Tierlexikon: Panzernashorn

Panzernashorn im Tierpark Hellabrunn 2011 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Rhinoceros unicornis
Verbreitung kontinental:
Asien
Verbreitung regional:
Indien,Nepal
Lebensraum:
Sümpfe und Moorgebiete an Gewässern
Gattung:
Rhinocerus
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: gefährdet

Das Panzernashorn lebt als Einzelgänger. Nur zur Paarungszeit finden Bullen und Kühe kurz zueinander.
Das Panzernashorn kann ein Gewicht von bis zu 2.100 Kilo erreichen. Es hat im Gegensatz zu den anderen Nashornarten nur ein Horn. Dieses Horn ist anders als Horn der Ziegen oder Rinder nicht mit dem Kopf verwachsen und hat keinen knöchernen Kern. Es besteht aus Keratin und ist damit ähnlich den Haaren und Fingernägeln. Das Panzernashorn hat keine Haare, außer auf den Ohren, an der Schwanzspitze und die Wimpern. Die Hautplatten mit den Beulen an den Flanken geben den Tieren ein aggressives Auftreten, was allerdings täuscht: Panzernashörner sind eigentlich außerordentlich friedfertig. Die Oberlippe ist sehr ausgeprägt und dient dem Tier dazu Blätter von den Ästen oder Wasserpflanzen von Grund rupfen zu können. Obwohl sie eher schwerfällig wirken, können sie bis zu 40 km/h schnell werden. Zudem sind sie geschickte Schwimmer und Taucher. Eine der Hauptbeschäftigungen neben dem Fressen ist das Suhlen im Schlamm. Dieses „Bad“ dient der Abkühlung, dem Schutz vor Austrocknung und Parasiten.
Das Panzernashorn ernährt sich von Gräsern, Kräutern, Stauden und Wasserpflanzen, Blättern, Zweigen und Ästen. Es benötigt bis zu 150 Kilo Futter täglich. Zudem lecken die Tiere immer wieder Salz und Mineralstoffe durch Schlamm vom Boden auf.
Der Paarungsakt des Panzernashorns kann bis zu 83 Minuten dauern und ist der Grund warum das Horn so begehrt in der traditionellen chinesischen Medizin ist, denn ein Aberglaube besagt, dass die Potenz für diesen langen Akt im Horn steckt. Nach einer Schwangerschaft, die etwa eineinhalb Jahre dauert, kommt immer nur ein Junges zur Welt. Das Kalb kann bei der Geburt bis zu 75 Kilo wiegen und wird danach bis zu eineinhalb Jahre gesäugt. Dabei benötigt es bis zu 30 Liter Milch

Gefahren für das Panzernashorn

Früher lebten auf dem Indischen Subkontinent etwa eine halbe Million Panzernashörner, heute sind es nur noch ca. 2.500 Tiere. Obwohl es seit über 50 Millionen Jahren Nashörner auf der Erde gibt, würden sie heute ohne Schutzmaßnahmen nicht mehr existieren. Sie haben keine natürlichen Feinde und trotzdem wurden in den letzten 25(!) Jahren weltweit 97% aller Nashörner getötet. Schuld daran ist fast ausschließlich er Mensch.
Das Hauptproblem für die Art ist, dass ihr Lebensraum immer mehr zu Nutzen des Reisanbaus von Wildnis zu Kulturfläche umgewandelt wird und das Panzernashorn dort ein Schädling ist. Zudem werden die Tiere immer noch von Wilderern wegen ihres Hornes gejagt. Dieses Horn gilt in der traditionellen chinesischen Medizin als Potenzmittel und Heilmittel für fast alles. Es ist allerdings nicht der Bedarf, der den übermächtigen Jagddruck auf die Tiere ausübt, sondern die Preisentwicklung. Die Hörner werden gelagert und es wird spekuliert, dass der Preis nach der endgültigen Ausrottung aller Nashörner in ungeahnte Höhen steigen wird. Die derzeitige Preisentwicklung auf dem Schwarzmarkt stützt leider diese Spekulation. Tragisch ist dabei, dass der Handel nur durch die Unwissenheit und den Aberglauben im asiatischen Raum, vorwiegend China und Taiwan, profitieren kann. Das Horn eines Nashorn hat nämlich die selbe Zusammensetzung wie ein Pferdehuf oder ein menschlicher Fingernagel.
Ein weiteres großes Problem ist die „Enge“ in den Schutzgebieten, die bei den Panzernashornbullen immer wieder zu tödlichen Revierkämpfen führt. Das Panzernashorn markiert sein Revier nämlich mit Kothaufen. Diese Kothaufen werden allerdings von den Urwaldbewohnern, wie z.B. dem Bankivahuhn immer wieder zerstört, weil man an die darin siedelnden Insekten kommen möchte. Das Nashorn weicht deshalb immer wieder auf Erdkuhlen aus, in die es seinen Kot legt. Erdkuhlen die tief genug sind, dass die geschäftigen Insektenjäger den Kot nicht heraus scharren können, legt nur der Lippenbär auf seiner Suche nach Termiten an. Leider graben die Bären nicht den ganzen Waldboden um, sondern sorgen nur vereinzelt für Löcher, die dann das Revier eines Bullen automatisch begrenzen und auch immer von mehreren Nashörnern genutzt werden. So treffen die Bullen aufeinander und beginnen Kämpfe zu führen, von denen eines von acht Tieren stirbt. Helfen könnte hier nur mehr Platz, den aber der Mensch für sich beansprucht.
Auch eingeschleppte Pflanzen aus Südamerika, wie z.B. Bitterwein oder Mimose zerstören die Nahrungsgrundlage der Panzernashörner. Die Pflanzen überwuchern das Elefantengras, eine der Hauptnahrungen der Tiere.
Das einzige Raubtier, das dem Panzernashorn gefährlich werden kann ist der Tiger. Jedoch kann die Katze nur Nashornkälber töten, wenn die Mutter unachtsam ist. Dies geschieht jedoch öfter als mag glauben möchte.