Tierlexikon: Truthuhn

Truthuhn in der Tierwelt Herberstein - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Truthuhn in der Tierwelt Herberstein – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Meleagris gallopavo
Verbreitung kontinental:
Amerika, Australien
Verbreitung regional:
Kanada, Mexiko, USA, Australien, Neuseeland
Lebensraum:
lichte Mischwälder mit dichtem Unterholz
Gattung:
Truthühner
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Das Truthuhn lebt in Verbänden von bis zu zwanzig Tieren, die entweder aus Hühnern und deren Nachwuchs bestehen oder reine Junggesellengruppen sind. Die Verbände unterliegen zwar einer Hackordung sind aber dennoch eher lose. Truthühner sind tagaktiv, nachts schlafen sie auf Bäumen, in der Nähe von Menschen auch auf Hochspannungsleitungen oder Häusern.
Truthühner sind gute Läufer und eher schlechte Flieger. Sie sind lieber zu Fuß unterwegs, was aber auch daran liegt, dass sie nur etwa einen Kilometer am Stück fliegen können. Wenn das Truthuhn verfolgt wird flieht es beinahe immer laufend.
Das Truthuhn ist ein Allesfresser, bevorzugt allerdings pflanzliche Kost. Es ernährt sich hauptsächlich von Blättern, Samen, Früchten, Wurzeln und jungen Trieben, ergänzt seinen Speiseplan allerdings immer wieder durch Insekten, kleine Reptilien und Amphibien.
Beim Truthuhn bilden sich keine festen Paare. Der Hahn versucht mit dem Aufstellen der Schwanzfedern und seinem unverwechselbaren Rufen so viele Weibchen wie möglich von einer Paarung zu überzeugen. Das Weibchen baut dann ein Nest in einem Pflanzendickicht und legt bis zu 15 Eier, die es etwa einen Monat lang ausbrütet. Die Jungvögel werden dann vergleichbar lang von der Mutter versorgt, erst mit etwa fünf Monaten werden sie selbstständig.

Das Truthuhn und der Mensch

Bereits lange vor der Ankunft der Europäer wurde das Truthuhn von den Indigenen Völkern im Südwesten Nordamerikas und im heutigen Mexiko domestiziert. Damals stellte das Truthuhn neben dem Weißwedelhirsch das meistgenutzte Tier dar. Besonders das Fleisch als Nahrung, aber auch Federn als Ziergegenstände und für Pfeile wurden genutzt. Der Wildbestand wurde vor der Besiedelung durch die Europäer auf bis zu 10.000.000 Tiere in ganz Nordamerika geschätzt.
Schon die ersten Eroberer brachten das Truthuhn dann nach Europa, wo es sofort in größerem Umfang gezüchtet wurde. Aber auch in der Wildnis wurde eine Ansiedlung versucht die sich allerdings nie wirklich etablieren konnte. Die größte europäische Population existierte früher in Tschechien. In Deutschland geht die früheste schriftliche Erwähnung auf das Jahr 1698 zurück.
Mit der großen Siedlerwelle kam das Truthuhn nicht nur nach Australien und Neuseeland, wo sich, bis heute bestehende, Wildpopulationen etablieren konnten, es wurde auch nach Amerika „reimportiert“. Die meisten der heutigen in Nordamerika lebenden Haustruthühner gehen auf Zuchttiere aus Europa zurück. Die Besiedlung und großflächige Landwirtschaft nach der Besiedelung brachten dann diese uramerikanische Vogelart an den Rand der Ausrottung. Die massenhafte Umwandlung der Natur in Nutzland und eine, mit wachsender Bevölkerung, immer stärkere Bejagung sorgten dafür, dass Ende der 1940er Jahre lediglich ungefähr 130.000 Exemplare übrig waren, die versteckt in Berg- und Sumpfwäldern lebten. Nachdem lange der Exodus für die Art nahe war, besserte sich die Lage für das Truthuhn unverhofft. Als ab 1960 die Landwirtschaft immer mehr aufgegeben wurde, und etliche Farmen verlassen worden waren, konnte sich die Art seinen ehemaligen Lebensraum teilweise zurück erobern. Zusätzliche Schutzbemühungen sorgten dafür, dass im Jahre 1990 wieder geschätzt zwischen drei und fünf Millionen Truthühner die USA, Kanada und Mexiko bevölkerten.
Heute verdankt das Truthuhn seine Beliebtheit hauptsächlich Thanksgiving, da ein Truthahnbraten an diesem amerikanischen und kanadischen Feiertag das traditionelle Gericht darstellt. Das Truthuhn wäre auch beinahe das Wappentier der Vereinigten Staaten von Amerika geworden, verlor aber die finale Abstimmung gegen den Weißkopfseeadler…

Unterarten des Truthuhns

Das Truthuhn wird in sechs Unterarten unterteilt, die nach Verbreitungsgebiet und teilweise nach der Färbung unterteilt werden.

Meleagris gallopavo gallopavo – Südmexiko

Meleagris gallopavo intermedia – südliche USA und Nordmexiko

Meleagris gallopavo merriami – südwestliche USA

Meleagris gallopavo mexicana – Pazifikküste Nordmexikos

Meleagris gallopavo osceola – Florida

Meleagris gallopavo silvestris – östliche USA und Kanada