Tierlexikon: Chinesischer Muntjak

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2012 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Allgemein

wissenschaftlicher Name:
Muntiacus reevesi
Verbreitung kontinental:
Asien, Europa
Verbreitung regional:
China, Taiwan, England
Lebensraum:
Laub- und Regenwälder
Gattung:
Muntjaks
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Der Chinesische Muntjak lebt geschlechtsunabhängig als Einzelgänger. Als Revier sucht er sich Wälder mit dichtem Unterholz. Männchen verteidigen das von ihnen beanspruchte Revier gegenüber Konkurrenten sehr aggressiv, dabei nutzen sie ihre etwa 15 Zentimeter langen Geweihe und ihre knapp drei Zentimeter langen Eckzähne.
Die Tiere sind als typisches Fluchttier meist dämmerungsaktiv um Raubtieren wie Tigern, Leoparden und Krokodilen aus dem Weg zu gehen. Jungtiere werden von der Mutter an einem gut versteckten Platz abgelegt und jeden Tag zum Säugen aufgesucht.
Der Chinesische Muntjak ist die kleinste Art der Gattung Muntjak und gehört zu den kleinsten Hirscharten überhaupt. Er wird auch als „Bellhirsch“ bezeichnet, da seine Laute Hundegebell sehr ähnlich sind.
In England wurde der Chinesische Muntjak zur Jagd ausgesetzt, doch anscheinend wurden die Tiere nicht in dem Ausmaß erlegt wie man es sich gedacht hatte. Mittlerweile konnte sich eine stabile Population auf der britischen Insel etablieren.

Was ist ein „Urtümlicher“ Hirsch?

Der Chinesische Muntjak zeigt immer noch viele Eigenschaften von seinen prähistorischen Vorfahren, welche andere Hirscharten bereits abgelegt haben. So haben sie nur ein sehr kurzes Geweih, das aber trotzdem jedes Jahr abgeworfen wird und wieder nachwächst. Zudem ist ihre Zunge so lang, dass sie bei der Körperpflege damit bis zu den Augen kommen und auch, ähnlich der Giraffe, Blätter damit von den Bäumen zupfen können. Auch die sogenannte Voraugendrüsen im vorderen Augenwinkel ist sehr viel mehr ausgeprägt, als sie es noch bei anderen Hirschen ist. Das dort ausgeschiedene Duftsekret dient nicht nur bei der Erkennung der Jungtiere sondern auch zur Reviermarkierung. Auch der Speiseplan weicht von dem der anderen Hirscharten deutlich ab, so frisst der Chinesische Muntjak zwar bevorzugt Pflanzen, erbeutet aber auch kleine Säugetiere und Eier. Die Eier werden mit den Hufen zertrampelt und dann aufgeleckt, Beutetiere mit den langen Eckzähnen erlegt und dann geschluckt.