Tierlexikon: Afrikanischer Elefant

Aufgenommen in Kenia 2010 - Foto:M.Schmid/zoogast.de

Aufgenommen in Kenia 2010 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Oxodonta africana
Verbreitung kontinental:
Afrika
Verbreitung regional:
Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrika, Tschad, Kongo, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Äquatorialguinea, Eritrea, Äthiopien, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Liberia, Malawi, Mali, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Südafrika, Südsudan, Tansania, Togo, Uganda, Sambia, Simbabwe, Swasiland
Lebensraum:
Wälder, Savannen, Flusssenken und Sümpfe
Gattung:
Afrikanische Elefanten
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: gefährdet

Bei den Afrikanische Elefanten leben die Weibchen in Gruppen von bis zu 20 Tieren, die aus ihnen und ihren Jungtieren bestehen. Jede Herde wird von einer Leitkuh angeführt, die ihre Position bis zum Tod behält. Diese Herden vereinigen sich gelegentlich zu Gruppen von bis zu 100 Tieren, die allerdings bald wieder aus einander gehen. Im Gegensatz dazu streifen die Männchen als Einzelgänger umher und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Gruppen. Die Herden unternehmen große Wanderung, sie ziehen pro Tag bis zu 12 Kilometer umher, wobei die Wanderungen auch nachts stattfinden können. Dies geschieht meist gemächlich, wenn es aber sein muss erreichen die Tiere Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 40 km/h. Wenn sich Afrikanische Elefanten ausruhen, lehnen sie sich normalerweise gegen Bäume, was durchaus komisch aussehen kann. Eine typische Verhaltensweise ist auch das Baden. Afrikanische Elefanten gehen sehr gerne und nicht nur zur Abkühlung ins Wasser. Wenn es ihnen möglich ist, tauchen sie soweit unter, dass nur noch der Rüssel aus dem Wasser ragt.
Afrikanische Elefanten sind die größten und mit die intelligentesten lebenden Landsäugetiere unserer Zeit. Sie haben große Ohren durch die bis zu 14 Liter Blut pro Minute fliesen, mit denen sie durch Wedeln ihre Körpertemperatur regulieren. Das ist sehr wichtig, denn Elefanten können nicht schwitzen. Zudem können sie damit Laute unterhalb des menschlichen Hörvermögens, dem sogenannten Infraschall, wahrnehmen, durch den die Tiere miteinander kommunizieren. Was für die Art sehr wichtig ist, da ihr Sehvermögen nicht sonderlich gut ist. Auch kann man an den Ohren die Laune eines Tieres ablesen: stellt ein aufgebrachter Elefant z.B. die Ohren immer wieder nach vorne, so steht er kurz davor anzugreifen. Seine großen Füße wirken nur auf den ersten Moment plump, in Wirklichkeit spüren Elefanten ganz genau was sich unter ihnen befindet. Die große Sohlenfläche ist für die Verteilung ihres Gewichts, das immerhin bis zu 7,5 Tonnen betragen kann, unentbehrlich. Der Afrikanische Elefant hat ein sehr großes Gehirn und ein sehr gutes Gedächtnis. Zudem deutet die feine soziale Struktur innerhalb einer Herde auf große Intelligenz hin. Beide Geschlechter bekommen Stoßzähne, die genauso wie der restliche Elefant das ganze Leben lang wachsen. Die Tiere können bis zu 60 Jahre alt werden.
Der Afrikanische Elefant ernährt sich zum größten Teil von Gräsern, Wurzeln, Blättern, Zweigen, Baumrinden, Holz und verschiedenen Früchten. Er verbringt bis zu 20 Stunden täglich mit dem Fressen und nimmt so pro Tag bis zu 300 Kilo Nahrung zu sich. Praktisch für das viele Fressen ist, dass sich seine Zähen bis zu sechs mal erneuern, was bei den Menschen nur zweimal geschieht. Wenn die letzten Zähne abgenutzt sind ziehen die alten Tiere in Sümpfe um an weichere Kost zu gelangen. Da man in diesen Gegenden dann auch oft die Überreste von mehreren Elefanten gefunden hat, entstand der Mythos des „Elefantenfriedhofs“. Außerdem benötigen Afrikanische Elefanten täglich bis zu 150 Liter Trinkwasser.
Während der Paarungszeit kommen die Elefantenbullen in einen Zustand absoluter Erregung, den man Musth nennt. Während dieser Zeit verströmen die Bullen einen moschusartigen Geruch, der durch ein Sekret aus Drüsen an der Schläfe entsteht. Zudem sind die Tiere während dieser Zeit besonders angriffslustig.

Der Afrikanische Elefant und die Verwandtschaft

Erstaunlicher Weise ist der nächste Verwandte des Afrikanischen Elefanten nicht der Asiatische Elefant. Dieser stammt vom Mammut ab. Der nächste Verwandte der Afrikanischen Elefanten ist der Schliefer. Schliefer sind etwa so groß wie ein Kaninchen und haben etwas Ähnlichkeit mit einem Murmeltier.
Der Waldelefant wurde früher als Unterart des Afrikanischen Elefanten geführt, gilt aber mittlerweile als eigenständige Art.
Nur der Wüstenelefant, der in der in der westafrikanischen Wüste Namib lebt konnte evtl. als eine Unterart geführt werden. Diese Tiere haben als Anpassung an ihren Lebensraum z.B. eine Verbreiterung der Fußsohlenfläche entwickelt. Aber von diesen besonderen Tieren gibt und gab es nie viele, man geht davon aus, dass es nie mehr als etwa 120 Wüstenelefanten gleichzeitig gab. Da die seltenen Tiere von Wilderern und illegalen Großwildjagden sehr stark gefährdet werden, gibt man heutzutage keine genauen Bestandszahlen mehr bekannt.

Der Unterschied zwischen Afrikanischen und Asiatischen Elefanten

Bei den Afrikanern wachsen beiden Geschlechtern Stoßzähne, was bei den Asiaten nur den Bullen vorbehalten ist. Die Stoßzähne in Afrika werden auch viel größer als die in Asien, der Rekord liegt bei über 100 Kilo Gewicht und knapp 3,50 Metern Länge. Zudem haben die größeren Afrikanischen Elefanten zwei „Finger“ am Rüsselende, die Asiatischen nur einen und auch die Ohren werden bei den Tieren in Afrika viel größer. Einer der gravierendsten optischen Unterschiede sind auch die beiden Beulen am Kopf der Elefanten des asiatischen Kontinents, die bei Afrikanischen Elefanten komplett fehlen, diese haben eher eine fliehende Stirn. Außerdem kann man Asiatische Elefanten gut an ihrem Buckel erkennen, den die Afrikaner nicht besitzen.

Der Afrikanische Elefant als Pionier

Der Afrikanische Elefant ist sozusagen der Wegbereiter für viele andere Tierarten und ein wichtiger Bestandteil des afrikanischen Ökosystems. So hält er z.B. Savannen baumfrei, weil er die jungen Triebe mitsamt Wurzeln aus dem Boden reißt um sie zu fressen und er reißt große Bäume um, weil an die Blätter kommen möchte. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil für Gnus, Zebras und andere große Huftiere. Zudem gräbt in Dürrezeiten nach Wasser und schafft so neue Trinkgelegenheiten für alle anderen Tierarten. Auch für kleinere Tiere ist er von großem Nutzen, denn der Afrikanische Elefant gräbt unter der Erde nach Salz, wodurch Baue für die kleineren Säugetiere entstehen. Andere Tiere nutzen die Grauen Riesen zur Nahrungsgewinnung, denn eine Vielzahl der afrikanischen Vögel wandert mit ihnen um die Insekten, die von den Herden in großer Zahl aufgeschreckt werden zu fressen. Für eine bestimmte Pflanze ist der Afrikanische Elefant sogar überlebenswichtig: die Afrikanische Aubergine wächst nur nachdem sie durch Elefantenkot befruchtet worden ist!

Der Afrikanische Elefanten und der Mensch

Die Menschen sahen den Elefanten im Allgemeinen schon immer als faszinierend und mystisch an, er war Statussymbol oder Götterbote. Aber auch als Arbeitstier waren alle Elefantenarten im Laufe der Geschichte im Einsatz.
Und doch ist der Mensch die einzige Art, die das Überleben der Afrikanischen Elefanten gefährdet. Zwischen 1950 und 1980 wurden auf Jagdsafaris in den Savannen Ostafrikas etwa eine halbe Million Tiere getötet, die anderen afrikanischen Regionen nicht mitgerechnet. Der Nordafrikanische Elefant wurde bereits im 6.Jahrhundert ausgerottet. Heute werden trotz aufwendiger Schutzbemühungen jedes Jahr zehntausende Tiere wegen ihrer Stoßzähne für den Elfenbeinhandel gewildert. Außerdem zerschneiden die Menschen durch Siedlungs- und Ackerbau den Lebensraum der grauen Riesen, die so an ihren Wanderungen gehindert werden und in manchen Teilen ihres Verbreitungsgebiets nicht mehr genug Nahrung finden. Durch den zunehmenden Straßenbau in Afrika, kommt es auch immer öfter zu Unfällen mit Elefanten, diese enden so gut wie immer sofort tödlich für die Insassen des Fahrzeugs, aber auch der Elefant stirbt meist kurz darauf an seinen Verletzungen.