Tierlexikon: Alpensteinbock

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2011 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Capra ibex
Verbreitung kontinental:
Europa
Verbreitung regional:
Italien, Österreich, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Bulgarien, Slowenien
Lebensraum:
Hochgebirge
Gattung:
Ziegen
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Bei den Alpensteinböcken leben die Geschlechter getrennt. Bis zu 20 Weibchen bilden mit den Jungtieren Herden. Auch die jugendlichen Böcke leben in Junggesellengruppen zusammen, nur die geschlechtsreifen Männchen sind Einzelgänger. Alpensteinböcke leben das ganze Jahr auf Höhen von bis zu 3.200 Metern.
Der Steinbock ernährt sich von Pflanzen die im Hochgebirge wachsen, während des Winters gräbt er diese mit den Vorderhufen unter dem Schnee aus. Diese Wildziegenart ist der beste Kletterer unter den Ziegen, sie schlagen dabei sogar die Gämsen um Längen. Ihr braun-graues Fell ist eine gute Tarnung in den Geröllhalden des Hochgebirges. Ihr Geweih wächst das ganze Leben lang weiter und wird nie abgeworfen. Bei den Männchen kann es eine Länge von bis zu 1,4 Metern erreichen und man kann bei beiden Geschlechtern an den Beulen am Horn das Alter abzählen. Eine Beule pro Lebensjahr.
Während der Paarungszeit fechten die Böcke mit den Hörnern Rangkämpfe aus, die meist ohne Verletzung ausgehen. Der unterlegene Bock zieht sich am Ende des Kampfes einfach zurück. Steinböcke gebären pro Jahr meist nur ein, aber nie mehr als zwei Kitze., die sofort laufen können und ein Jahr bei der Mutter bleiben. Im ersten Lebensjahr zählen die Wildziegen zur bevorzugten Beute des Steinadlers. Die Mutter verteidigt ihr Junges gegen den gefiederten Räuber aber sehr aggressiv mit ihren mächtigen Hörnern und den Vorderläufen.
Aber auch auf die erwachsenen Tiere lauern Gefahren, so haben sie trotz ihres hochgelegenen Lebensraums immer noch einige Fressfeinde. So stehen sie z.B. auf dem Speiseplan von Wolf, Bär und Luchs und zudem können ihnen noch Lawinen und Murenabgänge gefährlich werden.

Der Steinbock hat nur knapp überlebt

Im 19. Jahrhundert wäre der Alpensteinbock fast ausgerottet worden. Ein Grund hierfür war neben der Trophäenjagd die große Mystifizierung der Tierart. In der damals in Europa traditionellen Medizin wurden von den Ausscheidungen, über Blut, Haar bis hin zum Horn der Tiere alles gegen jedwede Krankheit eingesetzt. Natürlich ohne Erfolg.
Dem Förster Josef Zumstein und dem Naturkundeforscher Albert Girtanner ist es letzlich zu verdanken, dass wir den Alpensteinbock heute noch haben. Die beiden bewegten die italienischen Behörden im Jahre 1820 zum Einrichten des ersten Nationalparks auf italienischen Boden, dem „Gran Paradiso“, und sorgten damit für den Schutz der letzten überlebenden 100 Alpensteinböcke. Von diesem Bestand stammen alle heute lebenden Tiere ab. Durch intensive Zucht- und Auswilderungsprogramme konnte der Alpensteinbock heute fast alle seiner ehemaligen Reviere wieder in Besitz nehmen.