Tierlexikon: Gämse

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2013 – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Rupicapra rupicapra
Verbreitung kontinental:
Europa, Amerika
Verbreitung regional:
Albanien, Österreich, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina; Bulgarien, Kroatien, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Italien, Mazedonien, Montenegro; Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Schweiz, Türkei, Argentinien, Tschechei, Neuseeland
Lebensraum:
Mittel- und Hochgebirgsregionen
Gattung:
Gämsen
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Gämsen leben in Herden von bis zu 30 Tieren, die immer aus Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Die Böcke leben als Einzelgänger. Bei Gefahr warnen sich die Tiere gegenseitig durch laute Pfiffe aus der Nase. Im Sommer lebt die Gämse in den höheren Bergregionen, während sie im Winter tiefer herab steigt.
Die Gämse ist sehr gut an ihren Lebensraum angepasst. Sie kann mit ihren schmalen spitzen Hufen Höhenunterschiede von bis zu 1.000 Metern in wenigen Minuten erklettern und durch ein starkes Spreizen der Hufen (ähnlich dem „Pflug“ beim Skifahren) kann sie auch ebenso schnell wieder herunter steigen. Sie flüchten immer bergauf. Zudem haben sie sehr weiche Sohlen, mit denen sie auf den kleinsten Felsvorsprüngen Halt finden können. Ihre Nebenhufe sind sehr lang, was dazu führt, dass sie nicht im Tiefschnee versinken. Auch ihre Atmung ist an die dünne Luft in ihrem Lebensraum angepasst, sie hat eine der größten Lungen aller Ziegen. Beide Geschlechter tragen bis zu 30 Zentimeter lange Hörner, die als Krickel bezeichnet werden. Bei den Böcken liegen hinter den Hörnern die Drüsen, mit deren Sekret sie ihr Revier markieren.
Während der Paarungszeit liefern sich die Böcke halsbrecherische Hetzjagden und stoßen dabei immer wieder mit den Hörnern zusammen. Diese Rangkämpfe enden nicht selten mit einem tödlichen Absturz. Die Jungtiere können sofort nach der Geburt laufen und folgen ihrer Mutter auf Schritt und Tritt. Als Kitze sind die Tiere der größten Gefahr ausgesetzt, dann nämlich zählen sie zur bevorzugten Beute der Steinadler.
Der „Gamsbart“ auf traditionellen Hüten stammt nicht etwa vom Kinn der Tiere, sondern wird aus den Rückenhaaren hergestellt. Eigentlich gelten die Gämsen als sehr neugierig, gehen aber dem Menschen immer sehr weit aus dem Weg. In Südamerika und Neuseeland wurden sie als Jagdwild eingeführt.