Tierlexikon: Schneeeule

Schneeeule im Vogelpark Irgenöd - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Schneeeule im Vogelpark Irgenöd – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Bubo scandiacus
Verbreitung kontinental:
Amerika, Asien, Europa
Verbreitung regional:
Kanada, China, Färöer, Finnland, Grönland, Island, Japan, Kasachstan, Lettland, Norwegen, Russland, Saint Pierre und Miquelon, Svalbard und Jan Mayen, Schweden, England, USA, Albanien, Österreich, Weißrussland, Belgien, Bermuda, Kroatien, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Iran, Irland, Nordkorea, Südkorea, Kirgistan, Luxembourg, Mongolei, Montenegro, Niederlande, Pakistan, Polen, Portugal, Serbien, Slowakei, Turkmenistan, Ukraine
Lebensraum:
arktische Tundra
Gattung:
Uhus
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Die Schneeeule lebt als Einzelgänger und zeigt deutliche Verhaltensunterschiede im Vergleich mit seinen südlicher lebenden Verwandten. So ist sie etwa tagaktiv und verbringt zudem den Großteil seines Lebens auf dem Boden.
Schneeeule haben ein schneeweißes Gefieder, das nur bei den Weibchen einige schwarze Bänder oder graubraune Flecken enthalten kann. Wie der Uhu hat die Schneeeule aufstellbare Federohren, die jedoch meist flach am Kopf anliegen und so gut wie nie zu sehen sind. Sie ist die am Nördlichsten lebende Eulenart. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bewohnern wechselt die Schneeeule auch im Sommer ihre weiße Tarnfarbe nicht, wie etwa Schneehuhn oder Schneehase. Die langen Federn an den Füßen schützen sie nicht nur zusätzlich vor der Kälte, sondern helfen ihr auch im tiefen Schnee nicht einzusinken.
Die Schneeeule ist ein Fleischfresser. Ihre Hauptnahrung stellen Lemminge dar, deren Populationen sie sogar hinterher wandert. Eine Schneeeulenfamilie frisst etwa 1.500 der kleinen Nager im Jahr, was einem durchschnittlichen Tagesbedarf von über vier Lemmingen bedeutet.
Während der Brutsaison bilden die Schneeeulen monogame Paare, die sich mit der Selbstständigkeit des Nachwuchses wieder trennen. Das wichtigste Balzritual ist die Übergabe eines Beutetieres, ohne diese Geste lässt sich das Weibchen nicht begatten. Das Weibchen baut dann in einer schneefreien Zone ein Erdkuhle, in die es bis zu elf Eier legt. Die Anzahl der Eier ist immer abhängig vom Nahrungsangebot, so kann es passieren, dass sie in Jahren mit einer kleinen Lemmingpopulation nur vier oder fünf Eier legt. Dann werden die Eier etwa einen Monat lang vom Weibchen alleine ausgebrütet, während das Männchen sie Partnerin mit Futter versorgt. Nach dem Schlupf kümmern sich die Eltern noch mindestens zehn Wochen um den schnell wachsenden Nachwuchs, ehe dieser dann selbstständig wird. Die kurze „Jugendzeit“ der Jungvögel hängt mit dem kurzen arktischen Sommer und der Gefahr durch Räuber zusammen, da die Jungvögel auf dem Boden schutzlos gegenüber Polarfüchsen oder andern Raubtieren sind.
Bis heute wird debattiert, zu welcher Gattung die Schneeeule gehört. Bis zum Ende des letzten Jahrtausends wurde sie als nächste Verwandte der kleinen Sperbereule gesehen, während man heute davon ausgeht, dass sie zur Familie der größten Eulenvögeln, der Uhus, gehört.

Die Schneeeule als Wandervogel

Dass von der Schneeeule keine Unterarten bekannt sind liegt wohl daran, dass sie in keiner Region wirklich sesshaft wird. Aber sie ist kein Zugvogel, ihre Wanderung erfolgen willkürlich und haben selten ein direktes Ziel, entscheidend ist wahrscheinlich das vorherrschende Nahrungsangebot. Da die Schneeeule so weit herum kommt, ist es auch nicht verwunderlich, dass ihr Verbreitungsgebiet bis tief nach Mittel- und Südeuropa oder Zentralasien hineinreicht. Dort ist sie allerdings nur als Kurzzeitgast zu finden, ihre eigentliche Heimat sind die deutlich kälteren Regionen der nördlichen Halbkugel.