Tierlexikon: Gorilla

Gorilla im Tierpark Hellabrunn -  Foto: M.Schmid/zoogast.de

Gorilla im Tierpark Hellabrunn – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Gorilla gorilla
Verbreitung kontinental:
Afrika
Verbreitung regional:
Angola, Kamerun, Zentralafrika, Kongo, Äquatorialguinea, Gabun, Nigeria, Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Uganda
Lebensraum:
Regenwälder
Gattung:
Gorillas
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: stark gefährdet

Der Gorilla lebt in Horden von bis zu 40 Tieren, die aus bis zu drei erwachsenen Männchen, wovon einer immer der Anführer ist und sich als einziger fortpflanzt, mehreren Weibchen und deren noch nicht geschlechtsreifen Nachkommen bestehen. Die einzelnen Gruppen beanspruchen zwar kein eigenes Revier, gehen sich jedoch gegenseitig aus dem Weg. Die Tiere im westlichen Afrika verbringen zwar den Großteil ihres Lebens auf dem Boden, klettern jedoch zur Nahrungssuche auch auf hohe Bäume, die Gorilas in den Bergen Ostafrikas leben im Gegensatz dazu ausschließlich auf dem Boden.
Der Gorilla ist mit einer Größe von bis zu 1,75 Metern und einem Gewicht von annähernd 200 Kilo die größte lebende Affenart, wobei die östlichen Populationen meist schwerer und optisch mächtiger werden als die Westlichen Tiere. Männchen sind ebenfalls deutlich schwerer als Weibchen. Die Arme des Gorillas sind bei Weitem länger als seine Beine. Das Fell ist bei den westlich lebenden Gorillas meist grau-braun, die östlichen Tiere sind eher schwarz. Bei Männchen färbt sich im Erwachsenenalter der Rücken silbern, weshalb man die Gruppenanführer auch Silberrücken nennt. Jeder Gorilla hat braune Augen. Zudem hat er, ebenso wie der Mensch einen individuellen Fingerabdruck, wird aber meist am „Nasenabdruck“ unterschieden, welcher ebenfalls individuell ist.
Der Gorilla ist ein ausgesprochener Vegetarier. Seine Hauptnahrung besteht aus Blättern, es werden aber auch Früchte gefressen. Nur äußerst selten wurden Gorillas dokumentiert, die Termiten fraßen. Ein erwachsenes Tier benötigt etwa 25 Kilo Futter am Tag, jedoch kaum Wasser. Es reicht die Flüssigkeit, welche über die Nahrung in den Körper gelangt.
Bei den Gorillas paart sich das Männchen mit allen Weibchen der Gruppe. Diese werden erst im Alter von etwa sieben Jahren geschlechtsreif und es dauert sogar meist bis zu m 15.Lebensjahr, ehe sie zum ersten Mal schwanger werden. Die Schwangerschaft dauert mit ungefähr neun Monaten genauso lang wie beim Menschen. Meist kommt nur ein Junges zur Welt, selten Zwillinge. Ab einem Alter von drei Monaten reiten die Jungtiere auf dem Rücken ihrer Mutter und werden dann im Alter von drei Jahren entwöhnt. Mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife verlassen Männchen wie Weibchen ihre Geburtsgruppe und suchen sich eine neue Horde. Die Männchen leben dabei oft eine Zeit als Einzelgänger, ehe sie versuchen den Harem eines anderen Silberrückens zu übernehmen. Ein altes, vertriebenes Männchen bleibt dann oft bis zum Tod ein Einzelgänger.
Der Gorilla hat seinen Namen von der Legende seiner ersten Entdeckung durch die Europäer. Etwa 450 v.Chr. brachte der karthagische Seefahrer Hanno Felle von „wilden Frauen“, welche die Afrikaner als „Gorillai“ bezeichneten, von einer Afrikareise mit. Obwohl niemand sagen kann von welchem Tier die Felle stammten, nutzte der Wissenschaftler Thomas Savage im Jahre 1847 den Namen „Gorilla“ als er im westafrikanischen Gabun die ersten bei der Jagd erlegten großen Menschenaffen beschrieb. Er glaubte damals noch es wäre eine Unterart des Schimpansen. Bereits 1876 wurde der erste Gorilla im Zoo Berlin gezeigt.

Gorillas und das Wasser

Im Gegensatz zu Schimpansen und Orang-Utan hat der Gorilla ein positives Verhältnis zu Wasser. Obwohl er nicht schwimmen kann, badet er gerne und ausgiebig im flachen Gewässern. Auf Nahrungssuche wurden, insbesondere im Kongo, Gorillas beobachtet, die durch Sümpfe und Flüsse wanderten, wobei sie keine Gewässer überquerten, in denen sie nicht aufrecht stehen konnten.

Menschenähnliches Verhalten

Lange glaubten Forscher Gorillas wären im Gegensatz zu anderen Menschenaffen nicht in der Lage Werkzeuge zu gebrauchen. Doch dann beobachtete man Gorillas, die einen Stock dafür nutzten um die Wassertiefe eines Flusses auszuloten und ihn anschließend als Stütze im Wasser hernahmen. Bei der Nahrungsgewinnung wurde allerdings noch kein Werkzeuggebrauch in freier Wildbahn nachgewiesen. Forscher führen das allerdings auf die rein vegetarische Ernährung des Gorillas zurück und seine Fähigkeit, dank der großen Körperkraft, an jede beliebige Nahrung ohne technischen Aufwand zu kommen.

Unterarten des Gorillas

Der Gorilla lebt in zwei voneinander isolierten Gebieten Afrikas.

Die Tiere, welche im westlichen äquatorialen Afrika leben werden hinlänglich als Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla) bezeichnet und gilt als „vom Austerben bedroht“. Diese Art ist die häufigste in zoologischen Einrichtungen. Sie wird in Afrika durch die rasante Zerstörung ihres Lebensraum und auch die Jagd auf sie wegen ihres Fleisches bedroht.

Die Populationen im Osten Afrikas nennt man Berggorillas (Gorilla beringei) und sie gelten als „stark gefährdet“. Allerdings gibt es in Ruanda und Uganda stabile Populationen und große Schutzgebiete.

In zoologischen Einrichtungen und bei IUCN werden beide als eigenständige Arten geführt. Manche Institutionen führen sogar pro Art noch zwei Unterarten.
Wie oben erwähnt, unterscheiden sich Flachland- und Berggorilla in Aussehen und Verhalten. Trotzdem werden sie beispielsweise vom Catalogue of Life nicht als zwei, sondern nur als eine Art Gorilla gorilla geführt.