Tierlexikon: Humboldt-Pinguin

Humboldt-Pinguin im Tierpark Hellabrunn 2012 – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Spheniscus humboldti
Verbreitung kontinental:
Amerika
Verbreitung regional:
Chile, Peru, Kolumbien, Ecuador
Lebensraum:
Meeresküsten
Gattung:
Brillenpinguine
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: gefährdet

Humboldt-Pinguine leben in großen Kolonien, die aus vielen Pärchen, die sich ein Leben lang treu bleiben, vielen Halbwüchsigen und Jungtieren bestehen.
Der Humboldt-Pinguin hat schwarze Flecken auf der Brust, die bei jedem Tier individuell, wie ein Fingerabdruck sind. Er besitzt im Gegensatz zu südlicher lebenden Pinguinarten ein kürzeres Gefieder und weniger Unterhautfett. Da sich bei den Humboldt-Pinguinen Männchen und Weibchen optisch nicht unterscheiden, erkennen sich die Pärchen gegenseitig an den Stimmen.
Humboldt-Pinguine sind reine Fleischfresser. Sie ernähren sich ausschließlich von Fisch, wobei sie Sardellen und Makrelen bevorzugen. Sie können während der Jagd bis zu zwei Minuten unter Wasser bleiben und etwa 20 Meter tief tauchen. Dabei schießen sie wie Torpedos durch das Wasser und können Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h erreichen.
Humboldt-Pinguine brüten und ziehen ihren Nachwuchs in Guanohöhlen groß, die sie selbst graben. Guano sind meterhohe Kotablagerungen von etlichen Generationen von Humboldt-Pinguinen. Die Vögel brüten nur in Kolonien, und auch innerhalb dieser Gruppen richtet sich die Anzahl der Jungtiere nach der Gruppengröße. Dieses Brutverhalten war lange Zeit ein Problem beim Aufbau der Zoopopulation, da man immer größere Gruppen zusammenstellen musste, um Nachwuchs zu garantieren. Das Weibchen legt zwei Eier, die es etwas mehr als einen Monat lang ausbrütet und meist allerdings nur ein Küken überlebt. Nach dem Schlupf bleiben die Küken etwa drei Wochen in der Bruthöhle, ehe sie diese dann verlassen und mit anderen Jungtieren in „Kindergärten“ zusammengefasst werden und dann von einigen wenigen Tieren bewacht werden, währen die anderen auf die Jagd für sich und den Nachwuchs gehen. Etwa zweieinhalb Monate nachdem das Küken die Bruthöhle verlassen hat, wird es dann selbstständig. Geht das Jungtier seinen eigenen Weg kommen die Eltern in die Mauser und müssen während dieser Zeit von ihren Fettreserven leben, da sie in dieser Zeit nicht schwimmen können.
Seit den 1980er Jahren hat sich der Bestand der Humboldt-Pinguine von mehr als 20.000 Vögeln auf weniger als 10.000 frei lebende Tiere mehr als halbiert. Ein Hauptgrund ist der Abbau des Guano zum Verkauf als Dünger. Der massive Raubbau an dem getrockneten Vogelkot entzieht den Vögeln immer mehr Platz für ihre Bruthöhlen.
Namensgeber für die Tiere war der deutsche Forscher Alexander von Humboldt, der auch für den Namen des Humboldt-Stroms vor der Pazifik-Küste Südamerikas ist, in dem die Humboldt-Pinguine jagen.

Die schwulen Pinguine im Zoo am Meer

Im Zoo am Meer in Bremerhaven wollte sich Anfang des neuen Jahrtausends kein Nachwuchs bei den Humboldt-Pinguinen einstellen, was daran lag, dass die Männchen, die deutlich in der Überzahl waren, sich lieber untereinander verpaarten und die Weibchen nicht beachteten. Da aus diesen homosexuellen Paarungen logischerweise keine Eier hervor gehen konnten, verlegten sich die Männchen auch noch darauf Steine auszubrüten. Um doch noch für Nachwuchs zu sorgen, organisierte die Zooleitung daraufhin eine größere Anzahl an Weibchen um das Geschlechterverhältnis wieder auszugleichen und vielleicht so doch noch für Nachwuchs zu sorgen. Diese Maßnahme sorgte allerdings für einen Aufschrei in der Lesben- und Schwulenbewegung, die der Meinung waren, die homosexuellen Pinguine würden gezwungen sich mit den Weibchen zu paaren. Während der Zoo das dementierte und der Streit immer größere mediale Aufmerksamkeit fand, sorgten die Pinguinmännchen selbst für ein Ende der Diskussion und blieben sich treu. Letztlich fanden sich dann doch noch ein paar heterosexuelle Single-Männchen die mit den neuen Weibchen für Nachwuchs sorgten.
Als dann im April 2009 bei den Hetero-Pärchen ein Ei aus dem Nest gefallen war, legte es ein Tierpfleger bei einem der schwulen Pärchen ins Nest, welche dieses auch auszubrüten begannen. Als dann das Küken schlüpfte, zogen die beiden Väter das Junge vorbildlich auf, ohne dass ein Unterschied zu den heterosexuellen Pärchen zu erkennen gewesen wäre.