Tierlexikon: Vielfraß

Aufgenommen im Tierpark Hellabrunn 2013 – Foto:M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
Wissenschaftlicher Name:
Gulo gulo
Verbreitung kontinental:
Europa, Asien, Amerika
Verbreitung regional:
Kanada, China, Estland, Finnland, Mongolei, Norwegen, Russland, Schweden, USA
Lebensraum:
Wälder und Gebirgslandschaften
Gattung:
Gulo
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Der Vielfraß ist die größte Marderart und wird auch Bärenmarder, Gierling, Giermagen, Gierschlund oder Järv genannt. Der Name „Vielfraß“ geht auf eine falsche Übersetzung des nordischen Wortes „Fjelfras“ zurück, was so viel wie Felsenkatze bedeutet.
Der Vielfraß ist ein Einzelgänger, der weder Tag noch Nacht für die Jagd bevorzugt. Er beansprucht ein Revier, das mehrere hundert Quadratkilometer groß sein kann und das er auch täglich mit weiten Wanderungen durchstreift.
Der Vielfraß ist hervorragend an seinen kalten und unwirtlichen Lebensraum angepasst. Er hat ein dichtes wasserabweisendes Fell und breite, große Füße mit Spannhäuten zwischen den Zehen, die das Einsinken im Tiefschnee verhindern. Zudem scheut er das Wasser nicht und schwimmt ausgezeichnet.
Aufgrund des geringen Nahrungsangebots in der arktischen Tundra ist der Vielfraß ein sehr aggressiver Jäger. Es ist sogar beobachtet worden, dass er Braunbären und Pumas von ihrem Riss vertrieben hat. Mit seinem starken Gebiss ist er auch in der Lage Knochen spielend zu knacken, was ihn in die Lage versetzt, seine Beute effizient zu verwerten. Wahrscheinlich nennt man auch deshalb die Hyäne des Nordens. Aber seine Voraussetzungen als Jäger sind ebenfalls beachtlich. Er ist kräftig gebaut, hat starke Krallen und ist sehr muskulös, seine starken Nackenmuskeln ermöglichen es ihm sogar einen Elchkadaver, der immerhin mit bis zu einer halben Tonne Gewicht mehr als das zehnfache des Vielfraßes wiegt, in sein Versteck zu ziehen. Er schreckt auch nicht davor zurück andere Raubtiere zu jagen, so wurden bereits erfolgreiche Jagden auf Füchse und Luchse gesehen. Selbst der Respekt vor dem Menschen hält sich in Grenzen, es wurde bereits mehrfach von hungrigen Vielfraßen berichtet, die nicht nur in Häuser eindrangen, sondern diese auch noch mit Sekret als ihr Revier markierten.
Aber er hat auch Fressfeinde, Bären, Pumas und ganze Wolfsrudel sind eine Gefahr für ihn. Gegen Feinde kann er, ähnlich dem Stinktier, ein übelriechendes Sekret meterweit spritzen. Aber wegen seiner Wehrhaftigkeit ist er für keine andere Art ein bevorzugtes Beutetier.
Populär wurde er durch die Comicserie „X-Men“, in der die Figur „Wolverine“ seinen Namen trägt, da dies die englische Bezeichnung für den Vielfraß ist.

Den Vielfraß gibt es in sechs Unterarten

Die Unterarten werden nicht nach dem Aussehen, sondern nach der Verbreitung unterschieden.

Gulo gulo albus – russische Halbinsel Kamtschatka
Gulo gulo katschemakensis – Kenai-Halbinsel in Alaska
Gulo gulo luscus – Wisconsin/USA
Gulo gulo luteus – Montana/USA
Gulo gulo vancouverensis – British Columbia/Kanada
Gulo gulo gulo – Europa und Asien