene Jahr im Tiergarten der Stadt Nürnberg war bezüglich Besucheraufkommen wieder erfreulich. Maßgeblich war ein hervorragendes Frühjahr mit Rekordergebnissen. Das brachte ein Plus von 76.280 Besuchern gegenüber dem schlechten Ergebnis des Vorjahres und immerhin ein Plus von 14.447 gegenüber dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.
Auch im vergangenen Jahr stieg die Zahl der verkauften Dauerkarten nochmals um 12 % auf 6.530. Auch im Förderverein „Tiergartenfreunde Nürnberg e.V.“ stieg die Zahl der Mitgliedschaften ca. 10 %. Ende September 2014 wurden genau 2.596 Mitgliedschaften gezählt, damit sind diesem Verein etwa 5.500 Personen beigetreten.

Tierbestand
Die Inventur zum Jahresabschluss erfasste 3.295 Tiere aus 292 verschiedenen Arten, darunter 215 Arten von Wirbeltieren mit 2.159 Individuen.
Im Tierbestand gab es deutliche Veränderungen. Einige Tierarten verschwanden aus dem Tiergarten wie die Syrischen Braunbären und die Brillenbären. Von beiden Arten lebten nur noch hoch betagte Weibchen (39,5 bzw. 33 Jahre alt). Somit wurde – wie bereits vor 20 Jahren geplant – die Haltung dieser Arten im Tiergarten Nürnberg beendet. Neben diesen beiden Bären-Seniorinnen verstarb auch der 52-jährige Andenkondor.
Andere, ebenfalls sehr alte Tiere (die jeweils ältesten Vertreter ihrer Art in Europa) wie der 51-jährige Gorilla FRITZ und das 33-jährige Weibchen der Flachlandtapire DAISY zeigen trotz einiger Altersbeschwerden noch eine erstaunliche Vitalität.
Für eine erfolgreiche, kontinuierliche Zucht ist immer wieder ein Austausch mit anderen Zoos erforderlich, der häufig im Rahmen Europäischer Erhaltungszuchtprogramme (EEP) erfolgt. Inzwischen
wurden vom Europäischen Zooverband für fast 200 Arten derartige Programme aufgebaut. Für weitere 200 Arten bestehen Europäische Zuchtbücher (ESB), bei denen die Zusammenarbeit weniger strengen Regeln unterliegt. So kamen auf Empfehlung des vom Zoo Harderwjik koordinierten EEP die Delphine DOLLY und DONNA aus Duisburg nach Nürnberg und ROCCO ging von Nürnberg nach Malaga, Spanien.
Innerhalb weiterer EEPs gab es mit dem 7-jährigen Weibchen HABIBU aus dem Zoo Zürich einen Neuzugang bei den Gorillas. Bei den Prinz- Alfred-Hirschen (EEP) und den Mishmi-Takinen (ESB) wurden neue, für
die hiesigen Weibchen blutsfremde Männchen in den Tiergarten geholt – in beiden Gruppen waren die Männchen aus Altersgründen verstorben. Über Jahre hinweg hatten die beiden Riesenseeadler kein nennenswertes Interesse aneinander und züchteten nicht. So wurde im Rahmen des EEP das Weibchen an eine Station der französischen Staatsforsten nach Rambouillet abgegeben und aus dem Zoo Novosibirsk ein neues
Weibchen nach Nürnberg geholt. Obwohl sie erst kurze Zeit zusammen sind, zeigt sich schon jetzt eine gute Verträglichkeit.
Zu den besonders erfreulichen Nachzuchten zählen die vier Kropfgazellen, der am 30. April 2014 geschlüpfte, weibliche Andenkondor und natürlich der noch lebende kleine Eisbär (geboren 21. November
2014) und das am 31. Oktober 2014 geborene Delphinkalb Nami. Im Rahmen von Wiederansiedelungsprojekten wurden ein Habichtskauz an das Wildnisgebiet Dürrenstein in Österreich und acht Europäische Ziesel an ein Projekt des BUND im Erzgebirge abgegeben, wo diese Art bis Ende der 80er Jahre die letzte Verbreitung in Deutschland hatte.

Futterbedarf
Die Tiere im Tiergarten Nürnberg hatten natürlich auch in 2013 einen äußerst vielfältigen und reichlichen Nahrungsbedarf. Die Futtermittelstatistik erfasst Obst wie 11,2 to Äpfel, 560 Ananas, 3,3 to Bananen, 1,8 to Orangen, 9.300 Kiwi, außerdem Gemüse wie 1,9 to Auberginen, 716 kg Broccoli, 1,9 to Chinakohl, 32,8 to Karotten, 17.400 Köpfe Salat, 2,5 to Paprika, 15,1 to Kartoffeln, 7,2 to Rote Rüben und beinhaltet neben 26,9 to Fleisch und 72,7 to Fisch, 4,6 to Tintenfisch, 27.500 Küken, 22.470 Mäuse und 3.670 Ratten auch Grillen, Mehlwürmer, Obstfliegen und Quark.
Unter den selbst angebauten Futtermitteln spielten 75 to Runkelrüben und 205 to Heu (165 to aus eigenem Anbau) wieder eine bedeutende Rolle in der Gesamtversorgung. Neben 29 to Kraftfutter für Wildtiere wurde 650 kg Salzlecksteine eingekauft.
Im September 2013 stellte der Tiergarten Nürnberg die Beschaffung der Futterfische auf nachhaltig gefangenen Fisch um. Dafür wurde der Tiergarten nach dem Rückverfolgbarkeitsstandard des Marine Stewardship Councils (MSC) zertifiziert. Im Oktober 2013 wurden der landwirtschaftliche Betrieb des Tiergartens Nürnberg, das Gut Mittelbüg, wie auch das Tiergartenrestaurant Waldschänke Mitglieder im Biokreis e.V., einem Verband für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung.

Baumaßnahmen
In Zeiten knapper Gelder ist kostengünstiges Bauen unabdingbar. So konnten überwiegend in Eigenleistung der Abteilungen Technik, Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft sowie der Tierpflege des Tiergartens mehrere Baumaßnahmen fertiggestellt werden. Im Frühjahr erfolgte der Umbau des Wolfsgeheges für Luchse, das von den Tieren und auch den Besuchern bestens angenommen wurde. Ausschließlich in Eigenleistung wurde die Erweiterung des Kropfgazellengeheges vollendet, um noch bessere Voraussetzungen für die Zucht dieser seltenen Tiere bieten zu können. Die alte Anlage für Brillenbären wurde umgebaut für eine neue Haltung der bedrohten Fischkatzen aus Südostasien, die bald nach Nürnberg kommen werden.
Die Luchsanlage wurde mit 26.500 Euro vom Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg e.V. und 8.000 Euro von der Heinrich- Gröschel-Stiftung finanziell unterstützt. Die Fischkatzenanlage wird der Tiergarten-Förderverein mit 64.500 Euro bezuschussen. Die zwischenzeitlich für Ziegen genutzte Braunbärenanlage wird derzeit zu einer Voliere für Bartgeier umgebaut. Dieser Umbau wird sich aber noch bis in den Frühsommer erstrecken.

Lernen im Zoo
Im Jahr 2014 wurden von der Zoopädagogik im Rahmen von Führungen für Schulklassen und Kindergärten, bei Übernachtungen im Blauen Salon, Zeltlagern und dem Zoo-Schullandheim insgesamt 4.297 Teilnehmer (205
Gruppen) betreut.
Hinzu kamen 2014 weitere 1.150 Führungen mit 10.560 Teilnehmern zu den Sonderprogrammen („Besondere Augenblicke“) der Zoobegleiter. Mit Spezialführungen wie „Besuch beim Lieblingstier“ trifft dieses Angebot des Tiergartens Nürnberg ganz offensichtlich die Wünsche der Besucher.

Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit
Die Veranstaltungen des Tiergartens standen 2014 vor allem unter der Überschrift „75 Jahre Tiergarten am Schmausenbuck“. Dazu gehörten am Sonntag, 13. April 2014, der Saisonauftakt unter dem Motto „75 Jahre Landschaftszoo – Tradition und Moderne“. Beim Großen Jubiläumsfest am Sonntag, 6. Juli 2014, feierte der Tiergarten auch noch das 50jährige Bestehen der Kleinbahn „Kleiner Adler“. Ein ganz besonderes Ereignis war das Konzert am 18. Juli 2014 in der Delphinlagune. Die im Tiergarten ansässige Artenschutzgesellschaft Yaqu Pacha hat unter dem Motto „Wohlklänge für den Artenschutz“ zu einem Benefizkonzert eingeladen. Das Martina Eisenreich Quartett, bestehend aus Frontfrau und Violinistin Martina Eisenreich, Gitarrist Christoph Müller, Bassist Stephan Glaubitz, Schlagzeuger Wolfgang Lohmeier sowie deren Gastmusikern Hansi Zeller am Akkordeon und dem Südamerikaner Kiko Pedrozo an der Harfe, präsentierten eine Serenade im Reich der Delphine und begeisterte die Zuhörer mit klassischer Musik und lateinamerikanischen Rhythmen.
Am 19. Und 20. Juli fand das erste internationale Yaqu Pacha- Symposium zur Forschung an Meeressäugern statt, in dessen Rahmen führende Wissenschaftler aus Europa, Südamerika und Australien neueste Ergebnisse aus der Freilandforschung an Meeressäugern und Amphibien vorstellten. Über 60 Studenten aus ganz Deutschland von Konstanz bis Hamburg nahmen am Symposium und einem anschließenden Workshop zur bioakustischen Forschung teil. Ein wichtiger Meilenstein im Jahr 2014 war die Eröffnung des Bionicums am 23. Juli 2014 durch den damaligen bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber und den bayerischen Finanzminister Dr. Markus Söder. Das Bionicum Besucherzentrum ist Teil eines Gesamtprojekts,
das vom Bayerischen Umweltministerium finanziert und vom Landesamt für Umwelt umgesetzt wird. Neben dem Besucherzentrum im Tiergarten zählen dazu drei Forschungsprojekte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg.

Tiergartenverein und Tierpaten
Auch im vergangenen Jahr ist die Zahl der Mitglieder im Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg e.V. wieder gewachsen. Veröffentlichte man bislang die Zahl von gut 2.000 Mitgliedern, wurden Ende September 2014
genau 2.596 Mitgliedschaften gezählt. Dahinter verbergen sich unter anderem 992 Paarmitgliedschaften und 927 Familienmitgliedschaften. Wird davon ausgegangen, dass eine Familienmitgliedschaft mindestens drei Personen umfasst, dann gehören dem Tiergartenverein fast 5.500 Bürger an. Damit sind die Tiergartenfreunde eine der größten kulturell tätigen Bürgervereinigungen in Nürnberg.
Die Spendeneinnahmen im Bereich der Tierpatenschaften konnten 2014 gegenüber 2013 um 9,5% zulegen und umfasste 118.400 Euro (2013: 108.171 Euro). Die Zahl der Tierpaten belief sich 2014 auf 719 Personen,
2013 auf 704.

Quelle: PM Tiergarten der Stadt Nürnberg