Tierlexikon: Afrikanischer Strauß

Afrikanischer Strauß im Tierpark Hellabrunn - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Afrikanischer Strauß im Tierpark Hellabrunn – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Struthio camelus
Verbreitung kontinental:
Afrika, Australien
Verbreitung regional:
Angola, Botswana, Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrika, Tschad, Dschibuti, Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Libyen, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Senegal, Somalia, Südafrika, Südsudan, Sudan, Tansania, Uganda, Western Sahara, Sambia, Simbabwe, Australien, Swasiland
Lebensraum:
Offene Savannen, Halbwüsten und Wüsten
Gattung:
Strauße
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Der Afrikanische Strauß lebt in sogenannten Haremsgruppen, die aus einem Hauptpärchen und mehreren anderen Weibchen bestehen. In Wüstengegenden kann man allerdings Verbände dieser Gruppen an Wasserlöchern sehen, die aus über 500 Tieren bestehen können.
Der Afrikanische Strauß ist mit bis zu drei Metern Größe und über 150 Kilo Gewicht der größte, lebende Vogel. Er stammt zwar von flugfähigen Tieren ab, hat diese Fähigkeit aber im Laufe der Evolution verloren. Afrikanische Strauße sind aber gute Läufer, die eine Schrittweite von etwa fünf Metern Weite und Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen können. Wobei sie ihm Dauerlauf lange Zeit etwa 50 km/h halten können, ihre Spitzengeschwindigkeit aber nur in kurzen Sprints erreichen. Die Vögel haben sehr gute Augen, die mit fünf Zentimetern Durchmesser die größten aller Landwirbeltiere sind, und Ohren, was ihnen als Fluchttier sehr zu gute kommt. Auch der lange Hals ist für den Afrikanischen Strauß ein Mittel zur Gefahrenfrüherkennung. Trotz allem sit der Afrikanische Strauß ein sehr wehrhaftes Tier, der mit der scharfen Kralle an seinem Zeh tiefe Schnittwunden verursachen kann. Zudem können sie mit ihren muskulösen Beinen, durch einen gezielten Tritt selbst einen Löwen töten. Beim Afrikanischen Strauß haben die Männchen ein schwarzes Gefieder, während die Weibchen erdbraun gefärbt sind. Die Laufvögel sind gut an ein Leben in trockenen Gegenden angepasst, nutzten aber Wasser ebenso gerne wie Sand für ausgedehnte Bäder. Der Balzruf des Männchen klingt so ähnlich wie das Brüllen eines Löwen.
Der Afrikanische Strauß ist ein Allesfresser, der sich von Gräsern, Blättern, Früchten und Insekten ernährt. Da der Strauß keine Zähne hat, schluckt er zur Zerkleinerung seiner Nahrung Steine, die er später wieder ausscheidet. Der Afrikanische Strauß hat einen Schluckreflex und nimmt so oft Dinge auf, die ein Leben lang in seinem Magen bleiben und sogar zu seinem Tod führen können.
Beim Afrikanischen Strauß begattet der Hahn alle Männchen seiner Gruppe, worauf die Hennen alle ihre Eier in einer Nestmulde ablegen. Beginnt dann die Brutphase, vertreibt die Haupthenne aber alle anderen Weibchen. Beim Afrikanischen Strauß brütet tagsüber die Henne und nachts der Hahn, was mit der Gefiederfärbung zusammenhängt. Die erdbraune Färbung des Weibchen schützt die Eier tagsüber vor Fressfeinden und die schwarzen Federn des Männchens machen das Nest nachts fast unsichtbar. Das Gelege von Afrikanischen Straußen umfasst etwa 30 Eier, kann aber auch bis zu 80 Eier stark sein und wird etwa eineinhalb Monte ausgebrütet. Das Straußenei entspricht mit bis zu knapp zwei Kilo und 15 Zentimetern Durchmesser etwa 24 Hühnereiern und ist das größte Ei in der Vogelwelt. Es sit aber auch eine beliebte beute von Raubtieren, die oft versuchen die Elterntiere vom Nest weg zu locken um dann die Eier zu fressen. Das geschieht relativ oft, so ist nur jede zehnte Brut erfolgreich. Wenn die Küken schlüpfen, sind sie fast schon so groß wie Haushühner und verlassen sofort das Nest. Werden die Küken von einem Räuber angegriffen, legen sie sich flach auf den Boden, während die Eltern das Raubtier ablenken. Nach etwa einem Jahr sind die Jungtiere dann genauso groß wie ihre Eltern und mit drei Jahren werden sie geschlechtsreif.
Der Afrikanische Strauß ist, trotz seines ursprünglich heißen Lebensraumes ein winterhartes Tier, das in europäischen Zoos auch während der kalten Jahreszeit, tagsüber im Freien gezeigt werden kann. Der Afrikanische Strauß kann in Freiheit ebenso wie in Gehegehaltung erstaunlich alt werden, es wurden bereits Tiere mit über 60 Jahren Alter dokumentiert.

Woher hat der Strauß seinen Namen?

Der Name Strauß stammt vom altgriechischen Wort „strouthiōn“, was in etwa „Großer Spatz“ bedeutet. Die Griechen bezeichneten den Afrikanischen Strauß aber auch als „Kamelspatz“, was zu seinem wissenschaftlichen Namen „Struthio camelus“ führte.

Wozu benutzt der Afrikanische Strauß seine Flügel?

Auch wenn er nicht fliegen kann, hat der Afrikanische Strauß einen Nutzen von seinen Flügeln. Sie dienen ihm beim Laufen als Balancierehilfe, er nutzt sie bei großer Hitze als Schattenspender für sich und seine Jungtiere und zudem sind sie ein wichtiger Bestandteil des Balzrituals der dieser Vögel.

Steckt der Afrikanische Strauß den Kopf in den Sand?

Natürlich nicht, aber diese Geschichte ist eine nicht tot zu bekommende Legende. Sie mag daher rühren, dass Strauße wenn sie brüten flach auf dem Boden liegen, oder weil ihr kleiner Kopf beim Grasen nicht zu sehen ist. Vielleicht liegt es aber auch an der flirrenden Wüstenluft, die einem manchmal vorgaukelt, der Vogel hätte keinen Kopf, wahr es deshalb trotzdem nicht.

Der Afrikanischen Straußes – Heute und Früher

Früher waren Strauße in ganz Afrika und Westasien zu Hause. Heute findet man sie nur noch auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara. Früher jagte man die großen Vögel wegen der Federn, der Haut und des Fleisches. Speziell die langen Federn an den Flügeln der Afrikanischen Strauße waren im 18.Jahrhundert als Schmuckfedern sehr beliebt. Die Jagd nach diesen „Modeassessors“ hätte fast zur Ausrottung dieser großen Vögel geführt.
Die alten Ägypter züchteten und jagten die Laufvögel bereits. Straußenjagden galten als gesellschaftliches Vergnügen, obwohl man die Tiere ebenfalls als Symbole des Lichts und der Gerechtigkeit verehrte. Jeder Prunkwedel war daher mit Straußenfedern ausgestattet.
Im antiken Griechenland und Syrien hielt man Strauße sogar als Zig- und Reittiere.
In Nordafrika hielt sich der Afrikanische Strauß, obwohl er dort ausgestorben ist, im islamischen Volksglauben. So krönen z.B. fünf Straußeneierschalen das Minarett einer Moschee in Mauretanien.
Nachdem man den Afrikanischen Strauß in Südafrika ausgerottet hatte, begann man ihn dort auf Farmen wieder zu züchten. Auch Auswilderungsprogramme führten dazu, dass man die Tiere heute zumindest in den südafrikanischen Nationalparks gelegentlich wieder zu Gesicht bekommt.
In weiten Teilen der Welt hat man wieder Geschmack an Straußenfleisch und den Eiern dieser großen Vögel gefunden. Deshalb gibt es heutzutage beinahe weltweit Straußenfarmen, auf denen die Tiere meist unter staatlichen Auflagen gezüchtet werden.
Auf diesem Weg kam der Afrikanische Strauß auch nach Australien. Dort wurden zu Zuchtzwecken bereits 1869 Tiere eingeführt. Durch Gehegeflüchtlinge und Freilassungen, nachdem die Nachfrage für Straußenfedern immer mehr nachließ, konnte sich in Down Under eine bis heute stabile, wild lebende Population etablieren.

Unterarten des Afrikanischen Straußes

Den Afrikanischen Strauß gibt es in vier Unterarten, die sich optisch kaum unterscheiden. Eine im Namen angegebene Farbe bezieht sich immer auf die Halsfärbung. Ansonsten unterteilt man die Tiere nach ihrem Verbreitungsgebiet.

Struthio camelus australis – Südafrikanischer Blauhalsstrauß
nicht nur im Staat Südafrika, sondern im ganzen südlichen Teil des Kontinents

Struthio camelus camelus – Nordafrikanischer Strauß
heute in Israel wieder ausgewildert, ansonsten nur noch in zoologischen Einrichtungen

Struthio camelus massaicus – Massai-Strauß
ostafrikanische Unterart

Struthio camelus syriacus – Arabischer Strauß
früher von Syrien bis nach Marokko, heute ausgestorben