Tierlexikon: Giraffe

Foto: M.Schimd/zoogast.de – Kenia 2010

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Giraffa camelopardalis
Verbreitung kontinental:
Afrika
Verbreitung regional:
Botswana, Kamerun,Zentralafrika, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Kenia, Mosambik, Namibia, Niger, Somalia, Südafrika, Südsudan, Tansania, Uganda, Sambia, Simbabwe, Ruanda, Swasiland
Lebensraum:
Baum- und Buschsteppen
Gattung:
Giraffen
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Giraffenweibchen leben allein oder in losen Verbänden von bis zu 32 Tieren, die immer wieder von einzelnen Tieren verlassen und von anderen wieder aufgefüllt werden. Giraffenbullen leben wenn sie geschlechtsreif sind allein und davor, ähnlich den Weibchen, in losen Junggesellenverbänden.
Giraffen haben sich sehr gut auf eine Nahrungsquelle spezialisiert, sie haben alle Voraussetzungen um die Blätter der hohen Akazien von ihren dornbesetzten Ästen abzuweiden. Der lange Hals und die langen Beine erlauben es den Giraffen in Höhen zu kommen, die sonst niemand erreicht. Sie können bis zu 5,80 Meter hoch werden und ihre blaue Zunge erreicht eine Länge von knapp einem halben Meter (die menschliche Zunge wird gerade einmal bis zu neun Zentimeter lang). Giraffen haben aber trotzdem denselben Halsaufbau wie andere Säugetiere, ihre sieben Halswirbel sind nur größer und ihr Hals ist deshalb länger.
Sie bewegen sich im Passgang fort, das bedeutet, dass immer beide Beine einer Körperseite beim Laufen nicht den Boden berühren. Auf dieselbe Weise laufen auch der Elefant oder der Mähnenwolf. Wenn Giraffen jedoch laufen, wechseln sie vom Passgang in den Kreuzschritt und können so bis zu 50 km/h schnell werden.
Auf dem Kopf tragen die Giraffen bis zu fünf fellüberzogene Knochenzapfen, die Hörnern ähnlich sehen. Diese haben zwar beide Geschlechter, genutzt werden sie aber nur bei Kämpfen von den Männchen während der Brunft. Dabei stellen sich die Bullen nebeneinander und schlagen sich die Hörner gegenseitig an den Hals, was sogar teilweise bis zur Ohnmacht eines der Kämpfer führen kann.
Wenn sich die Giraffen bücken um zu trinken oder Gras zu fressen, spreizen sie die Beine sehr stark, da sie sonst nicht zum Boden hinunter kommen würden. Beim Kopfheben verhindert dann eine spezielle Klappe im Blutkreislauf der Tiere eine Ohnmacht. Denn ohne diese Klappe würde das Blut zu schnell aus ihrem Kopf schießen.
Giraffen benötigen nur sehr wenig Schlaf. Während der 20 Minuten langen Tiefschlafphase legen sich die Tiere auf den Boden, drehen dabei den Hals nach hinten und legen den Kopf auf der Hüfte ab. Giraffen, die nicht alleine leben schlafen nie gemeinsam, mindestens ein Tier hält immer Wache.
Die Geburt findet bei den Giraffen im Stehen statt, wobei das Jungtier aus etwa zwei Metern auf den Boden fällt. Die Jungen wiegen bei der Geburt bereits 70 kg und sind 1,90 Meter groß.
Giraffen werden nicht oft von Raubtieren angegriffen, da sie sehr wehrhaft sind. Tritte einer erwachsenen Giraffe können selbst für Löwen tödlich sein, ein Mensch würde einen solchen Tritt, egal wo er getroffen wird, mit Sicherheit nicht überleben.
Giraffen haben alle eine unterschiedliche Fellmusterung, an der man sie individuell unterscheiden kann, ähnlich wie beim Zebra oder dem Tiger. Das Fell der Giraffen riecht für den Menschen unangenehm. Dieser Geruch sorgt dafür, dass sich Parasiten wie z.B. Zecken von dem Tier fern halten.

Die Giraffe in der Geschichte

Der Name Giraffe stammt von dem arabischen Wort Zarāfa (‏زرافة‎) und bedeutet „die Liebliche“. Die erste Giraffe die europäischen Boden betrat ließ Julius Cäsar 46 v.Chr. nach Rom bringen. Da sich die Römer an eine Mischung aus Kamel und Leopard erinnert sahen, nannten sie die Giraffe camelopardalis, was sich in ihrer wissenschaftlichen Bezeichnung verewigte. Manchmal zeigte man die Tiere auch bei Spielen im Kolosseum. Es wäre möglich, dass die starke Bejagung durch Römer und Griechen für das Aussterben der nordafrikanischen Giraffe führte. 1486 bekam die florentinische Händlerfamilie Medici eine Giraffe geschenkt, die jedoch bereits kurz nach der Ankunft verstarb. Jedoch war die Giraffe insgesamt in Europa nicht sehr bekannt, was wahrscheinlich auch zu den deutschen Namen Kamelopard und Kamelparder geführt hat. Im Jahre 1827 löste dann die Ankunft der ersten Giraffe der Neuzeit eine regelrechte Hysterie aus.

Die unterschiedlichen Giraffenarten

Die IUCN führt die Giraffe ohne Unterarten, in Zoos werden die Tiere jedoch nach Unterarten aufgrund ihrer Herkunft geführt und gezüchtet. Die Unterscheidung ist auch an der Fellfärbung und Musterung zu erkennen.

Nubische Giraffe
Südsudan, westliches Äthiopien

Netzgiraffe
nördliches Kenia, südliches Somalia, Süd-Äthiopien

Uganda-Giraffe oder Rothschild-Giraffe
ursprünglich Nord-Uganda, Südost-Sudan und West-Kenia, heute fast nur noch im Lake-Nakuru-Nationalpark in Kenia und einigen Gebieten Ugandas

Thornicroft-Giraffe
Luangwa-Tal in Sambia

Massai-Giraffe
südliches Kenia, Tansania

Kapgiraffe
Süd-Simbabwe, Südwest-Mosambik, nordöstliches Südafrika, früher bis ins Kapland

Kordofan-Giraffe
Südsudan, Norden der Zentralafrikanische Republik, Nordkamerun, nördlicher Tschad, vermutlich im Westen bis zum Tschadsee

Westafrikanische Giraffe oder Nigerianische Giraffe
früher ganz Westafrika, heute nur noch in einzelnen isolierten Vorkommen; demnach würde nur noch eine lebensfähige Population von weniger als 200 Westafrikanischen Giraffen im Staat Niger existieren.

Angola-Giraffe
ursprünglich in Nord-Namibia, Nord-Botswana, West-Simbabwe, Süd-Sambia, Süd-Angola