Tierlexikon: Weißhandgibbon

Weißhandgibbon im Vogelpark Irgenöd - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Weißhandgibbon im Vogelpark Irgenöd – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Hylobates lar
Verbreitung kontinental:
Asien
Verbreitung regional:
Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand
Lebensraum:
Regenwälder
Gattung:
Gibbons
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: stark gefährdet

Weißhandgibbons leben in Familienverbänden mit bis zu sechs Tieren, die aus einem Pärchen und deren Nachwuchs bestehen. Hat sich ein Paar gefunden bleibt es ein Leben lang zusammen und beansprucht ein eigenes Revier, in dem sie keine anderen erwachsenen Artgenossen dulden. Die Art ist tagaktiv und stärken den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Gruppe durch regelmäßige Fellpflege. Sie verbringen den größten Teil ihres Lebens auf den Bäumen, auf dem Erdboden kommen sie nur sehr selten.
Weißhandgibbons können ein schwarzes oder sandfarbenes Fell haben, charakteristisch sind allerdings die weißen Hände, die auch zu ihrem Namen geführt haben. Der Gibbon hat keinen Schwanz, überlange Arme und lange, gekrümmte Finger. Seine Arme reichen im Stand fast bis zum Boden. Zum Vergleich: die des Menschen gehen maximal bis zu den Knien.
Der Weißhandgibbon ist ein Allesfresser, der sich allerdings fast ausschließlich von Früchten, Blättern und Knospen ernährt. Nur selten ergänzt er seinen Speiseplan durch Insekten. Um zu trinken stecken Weißhandgibbons ihre Hand ins Wasser bis sich das Fell damit voll gesaugt hat. Anschließend entfernen sie sich vom Wasser und saugen die Flüssigkeit mit dem Maul wieder heraus.
Das Weibchen gebärt nach einer knapp ein halbes Jahr dauernden Schwangerschaft meist nur ein Jungtier, das danach noch etwa zwei Jahre lang gesäugt wird. Der Nachwuchs bleibt dann immer noch bis zur Geschlechtsreife, was etwa im Alter von acht Jahren soweit ist, bei der Familie.
Gefährliche Fressfeinde des Weißhandgibbons sind Leoparden, Riesenschlangen und der Nebelparder. Der Weißhandgibbon ist die am häufigsten gezeigte Gibbonart in deutschen Zoos.

Der Gesang der Weißhandgibbons

Morgens singen die Paare ein Duett, das für den Menschen wie heulendes Weinen klingt und durch das Aufblasen des Kehlsacks entstehen. Sie gehören damit zu den lautesten Bewohnern des Regenwaldes. Der Gesang ist immer sehr individuell, so fügen die Geschlechter immer wieder einzelne Strophen des Partners in ihren Gesang mit ein. Dieser Gesang ist bis zu fünf Kilometer weit zu hören und dient zur Abgrenzung ihres Reviers. Meist singen Weißhandgibbons am Morgen.

Der Weißhandgibbon hängt ab…

Der Weißhandgibbon bewegt sich auf eine Art fort, die Schwinghangeln genannt wird. Er kann sich mit einer Hangelbewegung bis zu zwölf Meter weit kommen. Diese Technik ist so belastend, dass es sogar gelegentlich zu Knochenbrüchen kommen kann, die allerdings meist problemlos heilen. Wenn der Weißhandgibbon aufrecht läuft, das kann beim Balancieren und auf dem Boden vorkommen, hält er die Arme nach oben. Meistens sieht man ihn allerdings an einem oder beiden Armen in den Bäumen hängend, was für das Tier durchaus nicht anstrengend sondern im Gegenteil sehr entspannend ist. Jungtiere klammern sich in den ersten Lebensmonaten an den Bauch der Mutter. Sie flechten dabei ihre Finger regelrecht in das Fell der Mutter ein und können sich so auch bei den akrobatischsten Sprüngen fest halten.

Gibbons und der Mensch

Südostasiatische Naturvölker glauben, dass Gibbons gute Geister sind und verehren sie, eine Jagd auf die menschenähnlichen Waldbewohner wäre für sie undenkbar. In China wurden sie jedoch von Jägern beinahe ausgerottet. Heute sind Jäger allerdings kaum noch eine Gefahr für die Affen. Sie leiden viel mehr unter der rigorosen Abholzung der Urwaldriesen und der Brandrodung der Regenwäldern. Da Gibbons aufgrund ihrer körperlichen Beschaffenheit nur auf Bäumen überleben können, stirbt ihre Art zusammen mit dem Verschwinden der Regenwälder aus.