Tierlexikon: Berberaffe

Foto: M.Schmid /zoogast.de - Gibraltar 2012

Foto: M.Schmid /zoogast.de – Gibraltar 2012

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Macaca sylvanus
Verbreitung kontinental:
Afrika, Europa
Verbreitung regional:
Marokko, Algerien, Tunesien, Gibraltar
Lebensraum:
Gebirgsregionen
Gattung:
Makaken
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: stark gefährdet

Berberaffen, auch Magot genannt, leben in großen Horden von bis zu 40 Tieren. Meist wird eine Gruppe von einem Weibchen angeführt dem die anderen Affen in einer festen Reihenfolge untergeordnet sind. Obwohl die Tiere ausgezeichnet klettern können, verbringen sie die meiste Zeit auf dem Boden.
Berberaffen zählen wohl zu den eigenartigsten Affen. Sie leben als einzige Makakenart nicht in Asien. Wie alle Makaken haben Berberaffen Backentaschen, ähnlich dem Hamster, zum Verstauen der Nahrung und zudem haben sie keinen Schwanz. Sie sind nicht nur in der Lage dem Winter zu trotzen, sie können aufgrund ihres dichten Fells sogar ohne Probleme bei Schnee im Freien überleben.
Sie sind Allesfresser, die pflanzliche Nahrung bevorzugen, aber auch gelegentlich Insekten vertilgen.
Die Weibchen bekommen ihre Jungtiere meist im Frühjahr.
Berberaffen sind sie sind auch die einzigen Primaten unserer Zeit, die sich in einer zumindest größtenteils wilden Population auf dem europäischen Festland ansiedeln konnten. Sie kommen heutzutage nur noch in felsigen Regionen vor.

Besonderheit im Sozialverhalten

Im Gegensatz zu den anderen Affenarten kümmern sich bei den Berberaffen auch die Männchen um die Jungtiere. Sie zeigen ein sehr fürsorgliches Verhalten. Es wird mit den Jungtieren gespielt, sie werden gelaust und herum getragen. Manchmal helfen die Jungtiere den Männchen auch dabei einen Streit mit einem Konkurrenten zu schlichten. Bevor es zum Kampf zwischen den Rivalen kommt, hebt man das Junge über den Kopf und versöhnt sich wieder. Forscher gehen davon aus, dass die Fürsorge praktischer Natur ist, denn ein guter Vater hat auch im nächsten Jahr wieder gute Chancen ein Junges mit der Mutter zu zeugen.

Berberaffen in Nordafrika

Es gab eine Zeit, als Berberaffen in ganz Nordafrika vorkamen und die Sahara ihre natürliche, südliche Verbreitungsgrenze darstellte. Heute findet man sie nur noch im algerischen und marokkanischen Gebiet des Atlasgebirges, sowie einige ausgewilderte und aus Gehegen geflüchtete Gruppen in Tunesien. Die Bestände in Libyen und Ägypten wurden bereits um das Jahr 1800 ausgerottet. Durch die Ausweitung der Siedlungsgebiete des Menschen und einer starken Bejagung, aus Gründen des Fell- und Haustierhandels, sowie der Jagd an sich als Freizeitvergnügen, sind die Bestände dramatisch zurück gegangen. Die Schuld für das Verschwinden des Berberaffen ist tatsächlich nur bei den Menschen zu suchen, da die Tiere schon seit längerem keine natürlichen Feinde in freier Wildbahn mehr haben und den klimatischen Bedingungen mehr als ausreichend angepasst sind. Man geht von einem momentanen Bestand von etwa 10.000 Tieren in Nordafrika aus.

Die Berberaffen von Gibraltar

Auf dem europäischen Festland lebt die einzige Wildpopulation auf dem Felsen von Gibraltar (Britisches Staatsgebiet) an der Südküste der iberischen Halbinsel in der spanischen Region Andalusien. Man geht davon aus, dass diese Berberaffen von den muslimischen Besatzern vor etwa 2.000 Jahren nach Spanien gebracht wurden. Dort werden sie heute zum Teil von den Menschen gefüttert, da die Gruppe auf dem Felsen nicht genug Nahrung finden würde und so evtl. in die darunter liegende Festung kommen würden. Zudem werden die Affen von den Touristen und deren Fremdenführern gefüttert, was zu einer gewissen Abhängigkeit der Tiere vom Menschen geführt hat. Die Population in Europa gilt trotzdem als stabil. Zu den europäischen Affen gibt es viele Geschichten. So sagt man sich z.B., dass Gibraltar nur solange und britischer Flagge bleibt, solange es Berberaffen auf dem Felsen gibt. Als schließlich im Jahre 1942 der ansässige Bestand auf nur noch eine Hand voll Tiere gesunken war, ließ Winston Churchill während den Wirren des Zweiten Weltkriegs einige Berberaffen aus Marokko auf die Festung bringen, um den Bestand wieder zu erhöhen. Natürlich nicht wegen der Legende, sondern aus Artenschutzgründen…