Tierlexikon: Nandu

Nandu aufgenommen im Vogelpark Irgenöd - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Nandu aufgenommen im Vogelpark Irgenöd – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Rhea americana
Verbreitung kontinental:
Amerika
Verbreitung regional:
Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Uruguay
Lebensraum:
Pampa und Savannen
Gattung:
Nandus
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: gering gefährdet

Der Nandu wird auch südamerikanischer Strauß oder Papasstrauß genannt. Die Nandu-Hennen leben in der Regel in Gruppen von bis zu 50 Tieren, während die Hähne als Einzelgänger umherstreifen. Manchmal begleiten Nandus Herden von Guanakos, Vikunjas oder Pampashirschen, da sich die Fähigkeiten des Vogels und die der Säugetiere bei der Erkennung von Fressfeinden gut ergänzen.
Der Nandu ist mit bis zu eineinhalb Meter Größe und 25 Kilo Gewicht der größte Vogel Südamerikas. Seine Flugfähigkeit hat er bereits vor langer Zeit verloren, trotzdem hat er die immer noch die größten Flügel aller Laufvögel. Der Nandu hat ein ausgezeichnetes Gehör und ist in der Lage bis zu 60 km/h schnell zu laufen, dabei schlägt er so geschickt Haken, dass er sogar Raubkatzen wie den Puma oder den Jaguar abhängen kann. Der Hauptunterschied zu seinem entfernten Verwandten, dem Afrikanischen Strauß, sind die drei Zehen an den Füßen, von denen der Strauß nur zwei besitzt. Zudem ist der Nandu auch ein guter Schwimmer, während der Strauß das Wasser eher meidet. Die Geschlechter kann man am Besten am schwarzen Hals und Kopf der Männchen unterscheiden. Die Lautgebung des Nandus ähnelt eher der einer Raubkatze, denn den Geräuschen von Vögeln.
Der Nandu ist ein Allesfresser, auf dessen Speiseplan Gräser, Kräuter und Früchte, aber auch Insekten stehen. Junge Vögel fressen eher Insekten, während sich Ältere mehr auf pflanzliche Kost verlagern. Der Nandu deckt beinahe seinen gesamten Wasserbedarf über die Nahrung, manche der Vögel trinken Monate lang nichts. Zudem schlucken Nandus Steine um die Nahrung im Magen zusätzlich zu zerkleinern.
Bei den Nandus sind die Hähne für das Brutgeschäft zuständig. Während der Fortpflanzungsphase versucht das Männchen so viele Weibchen wie möglich zu begatten. Die Hennen legen dann ihre Eier im Nest des Hahns ab. Während der Nandu dann in etwas mehr als einem Monat die bis zu 30 Eier ausbrütet, regiert er sehr aggressiv auf Tiere, die sich dem Nest nähern. Selbst Hennen, die noch Eier ablegen wollen werden vertrieben. Diese Weibchen legen dann ihre Eier in der Nähe des Nestes ab, wo sie verderben. Doch auch dies hat seinen Nutzen, es lockt Fliegen an, die dem Männchen als Nahrung dienen. Vor dem Schlupf verständigen sich die Küken im Ei bereits mit dem Vater durch Klopfen, dann hilft der Hahn seinem Nachwuchs beim Öffnen des Eies. Danach versorgt der Hahn seine Jungtiere noch etwa ein halbes Jahr, ehe sie selbstständig werden. In dieser Zeit kümmert sich das Männchen aufopferungsvoll um seinen Nachwuchs, so nimmt er sie etwa unter seine Flügel, wenn ein Raubvogel am Himmel erscheint und vertreibt jeden Eindringling aus der Nähe der Küken. Findet ein Vater ein offensichtlich verlorengegangenes Jungtier eines anderen Hahns, so adoptiert er es.

Woher hat der Nandu seinen Namen?

Es gibt zwei Theorien: Einerseits ruft der Nandu-Hahn während der Balz das Weibchen mit einem Ruf der nach „nan-du“ klingt, was Ursache für den Namen sein könnte. Eine andere Theorie besagt, dass der Name von seiner Bezeichnung in der Sprache der Guarani, „ñandu guasu“,abstammt, was so viel wie „Graue Spinne“ bedeutet und daher rührt, dass eine Balzpose des Nandus einer Spinne ähnelt.

Nandus in Deutschland

Drei Nandupärchen konnten im Jahre 2000 in Schleswig-Holstein aus einer privaten Gehegehaltung fliehen und flüchteten in das naturbelassene Gebiet der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Mecklenburg-Vorpommern. Dort vermehrten sie sich rasant und überstanden auch den Winter problemlos. Bereits 2005 hatte sich die Kopfzahl der Gruppe bereits auf 60 Tiere erhöht. Wahrscheinlich werden die Nandus dort noch lange ihre Kreise ziehen, denn sie dürfen nicht gejagt werden – Nandus stehen unter Artenschutz.