Tierlexikon: Przewalski-Pferd

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2013 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Equus ferus
Verbreitung kontinental:
Asien
Verbreitung regional:
Mongolei
Lebensraum:
Steppen und Halbwüsten
Gattung:
Pferde
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: stark gefährdet

Przewalski-Pferde, auch Takhi genannt, leben in Herden von bis zu 20 Tieren. Diese Herden sind Familienverbände, die aus einem Hengst und mehreren Stuten mit deren Nachwuchs besteht. Hengste ohne Herde bilden manchmal Jungessellengruppen, die ebenfalls aus bis zu 20 Tieren bestehen können. Im Familienverband ist der Hengst der Anführer. Müssen sie Tiere flüchten gibt er die Richtung vor, sollten sich Fohlen in der Herde befinden, so bleibt er allerdings hinter der Gruppe und sorgt dafür, dass kein Jungtier zurück bleibt. Die gegenseitige Fellpflege spielt für die sozialen Kontakte innerhalb der Herde eine große Rolle. Dabei knabbern sich die Tiere gegenseitig an Stellen, die sie alleine nicht erreichen könnten.
Das Przewalski-Pferd ernährt sich ausschließlich von kurzen, harten Gräsern und Blättern von Büschen. Damit eine Herde genug Nahrung findet muss sie ausgedehnte Wanderungen unternehmen. Zudem halten sie sich immer in der Nähe einer Wasserstelle auf. Sollte diese im Winter zu gefroren sein, fressen sie auch gelegentlich Schnee. Im Extremfall können sie vier Tage ohne Wasser auskommen.
Das Przewalski-Pferd ist die letzte überlebende Wildpferderasse. Manche halten auch die nordamerikanischen Mustangs für Wildpferde, doch das ist falsch. Mustangs sind verwilderte Hauspferde. Es gab vor der europäischen Besiedlung keine Pferde auf dem amerikanischen Kontinent.
Im Jahre 1968 wurde das letzte wild lebende Przewalski-Pferd gesichtet, danach galt es als in der Wildnis ausgestorben. Der Grund hierfür liegt bei den Nomaden. Diese wandernden Viehhirten verdrängten das Przewalski-Pferd aus seinem ursprünglichen Lebensraum. Da die Art ein sogenannter „Kulturflüchter“ ist, wichen die Pferde vor den Menschen immer mehr zurück, bis ihnen letztlich auch der verbliebene Lebensraum durch die jahreszeitlichen Wanderungen der Herden genommen worden war. Zudem jagten die Hirten die Tiere als Fleischlieferanten, um die Bestände ihrer eignen Herden während der Zeit des Umherziehens zu schonen.
Das Przewalski-Pferd wurde nach seinem Entdecker Oberst Nikolai Przewalski benannt. Dieser Offizier der russischen Armee, machte sich als Forschungsreisender zwischen 1870 und 1885 einen Namen, als er einen großen Beitrag zur Erforschung Zentralasiens leistete. Er entdeckte und beschrieb 1881 nicht nur das Urwildpferd, sondern sichtete auch zum ersten Mal sie seltenen wild lebenden Trampeltierherden in den Steppen Zentralasiens.

Die Rückkehr der Wildpferde

Seit 1950 wird das Przewalski-Pferd von den Menschen in Gefangenschaft gehalten. Als sich die Meldungen vom Aussterben der Wildpopulation 1968 bestätigte lebten nur noch dreizehn zuchtfähige Tiere in Zoos und bei privaten Haltern.
Die darauf folgende Zuchtkoordination gilt als einer der größten internationalen Erfolge in der Geschichte der zoologischen Gärten. Zunächst war es wichtig ein Zuchtbuch anzulegen um die höchstmögliche genetische Vielfalt zur erreichen.
Als man dann genug Tiere gezüchtet hatte, wurden Vorbereitungen getroffen, die Tiere wieder in geeigneten Gebieten in die Freiheit zu entlassen. Dafür mussten Auswilderungsgehege in den jeweiligen Ländern aufgebaut werden, da die Zootiere wieder zu lernen hatten sich selbst mit Nahrung zu versorgen und ebenfalls eine natürliche Vorsicht dem Menschen gegenüber entwickeln mussten. Für diese Projekte stellen die teilnehmenden Zoos nicht nur ihre Tiere kostenlos zur Verfügung, sondern bezahlen und organisieren auch den Transport.
1992 wurden zum ersten Mal wieder Tiere in der Mongolei in die Freiheit entlassen. Heute hat sich wieder ein kleiner, aber stabiler Wildbestand von etwa 150 Tieren in den mongolischen Steppen etabliert. Weitere Projekte laufen in China, Ungarn und sogar in der großflächig verwilderten Sperrzone rund um die Atomruine Tschernobyl wird die Ansiedlung versucht.