Tierlexikon: Silbergibbon

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2012 – Foto: M. Schmid / zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Hylobates moloch
Verbreitumolochng kontinental:
Asien
Verbreitung regional:
Indonesien
Lebensraum:
Regenwälder
Gattung:
Gibbons
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: stark gefährdet

Silbergibbons leben in Familienverbänden mit bis zu sechs Tieren, die aus einem Pärchen und deren Nachwuchs bestehen. Hat sich ein Paar gefunden bleibt es ein Leben lang zusammen und beansprucht ein eigenes Revier, in dem sie keine anderen erwachsenen Artgenossen dulden. Die Art ist tagaktiv und stärkt den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Gruppe durch regelmäßige Fellpflege. Silbergibbons verbringen den größten Teil ihres Lebens auf den Bäumen, auf dem Erdboden kommen sie nur sehr selten.
Silbergibbons haben immer ein silbernes Fell, das auch zu ihrem Namen geführt habt. Der Silbergibbon hat überlange Arme und lange, gekrümmte Finger. Seine Arme reichen im Stand fast bis zum Boden. Zum Vergleich: die des Menschen gehen maximal bis zu den Knien.
Der Silbergibbon ist ein Allesfresser, der sich allerdings fast ausschließlich von Früchten, Blättern und Knospen ernährt. Nur selten ergänzt er seinen Speiseplan durch Insekten. Um zu trinken stecken Silbergibbons ihre Hand ins Wasser bis sich das Fell damit voll gesaugt hat. Anschließend entfernen sie sich vom Wasser und saugen die Flüssigkeit mit dem Maul wieder heraus.
Das Weibchen gebärt nach einer knapp ein halbes Jahr dauernden Schwangerschaft meist nur ein Jungtier, das danach noch etwa zwei Jahre lang gesäugt wird. Während dieser Zeit kümmert sich die ganze Familie um die Jungtiere. Der Nachwuchs bleibt dann immer noch bis zur Geschlechtsreife, was etwa im Alter von acht Jahren soweit ist, bei der Familie. Forscher glauben, dass ein Silbergibbonweibchen in ihrem ganzen Leben lediglich bis zu sechs Jungtiere zur Welt bringen kann.
Der Silbergibbon existiert nur auf der indonesischen Insel Java und selbst dort wird es ihn nicht mehr lange geben. Obwohl diese Gibbonart so gut wie keine natürlichen Feinde hat und selbst die wenigen wie Leopard oder einige Greifvögel nicht entscheidend in die Populationsgröße eingreifen, wird dieser wunderschöne Affe aussterben. Waldrodungen haben seinen Lebensraum um 96% verringert, das ist in etwa so als würde man Deutschland auf die Fläche des Stadtstaates Berlin schrumpfen.

Der Gesang der Silbergibbons

Im Gegensatz zu allen anderen Gibbonarten singen bei den Silbergibbons die Paare morgens kein Duett. Männchen und Weibchen singen unabhängig von einander, wobei das Männchen öfter singt. Für den Menschen klingt der Gesang wie ein heulendes Weinen. Die Töne werden durch das Aufblasen des Kehlsacks erzeugt. Silbergibbons gehören damit zu den lautesten Bewohnern des Regenwaldes. Der Gesang ist immer sehr individuell und bis zu fünf Kilometer weit zu hören. Er dient zur Abgrenzung ihres Reviers. Silbergibbons singen nur am Morgen.

Der Silbergibbon hängt ab…

Der Silbergibbon bewegt sich auf eine Art fort, die Schwinghangeln genannt wird. Er kann sich mit einer Hangelbewegung bis zu zwölf Meter weit kommen. Diese Technik ist so belastend, dass es sogar gelegentlich zu Knochenbrüchen kommen kann, die allerdings meist problemlos heilen. Wenn der Silbergibbon aufrecht läuft, das kann beim Balancieren und auf dem Boden vorkommen, hält er die Arme nach oben. Meistens sieht man ihn allerdings an einem oder beiden Armen in den Bäumen hängend, was für das Tier durchaus nicht anstrengend sondern im Gegenteil sehr entspannend ist. Jungtiere klammern sich in den ersten Lebensmonaten an den Bauch der Mutter. Sie flechten dabei ihre Finger regelrecht in das Fell der Mutter ein und können sich so auch bei den akrobatischsten Sprüngen fest halten.

Gibbons und der Mensch

Südostasiatische Naturvölker glauben, dass Gibbons gute Geister sind und verehren sie, eine Jagd auf die menschenähnlichen Waldbewohner wäre für sie undenkbar. In China wurden sie jedoch von Jägern beinahe ausgerottet. Heute sind Jäger allerdings kaum noch eine Gefahr für die Affen. Sie leiden viel mehr unter der rigorosen Abholzung der Urwaldriesen und der Brandrodung der Regenwäldern. Da Gibbons aufgrund ihrer körperlichen Beschaffenheit nur auf Bäumen überleben können, stirbt ihre Art zusammen mit dem Verschwinden der Regenwälder aus.