Tierlexikon: Braunbär

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2013 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Allgemein:
Wissenschaftlicher Name:
Ursus arctos
Verbreitung kontinental:
Amerika, Europa, Asien
Verbreitung regional:
Afghanistan, Albanien, Andorra, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Weißrussland, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kanada, China, Kroatien, Tschechei, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Indien, Iran, Irak, Italien, Japan, Kasachstan, Nordkorea, Kirgistan, Lettland, Mazedonien, Mongolei, Montenegro, Nepal, Norwegen, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei Slowenien, Spanien, Schweden, Tadschikistan, Ukraine, USA, Usbekistan
Lebensraum:
Wälder und Bergwälder
Gattung:
Ursus
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Braunbären sind in aller Regel Einzelgänger. Obwohl der Braunbär nach dem Eisbär das größte Landraubtier ist, ernährt er sich hauptsächlich von Pflanzen. Doch als Allesfresser frisst er auch tierische Beute, die allerdings nur knapp 1/3 der Nahrung ausmachen. Er ist dabei nicht wählerisch, von der Ameise, über Aas, bis zu großen Huftieren steht alles auf seinem Speiseplan. Männchen sind deutlich größer als Weibchen. Braunbären sind Sohlengänger. Das lässt sie etwas tapsig wirken, doch man sollte das friedfertige Tier nicht unterschätzen: Er ist dem Menschen im Laufen, Schwimmen und Klettern meilenweit überlegen. Der Umstand, dass er auf den Sohlen läuft ermöglicht es ihm auch, sich auf zurichten und mehrere Schritte aufrecht zu gehen. Was die Ursache für das grausame Schicksal der Tanzbären ist. Der größte Feind des Braunbären, neben dem Menschen, sind seine eigenen Artgenossen. Es ist eine Tatsache, dass Braunbären Jungtiere als Beute ansehen und auch Fälle von Kannibalismus in Extremsituationen bei erwachsenen Tieren sind beobachtet worden. Diese Tatsache ist der Hauptgrund für die hohe Aggressivität der Muttertiere während der Jungenaufzucht. Kommt ein erwachsenes Männchen dem Nachwuchs zu nahe, scheucht sie die Kleinen auf einen Baum, den sie dann mit ihrem Leben verteidigt.

Braunbären im Winterschlaf

Während der kalten Jahreszeit verfolgt der Braunbär eine ähnliche Strategie wie das Murmeltier, er hält eine Winterruhe. Dabei kann der Braunbär aber aus seiner Winterruhe erwachen, was dem Murmeltier nicht möglich ist. Der Beginn ist dabei von der Außentemperatur abhängig und als Schlafplatz dient meist eine Höhle. Während die Tiere schlafen geben sie keinen Kot oder Urin ab und verlieren 40% ihres Gewichtes, das sie sich im Sommer extra angefressen haben. Auch die ledernen Fußsohlen erneuern sich über den Winter, so dass der Braunbär im Sommer immer mit „neuen Schuhen“ seine Höhle verlässt. Die Weibchen bekommen während der Winterruhe ihre Jungen, die bei der Geburt nur etwa die Größe einer Ratte haben und circa 300 Gramm wiegen. Die Jungtiere verlassen nach drei Monaten zusammen mit der Mutter das erste Mal die Höhle und begleiten sie dann etwa drei Jahre.

Der Braunbär und der Mensch

Der Bär übte schon immer große Faszination auf die Menschen aus. In der frühen Menschheitsgeschichte, wurde er als Fruchtbarkeitsgott verehrt, was auf die Jungen zurück zuführen ist, die im Herbst noch nicht da waren und im Frühjahr mit der Mutter aus der Höhle kamen. Der Bär war sogar so sehr im Glauben der Urbevölkerung verankert, dass die katholische Kirche im Mittelalter große Anstrengungen unternahm ihn lächerlich zu machen und als böse zu besetzten. Ein Großteil der heutigen Angst vor dem Bären stammt aus dieser Zeit. Im heutigen Bewusstsein der Bevölkerung ist es noch nicht wieder angekommen, dass selbst erfahrene Jäger die Braunbären in Ihrem Revier nur selten sehen, da die scheuen Tiere strikt die Nähe des Menschen meiden. In der Antike sah man den Bären ebenfalls eher positiv. So entsteht in einer griechischen Sage das Sternbild des Kleinen und Großen Bären aus einer Geliebten und einem Sohn des Zeus, der die beiden zum Schutz in den Himmel stellte. Bis heute leitet sich der Name „Arktis“ davon ab, denn er bedeutet „Land unter dem Bären“, womit das Sternbild gemeint ist. Heute herrscht ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu Meister Petz vor. Sehr offensichtlich ist das in den Auffassungen der Nachbarländer Österreich und Deutschland. Während sich die Alpenrepublik als „Bärenland“ sieht und die Ansiedlung von wilden Braunbären, die aus Italien und Slowenien einwandern, fördert und als Erfolg feiert, so sieht man in Deutschland den Braunbären als Bedrohung, der im Zweifelsfall als Gefährdung der Gesellschaft lieber geschossen wird um Unfrieden zu verhindern. Das Artenschutzgesetz wird hier sogar unter fadenscheinigen Vorwänden umgangen. Unvergessen ist die Rede von Edmund Stoiber zum „Problembär“…

Den Braunbären gibt es in vielen Unterarten

Zwischen den Unterarten ist der Größen- und Gewichtsunterschied am deutlichsten zu erkennen, während z.B. der Kodikbär bis zu 780 Kilo schwer werden kann, kommen südeuropäische Braunbären meist auf nur etwa 70 Kilo.

Europäischer Braunbär (Ursus arctos arctos)
Der Europäische Braunbär lebt von Spanien über ganz Mitteleuropa und Skandinavien bis in den Europäischen Teil Russlands. Nach Russland leben die meisten Tiere in Rumänien gefolgt von der Balkanregion.

Alaska-Braunbär (Ursus arctos alascensis)
Der Alaska-Braunbär ist eine der bekanntesten Bärenarten, da er oft Hauptdarsteller von Tierdokumentationen ist. Die berühmte Lachsjagd in Alaska, wo die Fische den Bären direkt ins Maul springen, ist Teil des Lebens der Alaska-Braunbären.

Kamtschatkabär (Ursus arctos beringianus)
Der Kamtschatkabär lebt auf der russischen Halbinsel Kamtschatka und ist die größte Unterart des Braunbären. Nach dem Eisbären ist er das größte Landraubtier überhaupt. Er kann aufrecht bis zu drei Meter Höhe erreichen.

Kalifornischer Braunbär (Ursus arctos californicus)
Der Kalifornische Braunbär lebte früher in Kalifornien und auf der Halbinsel „Niederkalifornien“, heute ist er ausgestorben. Wegen seiner hellen Färbung wurde er auch „Golden Bear“ genannt. Heute ist er noch auf der Flagge des Bundesstaates Kalifornien zu sehen.

Ostsibirischer Braunbär (Ursus arctos collaris)
Der Ostsibirische Braunbär kommt vom Osten Sibiriens bis in die nördliche Mongolei vor. Er ist etwas kleiner als der sibirische Braunbär, was wahrscheinlich daran liegt, dass er in Gebirgsregionen vorkommt.

Atlasbär (Ursus arctos crowtheri)
Der Atlasbär umfasst alle ehemals im nordafrikanischen Atlasgebirge lebenden Braunbären. Man nimmt an, dass er bereits im Laufe des 19.Jahrhunderts ausgestorben ist.

Dall-Island-Braunbär (Ursus arctos dalli)
Der Dall-Island-Braunbär kommt auf den südöstlichen Inseln Alaskas vor.

Peninsular-Braunbär (Ursus arctos gyas)
Der Peninsular-Braunbär kommt auf der Alaska-Halbinsel vor und wird von vielen Wissenschaftlern mit dem Kodiakbären gleichgesetzt.

Grizzlybär (Ursus arctos horribilis)
Der Grizzlybär ist mit der bekannteste Vertreter der Braunbären. Er kommt im nördlichen Nordamerika vor und ist eine der größten Unterarten. Der Begriff „Grizzly“ bedeutet im Englischen „Gräulich“.

Isabellbär (Ursus arctos isabellinus)
Der Isabellbär wird auch Himalayabär genannt und kommt in der Region Kaschmir auf dem Indischen Subkontinent vor. Sein Fell hat eine rötliche Färbung und er ist sehr selten, der einzig gesicherte Bestand sind 35 Tiere im Deosai Nationalpark.

Ussuri-Braunbär (Ursus arctos lasiotus)
Der Ussiri-Braunbär, selten auch Schwarzer Grizzlybär genannt, kommt in der Amur-Ussuri-Region an der russisch-chinesisch-nordkoreanischen Grenze vor. In Nordkorea haben die letzten wild lebenden Ussuri-Braunbären den Status eingenommen, den der Große Panda in China hat.

Kodiakbär (Ursus arctos middendorffi)
Der Kodiakbär ist das drittgrößte Landraubtier der Welt und wird nur noch vom Eisbär und vom Kamtschatkabären überragt. Er lebt auf der Kodiak-Insel in Alaska und ist dort eine wichtige Touristenattraktion geworden.

Tibetischer Braunbär (Ursus arctos pruinosus)
Der Tibetische Braunbär lebt in den chinesischen Provinzen Tibet und Sichuan. Sein markantestes Merkmal ist sein blau-graues Fell und man vermutet, dass Sichtungen des Tibetischen Braunbären die Ursache für die Yeti-Legenden sind.

Baranof-Island-Braunbär (Ursus arctos sitkensis)
Der Baranof-Island-Braunbär kommt in der südlichsten Region Alaskas vor und ist der nächste Verwandte des Eisbären.

British-Columbia-Braunbär (Ursus arctos stikeenensis)
Der British-Columbia-Braunbär kommt in der kanadischen Region British Columbia vor und ist dort weit verbreitet, im Allgemeinen wird er „Grizzly“ genannt, obwohl er einer anderen Unterart angehört.

Syrischer Braunbär (Ursus arctos syriacus)
Der Syrische Braunbär ist eine kleine Unterart des Braunbären. Er hat ein sehr helles, sandfarbenes Fell und ist in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht.

Mexikanischer Braunbär (Ursus arctos nelsoni)
Der Mexikanische Braunbär lebte früher im südlichen Nordamerika und ist heute wahrscheinlich ausgestorben. Die letzte Sichtung stammt aus dem Jahr 1964.