Tierlexikon: Vikunja

Aufgenommen in der Tierwelt Herberstein 2012 - Foto: M. Schmid / zoogast.de

Aufgenommen in der Tierwelt Herberstein 2012 – Foto: M. Schmid / zoogast.de

Allgemein

wissenschaftlicher Name:
Vicugna vicugna
Verbreitung kontinental:
Amerika
Verbreitung regional:
Argentinien, Bolivien, Chile, Peru, Ecuador
Lebensraum:
Hochgebirge
Gattung:
Vicugna
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Vikunjas gehören zu den Neuweltkamelen und leben in Familienverbänden von knapp 20 Tieren. Diese bestehen aus einem Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Die Männchen verteidigen diese Gruppen und ihr Revier, das sie mit Kot markieren und welches bis zu 180 Hektar groß sein kann, sehr aggressiv gegenüber Artgenossen. Junge Männchen bilden bis zur Geschlechtsreife Junggesellengruppen. Einzelgänger sieht man selten und wenn dann handelt es sich um alte Männchen.
Vikunjas sind sehr wachsam und scheu. Wenn sie sich bedroht fühlen, warnen sie ihre Artgenossen mit einem Pfiff und flüchten. Tagsüber grasen sie in den mittleren Höhen der Anden, über Nacht ziehen sie sich in die Hochgebirgsregionen über 3.500 Meter bis zu 5.500 Meter zurück.
Ihr Körper ist perfekt an das Leben im Gebirge angepasst, schmale und bewegliche Sohlen geben ihnen auf dem felsigen Untergrund stabilen Halt und das dicke und weiche Fell schützt vor sehr niedrigen Temperaturen. Zudem bildet das Blut der Vikunja mehr rote Blutkörperchen und kann dadurch mehr Sauerstoff speichern, was ihnen hilft auch in der dünnen Höhenluft ohne Probleme atmen zu können. Hilfreich dabei ist auch ihr angepasstes Herz, das bis zu 1,5 mal schwerer sein kann als selbst das anderer Hochgebirgstiere. Vikunjas haben nachwachsende Schneidezähne, eine Eigenschaft die man eigentlich nur von den Nagetieren kennt. Die Zähne nutzen sich aber beim Fressen der kargen Hochgebirgsnahrung immer wieder ab. Deshalb wird den Tieren in Zoos immer wieder etwas zu Knabbern, wie etwa Karotten oder harte Zweige, gegeben, da die Zähne sonst endlos wachsen würden und das Vikunja am Ende sogar noch bei der Nahrungsaufnahme behindern würden.

Das Vikunja und der Mensch

Vor der Zeit der weißen Eroberer fingen die Indios die Vikunjas ein, schoren sie und ließen sie anschließend wieder laufen. Das garantierte ihnen jedes Jahr eine sicher Menge der schon damals kostbaren Wolle, die als die feinste Wolle aller Kamele und sogar als einer der feinsten überhaupt gilt. Die zumeist spanischen Eroberer hielten es nicht so mit der Nachhaltigkeit und schossen die Tieren in einem solchen Masse, dass die Art kurz vor dem Aussterben stand. Die Weißen dezimierten die Vikunjas sogar so stark, dass die Südamerikaner gleich nach ihrer Unabhängigkeit 1825 in Bolivien und Peru Schutzgesetze erließen, die aber leider noch nicht die gewünschte Wirkung hatten. Erst durch neuzeitliche, strenge Schutzmaßnahmen konnten sich die Bestände wieder erholen.
Obwohl die Bestände mittlerweile wieder stabil sind, exportiert man keine zeugungsfähigen Vikunja aus Südamerika. Dies soll dem Schutz wirtschaftlichen Nutzung der Wolle in Südamerika dienen.