Tierlexikon: Capybara oder Wasserschwein

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2011 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Hydrochoerus hydrochaeris
Verbreitung kontinental:
Amerika
Verbreitung regional:
Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Französisch Guiana, Guyana, Paraguay, Peru, Suriname, Uruguay, Venezuela
Lebensraum:
Grasland in Wassernähe
Gattung:
Wasserschweine
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Wasserschweine, auch Capybaras genannt, leben in Familiengruppen von bis zu 30 Tieren. Diese Gruppen werden von einem dominanten Männchen angeführt. Capybaras sind ursprünglich tagaktiv, ändern ihren Rhythmus allerdings wenn sie gestört oder regelmäßig gejagt werden.
Das Wasserschwein ist das größte Nagetier der Welt, männliche Tiere können ein Gewicht von bis zu 70 Kilo erreichen. Es ist sehr gut an ein Leben im und am Wasser angepasst. Wasserschweine sind sehr gute Schwimmer und Taucher. Sie können problemlos ohne zu atmen, minutenlang unter Wasser bleiben. Ihre Zehen, sie haben vier an den Vorder- und drei an den Hinterbeinen, sind durch Schwimmhäute verbunden. Wenn das Wasserschwein schwimmt, ragen nur seine Augen, Ohren und Nasenlöcher aus dem Wasser, ähnlich wie bei den Flusspferden. Ihre nächsten Verwandten sind allerdings die Meerschweinchen. Wasserschweine haben eine Duftdrüse auf der Oberseite ihrer Schnauze, mit der sie ihr Revier markieren. Beim dominanten Männchen einer Gruppe, ist diese besonders gut zu erkennen. Untereinander verständigen sich die Wasserschweine mit Schnurr-, Grunz- und Schnalzlauten, gelegentlich geben sie auch so etwas ähnliches wie ein Pfeifen von sich.
Das Capybara ernährt sich hauptsächlich von Gräsern ergänzt seinen Speiseplan aber auch gelegentlich durch Wasserpflanzen. Während der Trockenzeit plündern sie auch Feldfrüchte wie Zuckerrohr, Wassermelonen oder Mais auf Plantagen. Da Capybaras keine Wiederkäuer sind, können sie ihre Nahrung nur einmal verdauen. Wenn die Tiere allerdings feststellen, dass ihr Kot noch weich und klebrig ist fressen sie ihn, ein Verhalten das auch Hasen zeigen, und verdauen ihn erneut. Dass Capybaras Fische fressen ist eine Legende und wird noch gelegentlich als Rechtfertigung für die Jagd auf sie heran gezogen.
Das Wasserschwein wird inzwischen im deutschsprachigen Raum eher Capybara genannt, da man verhindern möchte, dass die Menschen glauben es wäre als „Schwein“ mit den Schweinen verwandt. Capybara stammt aus der Indiosprache der Guaraní und bedeutet „Herr der Gräser“.

Das Capybara und der Mensch

Das Capybara wird heute stark bejagt, das kommt einerseits weil es als Konkurrent für das Weidevieh gesehen wird und auch gelegentlich auf Feldern einfällt, anderseits weil ihr Fleisch in Südamerika gegessen wird. Über das Fleisch kursieren allerdings auch Gerüchte, dass es Hautkrankheiten hervorrufen soll. Die Legende, dass die Katholische Kirche das Capybara dem Fisch gleichgesetzt hat, auf dass man es in der Fastenzeit essen darf, ist wahrscheinlich eine Erfindung um die strengen christlichen Regeln zu umgehen. Jedoch könnte aber auch etwas Wahres dran sein, da es ähnliche Legenden in Europa über den Biber gibt.
Für die Inka war das Capybara wegen seines besonderen Aussehens etwas Besonderes und Göttliches. Damals lebten die Wildpopulationen nahe bei den Menschen.
Nach dem Glauben eines Indio-Volks im Amazonasgebiet wird zu jeden Menschen ein Doppelgänger in Form eines Capybaras oder Tapirs geboren und wenn dieses seelenverwandte Tier stirbt, stirbt auch der Mensch.