Tierlexikon: Weißkopfseeadler

Weißkopf-Seeadler im Vogelpark Irgenöd - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Weißkopfseeadler im Vogelpark Irgenöd – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Haliaeetus leucocephalus
Verbreitung kontinental:
Amerika, Europa
Verbreitung regional:
Kanada, Mexiko, Saint Pierre und Miquelon, USA, Belize, Bermuda, Irland, Puerto Rico, Amerikanische Jungferninseln
Lebensraum:
in Gewässernähe
Gattung:
Seeadler
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Im Sommer lebt der Weißkopfseeadler meist als Pärchen oder als Einzelgänger. Im Winter treffen sich jedoch manchmal bis zu 1.200 Tiere an nahrungsreichen Stellen.
Der Weißkopfseeadler ist gut an seinem weißen Kopf und den weißen Schwanzfedern zu erkennen. Das Gefieder färbt sich allerdings erst mit der Geschlechtsreife. Der Weißkopfseeadler ist mit einer Spannweite von bis zu zweieinhalb Metern und einem Gewicht von etwa sechs Kilo der zweitgrößte Greifvogel Nordamerikas. Er wird nur noch vom Kalifornischen Kondor übertroffen.
Der Weißkopfseeadler ist ein reiner Fleischfresser. Er ernährt sich hauptsächlich von Fischen und Wasservögeln, gelegentlich schlägt er auch kleine Säugetiere und im Winter frisst er auch Aas.
Der Weißkopfseeadler baut seinen Horst mit einem Durchmesser von bis zu drei Metern aus großen Zweigen auf unzugänglichen Felsen oder auf alten Bäumen. Dieser Horst wird dann jahrelang genutzt und immer wieder ausgebessert, es wurden verlassene Weißkopfseeadlerhorste gefunden, die knapp eine halbe Tonne wogen. Hat sich ein Pärchen einmal gefunden bleibt es meist ein Leben lang zusammen, vollführt aber trotzdem jedes Jahr aufs Neue einen Balztanz, der während dem Fliegen aufgeführt wird. Das Weibchen legt dann bis zu drei, meist aber nur zwei Eier, die es etwa eineinhalb Monate ausbrütet. Der Weißkopfseeadler hat seine Jungenaufzucht darauf ausgelegt, dass bei jeder Brut ein Junges erwachsen wird. Das zweite Küken schlüpft meist ein bis zwei Tage nach dem Ersten und ist damit deutlich kleiner. Wenn das erste Küken sich gut entwickelt, beansprucht es irgendwann alle Nahrung für sich und verurteilt das jüngere Küken damit zum Tod. Ein drittes Küken hat keine Überlebenschance. Trotz dieser Brutselektion hat der Weißkopfseeadler eine sehr schlechte Nachwuchsrate, denn auch von den erstgeschlüpften Küken, die nach knapp drei Monaten selbstständig werden, wird nur jedes fünfte Jungtier geschlechtsreif, was nach etwa fünf Jahren der Fall wäre.

Der Weißkopfseeadler und die Menschen

Bereits bei den Azteken und Mayas galt der Weißkopfseeadler als Symbol der Macht und Stärke und wurden Gottheiten gleichgestellt. Vor der Ankunft der Europäer war die Art in ganz Nordamerika zu finden und besiedelte beinahe jedes Gewässer und alle Küsten.
Auch die europäischen Siedler bewunderten den majestätischen Vogel, obwohl er auch oft von Trophäenjägern geschossen wurde. Doch die größte Gefahr für den Weißkopfseeadler waren nicht die Jäger, sondern die moderen Landwirtschaft. Das Schädlingsbekämpfungsmittel DDT brachte den Weißkopfseeadler in den 1960er Jahren an den Rande der Ausrottung, da er an der Spitze der Nahrungskette das meiste Gift abbekam. Es führte dazu, dass die Eierschale der Brut des Vogels weich wurden und beim Brüten brachen, so dass kein Nachwuchs mehr schlüpfen konnte. Seit etwa 1980 ist das Gift verboten und der Weißkopfseeadler steht unter strengem Schutz, doch die Bestände erholen sich nur langsam.
Heute muss man in den USA eine Genehmigung für den Besitz von lebenden oder toten Weißkopfseeadlern einholen, auch Körperteile dürfen ohne staatliche Erlaubnis nicht besessen werden. Die indigenen Ureinwohner dürfen allerdings immer noch Federn für religiöse und kulturelle Zwecke verwenden. Doch sie machen keine Jagd auf den Weißkopfseeadler, sie begnügen sich mit Federn von natürlich verendeten Tieren, die allerdings ebenfalls gemeldet werden müssen.

Der Weißkopfseeadler als Wappenvogel

Der Weißkopfseeadler ist noch heute das Wappentier der USA. Doch ursprünglich gab es eine Diskussion über das Tier welches die Vereinigten Staaten von Amerika repräsentieren sollte, doch letztlich konnte sich der Weißkopfseeadler durchsetzen. Die Alternative war das Truthuhn…

Unterarten des Weißkopfseeadlers

Der Weißkopfseeadler wird in zwei Unterarten geführt, die nach ihrem Verbreitungsgebiet unterteilt werden.

Haliaeetus leucocephalus leucocephalus
südliche USA und Mexiko

Haliaeetus leucocephalus washingtoniensis
nördliche USA und Kanada