Tierlexikon: Eisbär

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2013 – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein:
Wissenschaftlicher Name:
Ursus maritimus
Verbreitung kontinental:
Amerika, Europa und Asien (Arktis)
Verbreitung regional:
Kanada, USA, Russland und Grönland
Lebensraum:
Packeis und Küsten
Gattung:
Ursus
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: gefährdet

Eisbären sind strikte Einzelgänger, die lange Wanderung unternehmen, die um den ganzen Nordpol herumführen können. Dabei legen sie manchmal lange Strecken im Wasser zurück, denn sie sind gute und ausdauernde Schwimmer, die sich im Wasser mit bis zu 5 km/h bewegen können. Amerikanische Wissenschaftler beobachteten einen Eisbären, der innerhalb von 232 Stunden (knapp 10 Tage) ohne Pause, bei Wassertemperaturen von maximal 6°C, beinahe 700 Kilometer geschwommen ist.
Die Eigenschaft bei der Nahrungssuche vollständig unterzutauchen, brachte im den heute nur noch wenig genutzten Namen „Meerbär“ ein.
Eisbären sind nicht nur die größten und schwersten Bären, sind auch das größte Landraubtier überhaupt. Ein erwachsenes, gut genährtes Männchen kann bis zu einer Tonne wiegen. Die Weibchen wiegen allerdings nur bis zu 350 Kilo.

Das Fell der Eisbären

Hartnäckig hält sich die Legende vom Eisbären mit dem weißen Fell. Die einzelnen Haare sind aber nicht weiß, sondern durchsichtig. Allerdings wirkt es weiß, wegen des Lichts, das von den Haaren gebrochen wird und auf der schwarzen Haut der Bären reflektiert. Sie haben ein sehr dichtes, langhaariges Fell, das zusammen mit der Unterhautfettschicht perfekt vor Nässe und sehr tiefen Temperaturen schützt. Wissenschaftler haben die erstaunliche Beobachtung gemacht, dass man Eisbären nicht mit einer Infrarot-Kamera vom Flugzeug orten kann, da ihr sehr gut isoliertes Fell kaum Wärme abgibt.

Fortpflanzung

Im Frühjahr paaren sich Eisbären mehrfach wobei sie sogar für kurze Zeit zusammen bleiben. Erst das Zusammentreffen mit einem Männchen löst in dieser Zeit einen Eisprung beim Weibchen aus. Ist das Weibchen dann befruchtet, beginnt sie sich die Bärin einen Fettvorrat anzufressen, der sie für acht Monate versorgen muss, da sie nach der Geburt solange mit den Jungen in der Geburtshöhle bleibt. Manchmal schaffen es die Weibchen ihr Gewicht zu vervierfachen bis dann im Herbst die eigentliche Schwangerschaft beginnt. Sollte die Bärin nicht genug Gewicht zulegen, verschiebt sich die Schwangerschaft, was allerdings mit der Dauer der Trächtigkeit wieder ausgeglichen wird. Sie kann von sechseinhalb bis zu neun Monate dauern. Zur Geburt zieht sich die Eisbärin dann in eine selbstgebaute Höhle zurück. Meist werden diese Geburtshöhlen in Schneewehen gebaut sind 2-3 m³ groß und haben einen drei Meter langen Eingangstunnel. Oft werden dann Zwillinge geboren, die nur 20-30 cm lang sind und nur bis zu 800 Gramm wiegen. Nach der Geburt sind Eisbären blind, taub und haben nur kurze Haare. Wenn die Jungtiere mit ihrer Mutter die Höhle verlassen beginnt eine schwere Zeit für sie. Nahrungsknappheit, der Kannibalismus ihrer Artgenossen und andere Widrigkeiten ihres kargen Lebensraums sorgen dafür dass nur die Hälfte des Nachwuchs das erste Jahr überlebt, nur jedes siebte in freier Wildbahn geborene Junge wird zwei Jahre alt und nur etwas mehr als jedes zehnte sorgt schließlich selbst für Nachwuchs.

Was hat der Eisbär mit dem Braunbär zu tun

Rein optisch ist der Körper des Eisbären im Vergleich zum Braunbären eher lang gestreckt. Zudem ist der Hals der Eisbären länger, der Kopf schmäler und die Ohren kleiner und runder. Dass der Eisbär vor etwa 150.000 Jahren aus einer Nebenlinie des Braunbären, die sich an die polaren Gegebenheiten angepasst hat, stammt ist unbestritten. Früher vermutete man jedoch, dass sich Eisbär und Grizzlybär niemals begegnen, da ein breiter Landschaftsstreifen zwischen den Lebensräumen der beiden Bärenarten lag. Und zudem glaubte man, dass die beiden Arten als Nahrungskonkurrenten eher zu Revierkämpfen neigen würden, doch im Laufe des Klimawandels musste man sich eingestehen, dass das nicht stimmt. Ein Jäger in der kanadischen Arktis erlegte einen weißen Eisbären mit braunen Flecken. Nach einer DNA-Untersuchung war klar, dass es sich einen Eisbär-Grizzly-Mischling handelt. Nun gehen Vermutung in die Richtung, dass aus diesen Hybriden eine neue Art hervor gehen könnte, die sich besser den neuen klimatischen Bedingungen in beiden Lebensräumen anpasst.

Der Eisbär und der Mensch

Der Eisbär ist eines der wenigen Raubtiere, die den Menschen als gewöhnliche Beute ansehen. Wenn ein unbewaffneter Mensch auf einen Eisbär trifft endet das im Regelfall für den Mensch tödlich. Eisbären sind beliebte Zootiere, obwohl die Haltung der arktischen Tiere meist umstritten ist. 1919 wurde zum ersten Mal ein Eisbär in Gefangenschaft geboren.