Tierlexikon: Nutria

Nutria im Raritätenzoo Ebbs 2012 – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Myocastor coypus
Verbreitung kontinental:
Amerika, Asien
Verbreitung regional:
Argentinien, Bolivien, Chile; Paraguay, Uruguay, Japan, USA
Lebensraum:
Flüsse, Seen, Teiche und Sümpfe
Gattung:
Myocastor
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Die Nutria wird auch  Biberratte, Sumpfbiber, Schweifbiber, Schweifratte, Coypu oder Wasserratte genannt. Sie lebt in Familienverbänden von bis zu 15 Tieren, die aus einem Pärchen und dessen Nachwuchs bestehen. Manchmal verbinden sich die Familienverbände zu großen, losen Kolonien. Nutrias sind tag- und nachtaktiv, auf Nahrungssuche gehen sie aber hauptsächlich in den Abendstunden. Beanspruchen Nutrias erst einmal ein Revier, verteidigen sie es sehr aggressiv.
Nutrias sind hervorragende Schwimmer und Taucher und sie fliehen bei Gefahr immer ins Wasser. Die Tiere werden genauso groß wie ein Biber haben aber im Gegensatz zum Biber einen runden Schwanz von bis zu knapp einem halben Meter Länge, der dem der Hausratte ähnelt. Außerdem haben Nutrias an den Hinterbeinen zwischen den Zehen Schwimmhäute und besonders markante orangefarbene Zähne.
Nutrias ernähren sich hauptsächlich von Stängel, Wurzeln wie Rüben und Wasserpflanzen. Gelegentlich fressen sie auch tierische Nahrung in Form von Schnecken und Muscheln.
Nutrias bringen nach knapp fünf Monaten Schwangerschaft bis zu acht Jungtiere zur Welt. Sie können bis zu dreimal im Jahr Junge bekommen. Der Nachwuchs kommt bereits voll entwickelt zur Welt und folgt der Mutter schon nach wenigen Stunden. Als Anpassung an ein Leben in und am Wasser, haben die Weibchen Milchdrüsen, die am Rücken liegen. Dadurch können sie ihre Jungtier auch im Wasser säugen.

Die Nutria und der Mensch

Ursprünglich kam die Nutria von der Südküste Brasiliens bis nach Feuerland in ganz Südamerika vor, doch im 19.Jahrhundert stand sie kurz vor der Ausrottung. Pelzjäger hatten die Tiere gnadenlos gejagt. Doch als sie selten wurden, begann man sie zu züchten und ermöglichte ihnen so ganz neue Gebiete zu besiedeln.
Um 1930 exportierte man die ersten Tiere in den US-Bundesstaat Louisiana und baute dort große Pelzfarmen auf. Doch irgendwann gelang einigen Tieren die Flucht. Die Nutria fand in den Südstaaten der USA optimale Lebensbedingungen und vermehrte sich schnell. so dass es heute Millionen von wildlebenden Nutrias in den USA gibt.
Auch in Europa wurde man auf den südamerikanischen Pelzträger aufmerksam. Bereits 1890 kamen die ersten Tiere nach Frankreich, etwa 1926 gab es die erste Farm in Deutschland. Auch hier gab es „Flüchtlinge“, die sich aber nur bedingt etablieren konnten. Denn für die Nutria bedeutet ein strenger europäischer Winter den sicheren Tod. Aus dem Grund gab und gibt es keine stabilen Populationen in Europa.
Aber es gab auch gezielte Ansiedlungsversuche. In Kenia und West-Australien hatte man es versucht, doch die Nutria konnte sich weder in Afrika noch in Australien festsetzen. Erfolgreicher waren die Versuche in Japan, in der Nähe der Stadt Okayama. Dort gibt es heute eine stabile Population.
Jedoch nicht nur der Pelz steht im Fokus der Menschen. Um die Zucht rentabler zu machen, wird auch versucht das Fleisch zu verkaufen. Insbesondere Argentinien wirbt für die „Delikatesse“ und preist es als zart und wohlschmeckend an. Auch in der DDR beschrieb man 1958 in einem Pelz-Fachbuch von Rouladen, Mettwurst, Kochsalami und mit Räuchern zu Landjägern aus Nutria-Fleisch. Die amerikanische Regierung startete sogar eine 2,1 Millionen US-Dollar teure Kampagne für den Verzehr von Nutria-Fleisch, da die Tiere in den Südstaaten sich mittlerweile zu einer richtigen Plage entwickelt hatten.