Tierlexikon: Orang-Utan

Orang-Utans im Tierpark Hellabrunn - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Orang-Utans im Tierpark Hellabrunn – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Pongo pygmaeus
Verbreitung kontinental:
Asien
Verbreitung regional:
Indonesien, Malaysia
Lebensraum:
Regenwälder
Gattung:
Orang-Utans
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: stark gefährdet

Der Orang-Utan lebt in der Regel als Einzelgänger. Er ist tagaktiv und verbringt die Nacht in Schlafnestern, die er aus Blättern im Geäst der Bäume auf bis zu 20 Metern Höhe baut und jeweils nur für eine Nacht benutzt. Der Orang-Utan verbringt fast sein ganzes Leben in auf Bäumen und ist damit das größte auf Bäumen wohnende Säugetier der Welt, nur sehr selten sieht man ein Tier auf dem Erdboden. Forscher verbinden dies mit der Gefahr durch Fressfeinde, vor denen auf dem Boden nicht schnell genug geflüchtet werden kann.
Der Orang-Utan kann eine Größe von knapp eineinhalb Metern und ein Gewicht von etwa 90 Kilo erreichen. Charakteristisch ist das zottelige orange Fell, dessen Strähnen bis zu einen halben Meter lang werden können. Die Arme der Tiere, welche über zwei Meter Spannweite erreichen, sind deutlich länger als ihre Beine. Weibchen sind kleiner als Männchen, die mit fortschreitendem Alter immer größere Backenwulste, einen ausgeprägten Kehlsack und im Alter auch einen grauen Kinnbart bekommen.
Der Orang-Utan ist ein Allesfresser, dessen Hauptnahrung aus pflanzlicher Kost besteht. Auf dem Speisezettel stehen hauptsächlich Früchte, aber auch Blätter, Rinde und Knospen. Ergänzt wird er gelegentlich durch Ameisen und Termiten.
Bei den Orang-Utans paaren sich die Männchen mit mehreren Weibchen, die allerdings erst im Alter von etwa sieben Jahren geschlechtsreif werden. Die erste Schwangerschaft stellt sich aber meist erst mit etwa 15 Jahren ein. Nach einer gut sieben Monate langen Schwangerschaft bringt es schließlich ein Jungtier zur Welt, das sich in den ersten Wochen nur am Bauch der Mutter festklammert. Erst im Alter von drei Jahren wird der Nachwuchs dann entwöhnt, bleibt aber bis zur Geschlechtsreife noch bei der Mutter. Die Männchen kümmern sich nicht um ihre Nachkommen. Die lange Erziehungszeit führt dazu, dass ein Weibchen im Laufe ihres Lebens im Regelfall nicht mehr als drei Jungtiere groß zieht. Diese geringe Fortpflanzungsrate ist ein Problem bei der Arterhaltung, da größere Verluste in der Population nur sehr langsam ausgeglichen werden können. Aus diesem Grund sind neben der Erhaltung der letzten Lebensräume auch Wiederauswilderungsprojekte und Orang-Utan-Waisenhäuser sehr wichtig um diese Menschenaffenart nicht aussterben zu lassen.
Der Name Orang-Utan entstammt der malaiischen Sprache und kommt von „Orang“ für „Mensch“ und „Hutan“ für „Wald“, also letztlich der Bedeutung „Waldmensch“.

Der Orang-Utan-Mann als Sänger

Der Kehlsack, der besonders bei männlichen Orang-Utans ausgeprägt ist, ermöglicht es den Einzelgängern sich über Kilometer hinweg miteinander zu unterhalten. Meist geht dem Gesang ein krachend zu Boden geschleuderter Gegenstand voraus. Anschließend beginnt er mit seinem Lied, dessen Lautstärke stetig ansteigt und nach etwa zwei Minuten mit einem sanften Grunzen endet. Der Orang-Utan erzeugt diese Töne mit den Resonanzkörpern in der Kehle, die mehrere Liter Luft aufnehmen können. Reste dieser Resonanzkörper sind auch bei uns Menschen noch vorhanden und nennen sich Morgagni-Taschen. Sie können durch jahrelanges Training wieder nutzbar gemacht werden, besonders Basstubaspieler und Muezzine, die muslimischen Gebetsrufer, sind ein gutes Beispiel hierfür.

Haben die Orang-Utans eine Kultur?

Als primitive Kultur bezeichnet man eine Gruppe Menschen, welche die Fähigkeit hat die Gegebenheiten der Umwelt zu nutzen um mehr Ertrag zu erzielen, als es ohne Einfluss möglich wäre. Zudem müssen diese erlernten Eigenschaften an die nächste Generation weiter gegeben werden können.
Es wurden Orang-Utans beobachtetet, die ohne den Einfuß der Menschen damit begonnen haben Werkzeuge zu nutzen um an Futter zu gelangen. Ebenso gibt es Orang-Utans, welche die Menschen beim Fischen beobachteten und dann auch mit einem spitzten Stock Fische fangen konnten. Dies könnte auch als Nachahmung bezeichnet werden, jedoch nicht, wenn es anschießend das Kind von der Mutter lernt.
Es wäre wahrscheinlich aber etwas zu weit gefasst, die Orang-Utans als Lebewesen mit einer menschenähnlichen Kultur zu bezeichnen, aber in Verhalten und Intelligenz dürften sie uns von allen Säugetieren am nächsten stehen.

Unterarten des Orang-Utans

Meist wird der Orang-Utan in zwei Arten aufgeteilt, die nach den beiden Inseln Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) und den Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) genannt werden. Der Sumatra-Orang-Utan wird sogar als „vom Aussterben bedroht“ geführt.
Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und auch die zoologischen Einrichtungen unterscheiden die beiden Arten. Die IUCN führt beide Arten, der Catalogue of Life dagegen nennt den Orang-Utan als eine Art Pongo pygmaeus.
Beide Arten unterscheiden sich aber hauptsächlich genetisch, optisch oder im Verhalten sind keine deutlichen Unterschiede zu erkennen.