Tierlexikon: Wildkatze

Europäische Wildkatze im Nationalpark Bayerischer Wald - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Europäische Wildkatze im Nationalpark Bayerischer Wald – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Felis silvestris
Verbreitung kontinental:
Afrika, Asien, Europa
Verbreitung regional:
Afghanistan, Albanien, Algerien, Andorra, Angola, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Weißrussland, Belgien, Benin, Bosnien und Herzegowina, Botswana, Bulgarien, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Zentralafrika, Tschad, China, Kongo, Demokratische Republik Kongo, Kroatien, Tschechien, Dschibuti, Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Frankreich, Gambia, Georgien, Deutschland, Ghana, Gibraltar, Griechenland, Guinea, Guinea-Bissau, Ungarn, Indien, Iran, Irak, Israel, Italien, Jordanien, Kasachstan, Kenia, Kuwait, Kirgistan, Lettland, Libanon, Lesotho, Libyen, Litauen, Luxembourg, Mazedonien, Malawi, Mali, Mauretanien, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Marokko, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Oman, Pakistan, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Ruanda, Saudi Arabien, Senegal, Serbien, Sierra Leone, Slowakei, Slowenien, Somalia, Südafrika, Spanien, Sudan, Swasiland, Schweiz, Syrien, Tadschikistan, Tansania, Togo, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Uganda, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Schottland, Usbekistan, Western Sahara, Jemen, Sambia, Simbabwe, Südsudan
Lebensraum:
überall außer in Regenwäldern und Wüsten
Gattung:
Kleinkatzen
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Die Wildkatze hat ein weites Verbreitungsgebiet, das sich von Eurasien über Afrika erstreckt. Wegen dieser weiten Verbreitung hat sich ein regional unterschiedliches Sozialverhalten ausgebildet. Prinzipiell gilt die Wildkatze als sehr scheu und selbst erfahrene Jäger sind nicht in der Lage der aufmerksamen Katze aufzulauern. Wildkatzen sind tag und nachtaktiv, sie können stundenlang regungslos, meist von einem hohen Ansitz aus, auf Beute lauern. Das Wetter beeinflusst das Verhalten der Wildkatze enorm, wenn es schneit oder regnet geht sie nicht auf die Jagd und ruht in ihrem Versteck. Da der Luchs ein Nahrungskonkurrent der Wildkatze ist, duldet er sie nicht in seinem Revier. Weswegen Luchs und Wildkatze nicht in derselben Gegend vorkommen.
Wildkatzen sind Fleischfresser. Da sie alleine auf die Jagd geht sind ihre Beutetiere kleiner als sie selbst. In der Regel sind das Mäuse, Vögel aber auch andere Säugetiere bis zur Größe eines Kaninchens. Wildkatzen gelten als einzige Katzen als absolut nicht zähmbar.
Wildkatzen sind bereits mit einem Jahr geschlechtsreif. Sie können im Jahr bis zu acht Jungtiere werfen. Die Wildkatze baut ein Fellnest für die Kleinen, in dem sie die Jungtiere während der Jagd zurücklässt während den ersten fünf Wochen hält die Mutter das Nest sauber, in dem sie den Kot der Jungen aufleckt.
Selbst in Gefangenschaft geborene Wildkatzen gewöhnen sich nicht an den Menschen und lassen sich niemals freiwillig berühren. Gefangene oder in Gefangenschaft geborene Tiere brauchen große Gehege mit Verstecken. In diesen lassen sie sich vom Menschen beobachten, wenn dieser ihnen dabei nicht zu nahe kommt. Wildkatzen müssen sich vor den Menschen sicher fühlen, um sich zu zeigen.

Die Wildkatze gibt es in vielen Unterarten

Die Wildkatze wird eigentlich in 23 Unterarten unterteilt. Da diese Unterscheidung allerdings sehr aufwendig its, ist man im allgemeinen dazu übergegangen die Tiere in drei Unterarten zu teilen, die abhängig von der kontinentalen Verbreitung sind.

Die afrikanische Wildkatze
Felis silvestris lybica

Umfasst:
Felis silvestris cafra
Felis silvestris jordansi
Felis silvestris rubida
Felis silvestris foxi
Felis silvestris mellandi
Felis silvestris tristrami
Felis silvestris gordoni
Felis silvestris nesterovi
Felis silvestris ugandae
Felis silvestris griselda
Felis silvestris ocreata

Die Falbkatze ist ein Einzelgänger der bei Dunkelheit auf die Jagd geht und den Großteil des Tages in Baumhöhlen oder Erdbauten, die von anderen Tierarten gegraben wurden, verschläft. Sie hat einen spitz zulaufenden Schwanz und im Gegensatz zu anderen Wildkatzen eine kaum sichtbare Tigerung in der Fellzeichnung. Die Falbkatze ist ein sehr guter Jäger, der sich anschleicht und seine Beute dann im Sprung mit einem Nackenbiss oder einem Schlag mit den Krallen erlegt. Bevorzugt werden kleine Nagetiere und Vögel, sowie Frösche und Eidechsen, aber auch Insekten, wie z.B. Spinnen und Skorpione. Im Englischen wird die Falbkatze auch „Dessertcat“ genannt, was eigenartig ist, da die Falbkatze eigentlich in fast allen Landschaftsarten zu finden ist, außer in Regenwäldern und Wüsten (Dessert).
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Falbkatze der alleinige Vorfahr der Hauskatze. Sie wurde vermutlich in Mesopotamien oder Palästina schon 6.000 v. Chr. domestiziert.

Die europäische Wildkatze
Felis silvestris silvestris

Umfasst:
Felis silvestris caucasica
Felis silvestris cretensis
Felis silvestris grampia
Felis silvestris reyi
Felis silvestris Haussa

Die Europäische Wildkatze lebt als Einzelgänger und bleibt meist in einem festen Gebiet. Man trifft sie nur selten im offenen Gelände und sie geht meist tagsüber auf die Jagd. Sie ist nur entfernt mit der Hauskatze verwandt. Sie besiedelte früher den gesamten europäischen Raum, heute ist sie nur noch in vereinzelten, isolierten Gebieten anzutreffen, wobei die Menschen große Anstrengungen unternehmen, sie wieder flächendeckender anzusiedeln. Was in dicht besiedelten Ländern wie Deutschland eher schwierig ist, da der scheue Waldbewohner die Nähe des Menschen meidet. Sie kehren sogar niemals in Verstecke zurück, die Menschen entdeckt haben. Bilder freilebender Tiere gelangen erstmals in den 1950er-Jahren und sind auch heute noch extrem selten. Die Existenz von Wildkatzen in einem Revier kann oft nur durch Spuren und Haare bewiesen werden. Ihr Geruchssinn ist bemerkenswert, er übersteigt sogar den der Hunde und sie ist dank ihrer hohen Intelligenz in der Lage Gefahren zu erahnen. Manchmal wird die Europäische Wildkatze auch als Waldwildkatze bezeichnet, um sie von verwilderten Hauskatzen abzugrenzen. Meist handelt es bei Sichtungen um verwilderte Hauskatzen, da diese immer in der Nähe menschlicher Siedlungen bleiben, während Wildkatzen diese strikt meiden. Das verhindert in der Regel auch, dass sich die beiden Arten vermischen, da sie sich selten treffen.

Die asiatische Wildkatze
Felis silvestris ornata

Umfasst:
Felis silvestris caudata
Felis silvestris chutuchta
Felis silvestris iraki
Felis silvestris vellerosa

Die asiatische Wildkatze unterscheidet sich am deutlichsten in der Fellzeichnung von den anderen Unterarten. Ihr Fell ist grau-gelblich ode rötlich und hat teilweise rotbraunen, statt schwarzen Flecken, die sogar manchmal zu Streifen verbunden sind. Manchmal haben sie, ähnlich dem Luchs, kleine Pinsel an den Ohrenspitzen. Die Schwanzspitzen sind meist schwarz. Man findet sie vom Nahen Osten bis nach Zentralasien. Die Grenze zwischen Europäischer und Asiatischer Wildkatze bildet das Kaukasus-Gebirge.