Tierlexikon: Wildschwein

Wildschwein im Wildpark Ortenburg - Foto: M.Schmid/zoogast.de

Wildschwein im Wildpark Ortenburg – Foto: M.Schmid/zoogast.de

Allgemein
wissenschaftlicher Name:
Sus scrofa
Verbreitung kontinental:
Europa, Asien, Afrika, Amerika, Australien
Verbreitung regional:
Afghanistan, Albanien, Algerien, Andorra, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Bangladesch, Weißrussland, Belgien, Bhutan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kambodscha, China, Kroatien, Zypern, Tschechien, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Indien, Indonesien, Iran, Irak, Israel, Italien, Japan, Jordanien, Kasachstan, Nordkorea, Südkorea, Kirgistan, Laos, Lettland, Libanon, Liechtenstein, Litauen, Luxembourg, Mazedonien, Malaysia, Moldawien, Monaco, Mongolei, Montenegro, Marokko, Myanmar, Nepal, Niederlande, Pakistan, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, San Marino; Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Sri Lanka, Schweiz, Syrien, Taiwan, Tadschikistan, Thailand, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan, Vietnam, Schweden, England, Antigua and Barbuda, Argentinien, Australien, Brasilien, Kolumbien, Kuba, Dominikanische Republik, Ecuador, Fidschi, Haiti, Jamaika, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Südafrika, Sudan, USA
Lebensraum:
alle Lebensräume
Gattung:
Schweine
Gefährdung:
Rote Liste der IUCN: nicht gefährdet

Wildschweine leben in Rotten von rund 20 Tieren, was aber immer von der Geburtenzahl der letzten zwei Jahre abhängt. Diese Rotten sind Familienverbände, mit 3-5 Bachen und deren Nachwuchs der letzten zwei Jahre. Die Eber leben als Einzelgänger. Ursprünglich waren Wildschweine tagaktiv, doch wegen der starken Bejagung haben sie die Nahrungssuche in die Nacht verlegt. Innerhalb der Rotten besteht ein großes Kontaktbedürfnis, so kuscheln sich die Gruppen beim Schlafen immer eng aneinander. Zum Schutz des Nachwuchses und vor Nässe und Kälte bauen sich die Tiere große Bodennester aus Zweigen und Laub, in denen die Gruppe schlafen kann.
Wildschweine können jedes Jahr bis zu zehn Jungtiere werfen. Nach nur vier Monaten Schwangerschaft kommen die Jungen, die Frischlinge genannt werden, nur wenig behaart und mit hellen und dunklen Streifen zur Welt. Die Bache hat sich im vorhergehenden Sommer und Herbst eine Fettschicht an, von der sie zehrt während sie die Jungen säugt. Wenn dann im Frühjahr wieder genug Nahrung vorhanden ist, werden die Frischlinge entwöhnt.Zur Paarungszeit veranstalten die Keiler aggressive Rangkämpfe um die Rotten. Diese Kämpfe werden bereits von den Frischlingen spielerisch geübt. Während der Paarungszeit sind Männchen und mit Jungtieren sind Weibchen besonders aggressiv und attackieren auch Menschen. Insbesondere gegen über Hunden äußert sich diese Angriffsbereitschaft, da sie in diesen wahrscheinlich ihren Feind den Wolf erkennen.
Wildschweine sind Allesfresser, die sich neben Pflanzen, Baumfrüchten, wie Eicheln und Kastanien und Wurzeln auch Fleisch zu sich nehmen. Sie vertilgen Insekten, Eier, aber auch Mäuse und Jungtiere kleinerer Säugetiere. Das Wildschein ist wichtig für die Verbreitung von Pflanzensamen. Forscher haben herausgefunden, dass die Art für eine ganze Menge Pflanzen als „Pflanzhelfer“ beinahe unersetzlich ist. Die Wildschweine fressen die Samen, welche die Verdauung heil überstehen und dann mit Kot an einer von der Mutterpflanze weiter entfernten Stelle wieder abgesetzt werden. Danach dient der Kot zusätzlich noch als Dünger.
Wildschweine sind bekannt für ihre enorme Anpassungsfähigkeit. Sie haben ein erstaunliches Gedächtnis und meiden gefährliche Plätze, wenn sie diese als solche erkannt haben. Sie haben einen ausgezeichneten Geruchssinn und können einen zerbrechenden Ast in großer Entfernung hören. Wichtig für ihre Körperpflege ist das Scheuern an Baumstämmen. Da Wildschweine anatomisch nicht in der Lage sind Parasiten mit den Zähnen zu entfernen, suhlen sie sich im Schlamm, der denn als Kruste die schädlichen Insekten bindet und die dann am Baum abgerieben wird.

Das Wildschwein und der Mensch

Das Wildschwein ist der Ahnvater aller Hausschweine, zudem sind die Tiere von jeher ein beliebtes Jagdwild der Menschen. Deswegen gibt es in der Jägersprache viele spezielle Namen für die Tiere in ihren jeweiligen Altersabschnitten und für ihre verschiedenen Körperteile. In Deutschland stellt man die Tiere unter den Überbegriff Schwarzwild, das Männchen nennt man Keiler, das Weibchen Bache und die Jungtiere Frischlinge. Außerdem werden die Wildschweine auch Schwarzkittel genannt und im Englischen heißen die Tiere Wild Boar. In Frankreich werden Wildschweine abgerichtet und zur Trüffelsuche eingesetzt.

Vertreibung und Rückkehr des Wildscheins

Im Zeitalter der Industrialisierung, wurden die große Wildschweinbestände in Europa deutlich reduziert und stellenweise ausgerottet. Nachdem Weltkriegen eroberten die Wildschweine große Gebiete ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets zurück. Z.B. gab es in der Toskana wegen der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung bis in die 1990er Jahre keine Wildscheine mehr. In Russland galt es um 1930 als ausgerottet, hatte sich aber 1950 bereits wieder großflächig ausgebreitet. In manchen Gebieten sind die Wildschweine nicht nur zurück gekehrt, sondern beanspruchen nun auch für sie früher feindliches Terrain. In Berlin siedelten sich die Tiere zunächst in den umliegenden Wäldern an, dann aber rückten sie immer weiter in die deutsche Hauptstadt vor. Heute besiedeln sie Parks, wie z.B. den Tiergarten, im Stadtinneren und wagen sich auch auf Nahrungssuche auch zu den Häusern vor. Bisheriger Höhepunkt waren zwei Tiere im Mai 2003 auf dem Alexanderplatz.