Tierlexikon: Alpenmurmeltier

Alpenmurmeltiere im Tierpark Hellabrunn - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Alpenmurmeltiere im Tierpark Hellabrunn – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Marmota marmota
Verbreitung kontinental:
Europa
Verbreitung regional:
Österreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, Polen, Slowakei, Schweiz, Rumänien, Slowenien, Andorra, Frankreich, Spanien
Lebensraum:
alpine Wiesen mit ausreichend Nahrungspflanzen
Gattung:
Murmeltiere
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Das Alpenmurmeltier lebt in Familienverbänden mit bis zu 20 Mitgliedern. Die Gruppen bestehen aus einem Elternpaar und mehreren Generationen ihres Nachwuchses. Um die sozialen Bande zu stärken, wird viel Zeit mit Fellpflege und spielerischem Balgen verbracht. Murmeltierverbände beanspruchen ein eigenes Revier, das sie mit einem Sekret aus einer Backendrüse markieren. Alpenmurmeltiere leben in einem selbst gegrabenen und weit verzweigten Tunnelsystem, das in zwei Ebenen aufgeteilt ist. Die Eine liegt relativ knapp unter der Oberfläche und wird im Frühjahr, Herbst und in den Sommermonaten genutzt. Die Andere kann in bis zu sieben Meter Tiefe liegen und enthält die Winterquartiere, in denen sie ihren Winterschlaf verbringen. Der Winterschlaf dauert in der Regel von Oktober bis März und das Alpenmurmeltier verliert dabei bis zu einem Drittel seines Körpergewichts. Die Tiere verbringen ihn in der Gruppe, kuscheln sich hierbei aneinander und wärmen sich gegenseitig. Nur etwa alle vier Wochen stehen die Alpenmurmeltiere auf um auf eine im Tunnelsystem angelegte „Toiletten-Höhle“ zu gehen.
Das Alpenmurmeltier ist mit einer Körperlänge von etwa einem halben Meter ohne Schwanz und einem Gewicht von mindestens drei Kilo, nach dem Biber und dem Stachelschwein das drittgrößte Nagetier in Europa. Das Fell kann in der Farbe von schiefergrau bis rotbraun variieren und es wird einmal im Jahr gewechselt. Das Alpenmurmeltier hat kräftige Grabpfoten, läuft allerdings wie der Braunbär auf den unbehaarten Sohlen.
Das Alpenmurmeltier ist ein reiner Pflanzenfresser. Auf seinem Speisezettel stehen neben Wurzeln und Blättern auch Kräuter und Gräser.
Kurz nach dem Ende des Winterschlafs paaren sich die Alpenmurmeltiere und das Weibchen bringt nach gut einem Monat Schwangerschaft bis zu sechs Jungtiere zur Welt. Die Jungen sind blind, taub nackt und zahnlos. Sie öffnen erst nach gut drei Wochen die Augen und bleiben insgesamt eineinhalb Monate im Bau. Mit dem Verlassen des Baues endet auch langsam das Säugen und der Nachwuchs wird selbstständig. Es dauert allerdings noch mindestens bis zum Ende des zweiten Winterschlafs, ehe die Jungtiere geschlechtsreif werden.
Zum Schutz vor Fressfeinden werden Wächter aufgestellt, ähnlich wie bei den Erdmännchen, welche mit einem steigen Pfiff alle Artgenossen vor dem Erscheinen eines Steinadlers oder eines Baummarders warnen.

Das Murmeltier und der Mensch

In der Schweiz und in Österreich wird das Alpenmurmeltier auch heute noch gejagt. Das liegt zum Einen daran, dass Murmeltierfleisch in manchen österreichischen und schweizer Regionen als Delikatesse gilt. Zudem sehen die Almbauern im Alpenmurmeltier einen Schädling, da sie die Weiden unterhöhlen und die Landwirte den nicht geringen Aushub der Tiere entsorgen müssen.
Auch in der traditionellen Volksmedizin der Alpenvölker spielte das Alpenmurmeltier eine große Rolle. Sein Fett wurde ausgekocht und man verwendete es als Heilmittel alle möglichen Krankheiten.

Das Murmeltier und die Eiszeit

Das Alpenmurmeltier ist sozusagen ein Überbleibsel der letzten Eiszeit und existierte schon zu Zeiten des Mammuts. Deshalb lebt es heute auch nur noch in hohen Bergregionen, da sie dort noch das Klima der vergangenen Zeit vorfindet. Dies ist auch der Grund weshalb das Alpenmurmeltier unter „Hitzestress“ leiden kann. Wenn es dem Alpenmurmeltier zu heiß wird, verbringt es die meiste Zeit in den kühlen Gängen seines Baues, was allerdings zur Folge hat, dass ihm wichtige Zeit zum Winterspeck anfressen verloren geht, die es nachholen muss. Man möchte zwar meinen, dass die Tiere sich gelegentlich sonnen, doch das Ausstrecken in der Sonne dient der Bekämpfung von Parasiten.