Tierlexikon: Großer Ameisenbär

Großer Ameisenbär im Tierpark Hellabrunn 2013 – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Myrmecophaga tridactyla
Verbreitung kontinental:
Amerika
Verbreitung regional:
Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Französisch Guiana, Guyana, Honduras, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Suriname, Venezuela
Lebensraum:
Savannen, Sümpfe und Feuchtwälder
Gattung:
Große Ameisenbären
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: gefährdet

Große Ameisenbären, selten auch Yurumis genannt, leben als strikte Einzelgänger. Sogar Männchen und Weibchen reagieren außerhalb der Paarungszeit sehr aggressiv auf einander. Deshalb hat der Große Ameisenbär auch ein sehr großes Terretorium, das bis zu 9.000 Hektar Fläche haben kann. Er ist tagaktiv und verbringt sein ganzes Leben auf dem Boden.
Der Große Ameisenbär ist nicht mit den Bären verwandt. Er gehört zur Gruppe der Zahnlosen und hat tatsächlich keine Zähne. In seiner langen Schnauze befindet sich eine bis zu 60 Zentimeter lange Zunge, die er bis zu 160mal in der Minute ein- und wieder ausfahren kann. An seinen Vorderbeinen hat er bis zu 15 Zentimeter lange Krallen, die er zum Öffnen der Ameisen- und Termitenhügel benutzt. Da diese Krallen für den Großen Ameisenbären überlebenswichtig sind, schont er sie. Beim Laufen richtet er sich nach hinten und tritt quasi mit dem Handrücken auf. Mit den Hinterbeinen läuft er auf den Sohlen. Sein dichtes Fell ist nicht nur wasserabweisend, sondern bietet auch, ähnlich wie eine Rüstung, einen gewissen Schutz beim Angriff von Raubtieren. Der Große Ameisenbär nutzt seinen großen, buschigen Schwanz als Decke, wenn er sich zum Schlafen einrollt.
Der Große Ameisenbär ist ein sogenannter Nahrungsspezialist: Er ernährt sich ausschließlich von Ameisen und Termiten. Sein, von Natur aus, schräg nach unten gerichteter Kopf ist extra für die Suche nach Insekten auf dem Urwaldboden eingerichtet, ohne Kraftaufwand kann das Tier so unablässig nach Nahrung suchen. Mit ihrer langen und klebrigen Zunge fahren die Tiere in geöffneten Ameisenhügel hinein, wobei die Ameisen und Termiten daran haften bleiben. Der Große Ameisenbär muss täglich etwa 35.000 der kleinen Insekten verspeisen. In der Zoohaltung kann eine so große Menge an Ameisen nicht täglich beschafft werden, weshalb sie hier dickflüssige, gleichwertige Ersatznahrung erhalten. Der Ameisenbär ist nicht gierig. Im Gegenteil, er zerstört die Ameisenhügel niemals ganz, sondern nimmt sich immer nur soviel, dass sich das Ameisen- oder Termitenvolk wieder erholen kann.
Das Weibchen bringt in der Regel nach etwa einem halben Jahr Schwangerschaft ein etwa zwei Kilo schweres Jungtier zur Welt. Das Kleine klettert sofort nach der Geburt auf den Rücken der Mutter und verlässt diesen im nächsten halben Jahr nur um an die Milchzitzen zu kommen. Erst wenn es dann halb so groß wie die Mutter ist läuft es alleine.
Als Fressfeinde werden dem Großen Ameisenbären eigentlich nur große Raubkatzen, wie der Jaguar oder Puma gefährlich. Doch das Tier ist sehr wehrhaft. Bei Angriffen stellt es sich, gestützt durch den starken Schwanz, auf die Hinterbeine, umarmt seinen Angreifer und schlägt seine langen Krallen in den Körper des Feindes. Auf diese Art wäre er sogar in der Lage einen Menschen zu töten. Ansonsten sind die Trophäenjagd durch den Menschen, der Straßenverkehr und die Zerstörung seines Lebensraumes eine große Gefahr für den Großen Ameisenbären.