Tierlexikon: Eurasischer Luchs

Eurasischer Luchs im Wildpark Schloss Ortenburg - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Eurasischer Luchs im Wildpark Schloss Ortenburg – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Lynx lynx
Verbreitung kontinental:
Asien, Europa
Verbreitung regional:
Afghanistan, Albanien, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Weißrussland, Bhutan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Tschechien, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Indien, Iran, Irak, Italien, Kasachstan, Nordkorea, Kirgistan, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Nepal, Norwegen, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan
Lebensraum:
Wälder, sowie Busch- und Heidelandschaften
Gattung:
Luchse
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Der Eurasische Luchs lebt als strikter Einzelgänger. Er beansprucht ein sehr großes Revier, wobei sich das eines Männchens, welches auch als „Kuder“ bezeichnet wird, gelegentlich mit dem eines Weibchens überschneiden kann. Beim Durchstreifen seines Reviers, was täglich eine Strecke von bis zu zehn Kilometer bedeuten kann, nutzt er meist bereits vorhandene Wege, wie etwa Wanderwege oder Straßen. Der Eurasische Luchs ist dämmerungs- und nachtaktiv.
Der Eurasische Luchs gehört mit gut 70 Zentimeter Größe, einer Körperlange von etwa einem Meter und bis zu 22 Kilo zu den mittelgroßen Raubkatzen. Allerdings ist er die größte Katze Mitteleuropas. Sein sehr dichtes, beige bis braunes Fell hat schwarze Flecken und eine weiße Färbung an der Kehle. Charakteristisch für den Eurasischen Luchs sind der Backenbart, der Stummelschwanz sowie die langen weisen Pinsel an den Ohrspitzen. Er gilt als guter Kletterer, kann aus dem Stand bis zu zwei Meter hoch springen und ist ein sehr guter Schwimmer, auch wenn er meist nicht freiwillig ins Wasser geht. Er hat ein ausgezeichnetes Gehör und seine Augen können mit etwa sechsmal weniger Licht, als die des Menschen auskommen, weshalb er auch in der Dämmerung und helleren Nächten sehr gut sehen kann. Es wurde dokumentiert, dass ein Eurasischer Luchs eine Maus auf über 50 Metern Entfernung wahrnehmen kann, er bemerkte sogar ein Reh, das einen halben Kilometer weit weg war. Der Eurasische Luchs Zudem ist er für den Winter gut ausgestattet. Seine breiten, pelzigen Pfoten helfen ihm dabei im Tiefschnee weniger einzusinken und seine langen Beine ermöglichen es ihm in tieferem Schnee zu jagen.
Der Eurasische Luchs ist ein reiner Fleischfresser. Da er bis zu vier Kilo Nahrung am Tag braucht, ist sein bevorzugtes Beutetier das Europäische Reh. Er frisst aber auch kleinere Nagetiere, junge Wildschweine und Vögel. Zudem sind kleinere Raubtiere, wie der Fuchs oder der Marder nicht vor ihm sicher. Es wurde beobachtet, dass der Eurasische Luchs Beute, welche nicht komplett fressen kann, versteckt um sie an einem anderen Tag aufzufressen.
Das Weibchen bringt nach etwa zweieinhalb Monaten Schwangerschaft bis zu sechs Jungtiere zur Welt. Die Geburt findet meist in einer Erdhöhle statt, die von anderen Tieren übernommen wird. Die Jungen kommen blind und taub zur Welt, sie öffnen erst ab der zweiten Lebenswoche die Augen. Ab dem zweiten Lebensmonat beginnen die Jungtiere neben der Muttermilch auch Fleisch zu sich zu nehmen, bevor sie im Alter von fünf Monaten entwöhnt werden.

Der Eurasische Luchs und der Mensch

Bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts hatten die Europäer ein eher gestörtes Verhältnis zum Eurasischen Luchs. Er wurde verfolgt und sogar gezielt ausgerottet. Gründe hierfür waren, zum einen der Pelzhandel, aber auch der wachsende Hass der Bauern auf die Raubkatze, obwohl diese nur sehr selten Schafe oder Rinder riss. In Deutschland wurde der letzte Luchs im Jahre 1850 getötet, 1894 geschah das in der Schweiz, den letzten Eurasischen Luchs Frankreichs sah man 1903 und der letzte österreichische Luchs wurde 1918 erlegt.
Heute gibt es wieder großangelegte Auswilderungsprojekte, die den Luchs bereits im Bayrischen Wald, den Pyrenäen oder im Harz heimisch gemacht haben. Auch wandern immer wieder Tiere aus Osteuropa bei ihrer Suche nach einem eigenem Revier in Mitteleuropa ein. Jedoch gibt es immer noch Menschen, die den Eurasischen Luchs nicht in ihrer Umgebung haben wollen. Besonders in Bayern wurden immer wieder vergiftete Tiere gefunden.
In früherer Vergangenheit war der Eurasische Luchs für die Menschen nicht so allgegenwärtig wie etwa Wolf oder Braunbär, in alten Märchen und Sagen kommt er kaum vor. Wenn dann galt er allerdings als schlau und listig, wovon der Begriff „jemandem etwas abluchsen“ herrührt, und als Tier mit einem sehr guten Gehör, was zu „Ohren wie ein Luchs“ führte. Der Name Luchs kommt vom altdeutschen Wort „luhs„, was soviel wie „funkeln“ bedeutet und sich wahrscheinlich auf die reflektierenden Augen des Luchses bezog.

Unterarten des Eurasischen Luchses

Der Eurasische Luchs wird in fünf Unterarten unterteilt, die hauptsächlich nach ihrem Verbreitungsgebiet unterschieden werden.

Altailuchs – Lynx lynx isabellinus
Zentralasien

Baikalluchs – Lynx lynx kozlovi
Zentralsibirien bis zum Baikalsee

Lynx lynx stroganovi
Sibirien bis in die Mandschurei

Lynx lynx sardiniae
Sardinien – gilt als ausgerottet

Lynx lynx lynx
Stammform, restliches Verbreitungsgebiet