Tierlexikon: Heiliger Ibis

Heiliger Ibis auf Madagaskar 2012 – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Threskiornis aethiopicus
Verbreitung kontinental:
Afrika, Asien, Europa
Verbreitung regional:
Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Zentralafrika, Tschad, Komoren, Kongo, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Dschibuti, Äquatorialguinea, Eritrea, Äthiopien, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Iran, Irak, Kenia, Lesotho, Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Südafrika, Südsudan, Sudan, Swasiland, Tansania, Togo, Uganda, Jemen, Sambia, Simbabwe, Bahrain, Frankreich, Spanien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kuwait, Oman, Saudi Arabien
Lebensraum:
in Gewässernähe
Gattung:
Threskiornis
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Der heilige Ibis lebt in losen Gruppen, die mehrere hundert Vögel umfassen können. Tagsüber sieht man ihn durchaus auch alleine, während die Tiere sich nachts immer in den Verbänden zum Schlafen zusammenfinden. In Asien wurde beobachtet, dass sich der Heilige Ibis mit Störchen oder anderen Ibisarten zusammentut, wenn die eigene Gruppe noch zu klein ist.
Auf längeren Strecken fliegen die Heiligen Ibisse, ähnlich den Zugvögeln, in einer Linie oder in Keilformation.
Der Heilige Ibis ist ein Fleischfresser, der ohne besondere Vorlieben alles Fressbare zu sich nimmt. Zu seiner Hauptbeute gehören Reptilien, Fische, Krebstiere, aber auch Insekten und Schnecken. Wenn Aas zu finden ist, fressen der Vogel auch dieses. Oft siedelt er sich gezielt in der Nähe von Mülldeponien an, da er dort immer Nahrung findet. In Gebieten, die der Heilige Ibis neu besiedelt hat, ist er zu einer Gefahr für den einheimischen Vogelnachwuchs geworden, da er sich dort darauf spezialisiert hat, Küken aus ungeschützten Nestern zu rauben.
Der heilige Ibis brütet ebenfalls in Kolonien. Seine Nester baut er an von Pflanzen verborgenen Stellen und benutzt es mehrere Jahre lang. Dabei bessert er es immer wieder aus. Das Weibchen legt bis zu vier Eier, die etwa einen Monat lang ausgebrütet werden. Die Küken werden mit hervorgewürgter Nahrung versorgt. Nach eineinhalb Monaten verlassen die Jungvögel dann das Nest.

Wieso ist der Heilige Ibis „heilig“

Bei den alten Ägyptern galt der Heilige Ibis als Wiedergeburt des Gottes Thot. Thot galt den Ägypter als Gott des Mondes, der Magie, Wissenschaft und Weisheit. Die ihn bezeichnende Hieroglyphe ist ein Ibis und als Statue wurde er meist mit einem Ibiskopf dargestellt. In der heute noch existierenden ägyptischen Stadt Sakkara wurde ein ganzer Friedhof für den Heiligen Ibis, mit vielen mumifizierten Tieren gefunden. Auch Kunstwerke aus der Zeit zeigen oft Heilige Ibisse.
Ironie der Geschichte:
Obwohl sich der Heilige Ibis immer mehr neue Verbreitungsgebiete erschließt, und sein Bestand stets stabil war, starb er auf ägyptischem Staatsgebiet, wo ihm die größte menschliche Verehrung zuteil wurde, bereits vor langer Zeit aus.

Der Heilige Ibis als Einwanderer

Der Heilige Ibis ist sehr anpassungsfähiger Vogel, was ihm die Möglichkeit eröffnet neue Verbreitungsgebiete zu erschließen. So gibt z.B. bereits seit den 1970er Jahren einige Kolonien auf französischem Staatsgebiet, die sich allerdings durch Gehegeflüchtlinge gebildet haben. Mittlerweile haben sich insbesondere aber die Bestände an der französischen Mittelmeerküste zu einem Problem für die einheimische Vogelwelt entwickelt, da sich die Tiere immer mehr auf Nestraub, z.B. bei der Seeschwalbe, spezialisiert haben. Seit 2008 wird die Bestandsstärke der Heiligen Ibisse dort per Abschuss gezielt kontrolliert. In Deutschland gilt der Heilige Ibis als Invasive Art und soll sofort zum Schutze einheimischer Arten bekämpft werden. Trotzdem wurde bereits einmal ein Pärchen bei der Brut in einem Vogelschutzgebiet vor den Toren Münchens beobachtet.