Tierlexikon: Tiger

Sibirischer Tiger im Tierpark Hellabrunn 2012 – Foto: M. Schmid / zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Panthera tigris
Verbreitung kontinental:
Asien
Verbreitung regional:
Bangladesch, Bhutan, Kambodscha, China, Indien, Indonesia, Laos, Malaysia, Myanmar; Nepal, Russland, Thailand, Vietnam
Lebensraum:
je nach Unterart und regionaler Verbreitung
Gattung:
Großkatzen
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: stark gefährdet

Die Männchen leben als Einzelgänger, die Weibchen außerhalb der Zeit in der sie ihren Nachwuchs groß ziehen auch. Tiger sind in der Regel dämmerungsaktiv und legen auf Nahrungssuche bis zu 25 Kilometer am Tag zurück.
Der Tiger ist die größte lebende Raubkatze und kommt nur in Asien vor. Er ist ein ausgezeichneter Schwimmer, aber ein schlechter Kletterer. Der Tiger ist ein Anschleich-Jäger, der seiner Beute auflauert und mit einem Satz oder kurzem Sprint erlegt. Schafft er das nicht auf die ersten 200 Meter, bricht er den Angriff in der Regel ab. Seine Zunge ist wie ein Reibeisen mit dem er kleinste Fleischreste von den Knochen raspeln kann. Die Streifen auf dem Fell sind nicht nur eine individuelle Zeichnung, sondern tarnt den Tiger auch bei seinen Beutezügen, weil die Musterung im Zusammenhang mit der Bewegung in der Umgebung verschwindet.
Der Tiger war einst vom Kaspischen Meer bis auf die Inseln Indonesiens weit verbreitet. Heute gelten drei Unterarten als ausgestorben und von den verbliebenen soll es Schätzungen zufolge nur noch 3.000 – 5.000 frei lebende Tiere geben. Als „Tigerreichstes“ Land gilt Indien. Der Tiger ist eines der wenigen Tiere, die den Menschen als Beute, wenn auch nicht als seine Bevorzugte, ansieht.

Besondere Farbvarianten

Bei den Tigern tritt gelegentlich Leuzismus auf, d.h. dass die Tiger ein weißes Fell mit schwarzen Streifen haben. Diese Tiere sind keine Albinos, es fehlen die dafür charakteristischen roten Augen. Weiße Tiger haben in der Regel blaue Augen. Der „Goldtiger“ ist eine Farbvariante, bei der die schwarzen Pigmente in den Streifen fehlen. Diese Abart wurde bisher erst zweimal beobachtet. Zudem gibt es unbestätigte Berichte über schwarze und blaugraue Tiere.

Bedrohungen und Hoffnung für den Tiger

Der Tiger ist hauptsächlich durch den Verlust seines Lebensraums gefährdet, da die Einzelgänger sehr große Reviere für sich beanspruchen. Zudem finden sich auch immer weniger große Huftiere in seinem Lebensraum, die den Hauptteil seiner Beute ausmachen. Er wird zwar immer noch gejagt, aber durch den Rückgang seines Bestandes nicht mehr so massiv wie früher. Es gibt sogar nur noch so wenige Tiere, dass sich der Bedarf für die traditionelle chinesische Medizin hauptsächlich durch illegale, tierquälerische Tigerfarmen gedeckt wird. Doch in vielen Staaten wächst der Wunsch den Tiger zu schützen und ihn in passender Umgebung wieder auszuwildern. China ist hier Vorreiter. Es bestehen auch Überlegungen in Kasachstan wieder Tiger am Kaspischen Meer anzusiedeln, da aber die ehemals dort ansässige Unterart ausgestorben ist, überlegt man auf Amurtiger zurück zugreifen.

Unterarten des Tigers

Die Unterarten des Tigers unterscheiden sich durch Verbreitungsgebiet, Größe und kleineren Äußerlichkeiten.

Sibirischer oder Amurtiger
(Panthera tigris altaica)

Der Sibirische Tiger, selten auch Mandschu-Tiger genannt, ist die größte Unterart des Tigers und ist die seltenste Großkatze der Welt. Er beansprucht ein Jagdrevier von bis zu 3.000 km2, kann bis zu 280 Kilo schwer werden und ist in der Lage bis zu sechs Meter weit zu springen. Da er sich in Gefangenschaft sehr gut fortpflanzt, geht man davon aus, dass mittlerweile in Gefangenschaft mehr Tiere dieser Unterart leben als in Freiheit. Er hat eine bis zu fünf Zentimeter dicke Speckschicht, die ihn vor den harten Wintern seines Lebensraums schützt. Die Jungtiere bleiben bis zu vier Jahre bei der Mutter, ehe sie Selbstständig werden.

Indochinesischer Tiger
(Panthera tigris corbetti)

Der Indochinesische Tiger wird auch Hinterindischer Tiger oder Corbett-Tiger genannt. Der lateinischer Name kommt von dem britischen Jäger und späteren Tierschützer Jim Corbett, der Colonel der British Indian Army war und Anfang des 20. Jahrhunderts lebte. Früher lebte er in ganz Thailand, Myanmar, Kambodscha, Vietnam, Laos, Malaysia und Südchina, heute gibt es nur noch sehr geringe Populationen. In Gefangenschaft gibt es nur wenige Indochinesische Tiger.

Malaysischer Tiger
(Panthera tigris jacksoni)

Der Malaysischer Tiger wird auch Jackson-Tiger genannt, er ist auf der Malaiischen Halbinsel verbreitet und wurde früher zum Indochinesischen Tiger gerechnet. Auf der Malaiischen Halbinsel leben wahrscheinlich nur noch 250 Exemplare.

Königstiger
(Panthera tigris tigris)

Der Königstiger wird auch Indischer Tiger oder Bengaltiger genannt und ist die zweitgrößte Unterart des Tigers. Sein Fell ist dunkler als das des Amurtigers und heller als das der südlicheren Unterarten. Er kommt heute nur noch in kleinen isolierten Populationen in Indien, Bangladesch, Bhutan, Nepal und Myanmar vor. Obwohl man von nur noch 2.500 Tieren in Freiheit leben, zählt er als zu den weniger bedrohten Tigerarten. Diese Unterart ist am stärksten vom Handel mit Tigerfellen betroffen.

Südchinesischer Tiger
(Panthera tigris amoyensis)

Der Südchinesische Tiger ist eine mittelgroße Unterart des Tigers. In der Fellfärbung unterscheidet er sich deutlich von anderen Unterarten, der Weißanteil ist kleiner und die Streifen sind sehr dunkel und liegen weit auseinander. Diese Unterart wird wahrscheinlich aussterben. Man ist nicht einmal sicher ob es noch eine freilebende Population gibt und die etwa 72 Tiere, die in Zoos leben sind wahrscheinlich genetisch zu ähnlich um, trotz aufwendiger Auswilderungsbemühungen, eine neue Popultion zu bilden. Für den Südchinesischen Tiger wurde sogar extra eine Station in Südafrika gebaut, wo die Tiere das Jagen wieder lernen sollen, ehe sie in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder angesiedelt werden sollen.

Sumatra-Tiger
(Panthera tigris sumatrae)

Der Sumatra-Tiger ist die kleinste, noch lebende Unterart des Tigers. Er wird gerade einmal halb so schwer wie der Sibirische Tiger. Sein Fell ist zudem das Dunkelste aller Tiger und sein markanter Backenbart kann sich zu einer kleinen Mähne auswachsen. Der Sumatra-Tiger hat als einzige Unterart Schwimmhäute zwischen den Zehen, was auch erklärt warum er besonders gern ins Wasser geht. Die größte Gefahr für diese Unterart geht von der Rodung des Regenwaldes und der Bevölkerungsexplosion auf der indonesischen Insel aus. Man geht von gerade einmal bis zu 500 Tieren in freier Wildbahn aus und zählt etwa 250 Tiere in Zoos auf der ganzen Welt.

Bali-Tiger
(Panthera tigris balica)

Der Bali-Tiger war die Unterart des Tigers mit dem dunkelsten Fell. Wegen starker Bejagung und Zerstörung seines Lebensraum wurde er bereits etwa 1940 ausgerottet.

Java-Tiger
(Panthera tigris sondaica)

Der Java-Tiger war die kleinste Unterart des Tigers und hatte viele, eng gesetzte Streifen. Wegen des großen Bevölkerungswachstum auf der dicht besiedeltsten Insel Indonesien und der starken Bejagung starb er bereits etwa 1970 aus.

Kaspischer Tiger
(Panthera tigris virgata)

Der Kaspische Tiger wird auch Persischer Tiger oder Turantiger genannt. Ursprünglich kam diese Unterart von Anatolien über den Iran bis in die Mongolei vor. Mittlerweile ist er ausgestorben. Einige Zeit nachdem die letzten Tiere in Freiheit ausgerottet waren, gab es noch Tiere in zoologischen Einrichtungen, doch in den 1970er Jahren verstarben die letzten Exemplare.